Nach der Übernahme der Klenk-Sägewerke durch die österreichische Binderholz-Gruppe zeichnet sich im Rottal Ärger ab. Bei der für Dienstag angesetzten Betriebsversammlung blieben die für die Unternehmensführung reservierten Plätze leer. Das brachte Gewerkschaftssekretär Arno Siebert auf die Palme. Der Vertreter der IG Metall meint, die Geschäftsleitung habe im Vorfeld der Betriebsversammlung in einem Mitarbeiterbrief alle Beschäftigte zu einer separaten Mitarbeiterversammlung eingeladen, „an der ein Vertreter der IG Metall nicht teilnehmen wird“.

Geschäftsführer und IG Metall sehen sich beide laut Betriebsverfassungsgesetz im Recht

In diesem Schreiben, so Siebert, behaupten die neuen Hausherren, dass die Gewerkschaft die „vertrauensvolle Zusammenarbeit des Betriebsrates und der Geschäftsleitung gestört habe“. Die Geschäftsleitung blieb der Betriebsversammlung ohne Entschuldigung fern. Der Gewerkschaftsmann verfolgt diese Entwicklung mit Sorge und meint: „Seit der Geschäftsführer Herr Dünser nach der Übernahme der Klenk Holz GmbH durch den österreichischen Säger Binderholz die Geschicke auch in Oberrot lenkt, hat sich der Ton zu Belegschaft, Betriebsrat und nun auch zur IG Metall verschlechtert.“ Trotz aller Differenzen sei eine Geschäftsleitung nach dem Betriebsverfassungsgesetz angehalten, mit der im Betrieb vertretenen Gewerkschaft zusammenzuarbeiten.

„Sich vor einer Betriebsversammlung zu drücken, weil man die Diskussion in der betriebsöffentlichen Versammlung scheut, zeugt von keinem respektvollen Umgang“, kritisiert der Arbeitnehmervertreter und meint: „Wenn Herr Dünser dieses gesetzlich abgesteckte Feld verlassen will, beweist dies nur, dass man bei Binderholz wenig von deutschen Mitbestimmungsgesetzen versteht. Die IG Metall ist die Gewerkschaft bei Klenk und wird es in Zukunft auch bleiben.“ Der Gewerkschaftsvertreter kritisiert auch, dass Binderholz versucht, mit dem Betriebsrat einen Lohnabschluss zu vereinbaren und nicht mit ihr. In Deutschland sitzen sich bei Tarifverhandlungen normalerweise die Vertreter der Arbeitgeberverbände und der Gewerkschaften gegenüber. Der Betriebsrat ist hier bewusst außen vor.

Klenk Holz ist nicht tarifgebunden

Die Geschäftsführung sieht sich im Recht. Die Klenk Holz GmbH und ihre Tochterunternehmen seien nicht tarifgebunden. Insofern entscheide „allein die Geschäftsführung über Entgeltanpassungen“. Bereits im Vorfeld der Betriebsversammlung habe die Geschäftsführung sowohl die Mitarbeiter als auch den Betriebsrat über eine Anpassung der Löhne und Gehälter bei der Klenk Holz GmbH am Standort Oberrot zum 1. Oktober 2019 informiert. Darüber hinaus sei mit dem Betriebsrat beraten worden, „nach welchen Grundsätzen das von der Geschäftsführung zur Verfügung gestellte Volumen verteilt werden kann“.

Dieses Vorgehen stehe „im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben, insbesondere mit dem Betriebsverfassungsgesetz“. Der Vorwurf der IG Metall, die Geschäftsführung und Betriebsrat von Klenk würden gegen geltendes Recht verstoßen, entbehre „daher jeder Grundlage“. Mangels Tarifbindung sei nicht die IG Metall, sondern der Betriebsrat „für sämtliche mitzubestimmenden Fragestellungen unser Gesprächspartner“, so die Stellungnahme des Sägeunternehmens. „Zerwürfnisse“ zwischen der Klenk-Geschäftsführung und der IG Metall „bestehen nach unserer Einschätzung jedoch nicht“.