Gaildorf Optische Wärme treppauf, treppab

Barbara Weise (rechts) und Astrid Büntgen präsentieren ihre Werke im Treppenbereich des Ärztehauses.
Barbara Weise (rechts) und Astrid Büntgen präsentieren ihre Werke im Treppenbereich des Ärztehauses. © Foto: Irmtraud Koch
Gaildorf / Irmtraud Koch 20.08.2018
Grafik und Malerei im Gaildorfer Ärztehaus: Die Künstlerinnen Barbara Weise und Astrid Büntgen präsentieren eine Auswahl ihrer Werke im Treppentrakt des vierstöckigen Gebäudes.

Der helle, großzügige, jedoch nüchtern konzipierte Treppentrakt des vierstöckigen Gaildorfer Ärztehauses wird durch Kunst an den Wänden seiner reinen Sachlichkeit enthoben. Künstlerinnen und Künstler wiederum machen dankbar Gebrauch von der gebotenen Möglichkeit, sich großformatig zu präsentieren.

Nur mit hohem Druck

Kunstschaffende der lokalen Szene wie zum Beispiel Verena Geiger, Dirk Pokoj, Barbara Frohner-Weidner, Ilse Springer und Björn Ahston haben dort schon ausgestellt. Derzeit sorgen Barbara Weise und Astrid Büntgen für die optische Wärme im Ärztehaus – und für Kurzweil seiner Besucher.

Barbara Weise war bis zum Jahr 2011 Kunsterzieherin an der Gaildorfer Parkschule und experimentiert nach ihrer Pensionierung mit grafischen Druckverfahren. Vor allem Siebdruck hat es ihr – inspiriert von Andy Warhol – angetan. Obwohl, erläutert sie anschaulich, „dies im privaten Keller nicht leicht zu praktizieren ist.“

Die Siebe müssten mit einer lichtempfindlichen Masse beschichtet werden, dann werde das eigentliche Bild als Schwarzweißfolie drauf platziert und belichtet. „An den abgedeckten Stellen ist das Sieb durchlässig, und die Farbe kann mit einer Rakel durchgedrückt werden.“

Siebdrucke, erläutert die Künstlerin, „sind Flachdrucke, Holz- und Linolschnitte Hochdrucke, die man alle auch mit einer alten Wäschemangel drucken kann.“ Collagrafien und Radierungen dagegen seien Tiefdrucke, „die nur mit sehr hohem Druck erzeugt werden können.“ Und dafür „braucht man einen lieben Freund, der so eine Maschine hat: Dirk Pokoj zum Beispiel“.

Weises Grafiken bestechen durch klare Formsprache. Besonders reizvoll sind ihre Dreier-  Serien, bei denen dasselbe Motiv nacheinander in drei feinfühlig auf einander abgestimmten Farbtönen gedruckt wurde.

Tiefe Leuchtkraft

Astrid Büntgens künstlerischer Schwerpunkt liegt bei großformatiger Malerei. Ihre Gemälde zeichnen sich aus durch die tiefe Leuchtkraft der Farben des Hintergrundes. Dieser Effekt entsteht durch die Verwendung reiner Farbpigmente, die mit Acryl-Bindemittel in vielen Schichten mit Pinsel und Händen direkt auf die unbehandelte Leinwand aufgetragen und fixiert werden.

Seltsam schwerelos wie Traumbilder tauchen da und dort Gestalten aus diesen farbigen Nebeln auf oder auch in sie ein. Büntgen hat auch einige ihrer Zeichnungen mitgebracht, die, wie sie sagt, in ihrer Entstehung mit Bunt-, Filzstift und Rapidograph genauso zeitaufwändig wie die Gemälde seien.

Die Künstlerinnen

Barbara Weise, 1947 in Oberstdorf geboren, studierte, nachdem sie zehn Jahre lang als gelernte Goldschmiedin gearbeitet hatte, an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen Kunsterziehung und Deutsch. Künstlerisch weitergebildet hat sie sich auf Lehrgängen der Kunstakademien Rotenfels und Schwäbisch Hall. Über zehn Jahre lang war sie als Kunsterzieherin der Parkschule verbunden. Seit 2011 ist sie Mitglied der IG Kunst und hat an verschiedenen Ausstellungen teilgenommen. Seit einigen Monaten ist sie im Ausschuss des Vereins.

Astrid Büntgen, 1966 geboren, ist gelernte Zahntechnikerin, die sich seit den 90er Jahren, unterstützt von Malkursen, dem Kunstschaffen widmet. Wegweisend für sie war vor allem die Kunstdozentin Elisabeth Sauterleute, bei der sie 2006 die Anwendung von reinen Farbpigmenten mit Acryl-Bindemittel kennenlernte, eine Technik, die Büntgen bis heute bei ihren großflächigen Bildern anwendet. Seit 2013 bewirtschaftet das Ehepaar Büntgen das Forsthaus Weiler in Sulzbach-Laufen. Seit 2014 ist Astrid Büntgen Mitglied der IG Kunst, nimmt an den Ausstellungen des Vereins teil und bekleidet inzwischen, wie Weise, einen Platz im Ausschuss. ik

Die einem breiten Publikum zugängliche Ausstellung, kann bis in den späten Herbst hinein zu den Öffnungszeiten des Gebäudes besichtigt werden.

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