Gschwend Online-Auftritt nicht mehr zeitgemäß

Vom Hagberg grüßt das Pokémon. Die Gemeinde Gschwend will ihren Internetauftritt an die veränderten Nutzergewohnheiten anpassen. Auch Spielfunktionen wären möglich.
Vom Hagberg grüßt das Pokémon. Die Gemeinde Gschwend will ihren Internetauftritt an die veränderten Nutzergewohnheiten anpassen. Auch Spielfunktionen wären möglich. © Foto: Pokémon, Archiv/Andreas Balko, Montage: Evi Barthelmeß
Gschwend / Richard Färber 14.06.2018
Die Gemeinde Gschwend will ihre Homepage von Grund auf erneuern und durch eine App ergänzen. Welche Funktionen angeboten werden, hängt vom Förderbescheid ab.

Man könnte natürlich auch Spiele programmieren auf die Gemeinde-Homepage, so etwas Pokémonähnliches, sagt der Schultes. Auf den Gschwender Wanderwegen, in der Teufelskanzel, am Bergsee oder rund um den Hagbergturm könnten die Wanderer dann Monster jagen – sofern sie ein „mobiles Endgerät“ bei sich tragen und die neue Gschwend-App geladen haben.

„Schnickschnack“, meint Gemeinderat Joachim Hauenstein, nachdem Christoph Hald mal aufgelistet hat, was so alles möglich wäre, wenn man die mittlerweile recht betagte und nicht mehr zeitgemäße Homepage der Gemeinde überholt und eine Gschwend-App integriert. Eigentlich sei das ein „Systemwechsel“, erklärt der Gschwender Bürgermeister, als er das Vorhaben am Montag im Gemeinderat vorstellt.

Nötig wär’s. Darüber ist man sich im Gemeinderat einig. Das Nutzerverhalten hat sich geändert. Die Leute nutzen Handys und andere mobile Endgeräte, und dafür taugen die alten Einstellungen nicht.

12.500 Euro würde es kosten, die Homepage auf Vordermann zu bringen und die App zu integrieren. Damit stünden dann die notwendigsten Funktionen zur Verfügung – einschließlich eines „Content-Management-Systems“ für die Pflege der Daten durch die Gemeinde. 

Nach oben aber gibt’s keine Grenzen. Man kann weitere Funktionen buchen, was freilich auch den Preis nach oben treibt – die Funktion „Beschwerdemanagement“ etwa kostet 2200 Euro. Hald will jetzt schauen, was möglich ist, was man zusätzlich benötigt und was man brauchen könnte. Schnittstellen zu den sozialen Medien beispielsweise oder „Augmented Reality“-Anwendungen, die beim Blick auf den Bildschirm Pläne und Modelle, also Künftiges sichtbar machen.

Bis zu 100.000 Euro könnten es werden, erklärt der Bürgermeister, und: „Das krieg’ ich locker voll.“ Das bedeute nicht, betont er, dass die Gemeinde 100.000 Euro setzen wird, es bedeute lediglich, dass die Gemeinde einen Förderantrag für alle Möglichkeiten einreichen will, die sinnvoll erscheinen.

50 Prozent gibt’s vom Land, hat Hald herausgefunden. Das Förderprogramm sei allerdings gedeckelt: Mehr als eine Million Euro stünden nicht zur Verfügung. Bis 31. Juli muss der Antrag eingereicht sein. Zwar wird über die Vergabe nicht nach dem „Windhundprinzip“ entschieden, also nach Reihenfolge des Eingangs, sondern nach Begründung, dennoch will Hald zügig zu Potte kommen. Er hat mit der zuständigen Behörde telefoniert und erfahren, dass Gschwend eine der ersten Gemeinden ist, die Inte­resse signalisiert hat.

Hauenstein stört sich an der Beliebigkeit der Möglichkeiten, die Hald, die Spielfunktion eingeschlossen, aufgezählt hat. Er möchte, dass nach Sinnhaftigkeit gewählt wird: Was nützt den Bürgern, was der Gemeinde, womit spart man Geld und Personal, womit erleichtert man der Verwaltung die Arbeit und verbessert den Service für die Bürgerschaft? Eine Funktion zum Eingeben von Wasserzählerständen fände er sinnvoll, die Möglichkeit, Mängel zu melden, einen Formularservice. Andere Gemeinden könnten sicherlich Erfahrungswerte liefern, sagt Hauenstein.

Förderbescheid abwarten

Im Grunde rennt er damit offene Türen ein. Er strebe nur die Förderzusage an, erklärt Hald, welche Funktionen man dann tatsächlich anbieten wolle, werde der Gemeinderat entscheiden. Man stehe auch nicht unter Druck: Ehe der Förderbescheid nicht vorliege, könne die Gemeinde ohnehin nicht anfangen, das sei eine der Förderbedingungen.

Und deshalb wird auch der Auftrag erst dann vergeben, wenn der Bescheid vorliegt. Gibt’s keine Förderung, wird das Bühlerzeller Unternehmen „cm city media“ für die bereits gesetzte Summe den Minimalstandard herstellen, gibt’s eine Förderzusage, wird der Gemeinderat mit der Firma beraten, welche Funktionen man haben will und ob die Touristen auf den Gschwender Wanderwegen künftig virtuelle Monster jagen können.

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