Allzu viel Spannung verspricht die Bürgermeisterwahl in Oberrot am Sonntag, 2. Februar, nicht: Neben Amtsinhaber Daniel Bullinger hat kein weiterer Bewerber seinen Hut in den Ring geworfen. Der 34-Jährige hofft nun auf eine möglichst hohe Wahlbeteiligung als Bestätigung seiner bisher geleisteten Arbeit – und richtet den Blick bereits auf kommende Projekte in „seiner“ Gemeinde.

Herr Bullinger, niemand mag am
2. Februar gegen Sie antreten. Hätten Sie sich einen Mitbewerber gewünscht?

Daniel Bullinger: Das ist eine gute Frage. Auf der einen Seite kann man sich mit einem Mitbewerber besser profilieren. Auf der anderen Seite hat die jetzige Situation den Vorteil, dass mir für die laufenden und anstehenden Projekte der Gemeinde ein bisschen mehr Zeit bleibt.

Man las zuletzt häufig, dass es immer schwieriger wird, Menschen für solche kommunalen Ämter zu finden. Der Druck ist hoch, Anfeindungen nehmen zu. Hat das möglicherweise auch eine Rolle gespielt?

Das ist ein allgemeines Problem, das es bundesweit gibt. Bürgermeister ist zwar ein Traumjob, er ist vielseitig, man kann Dinge gestalten. Aber die Rahmenbedingungen werden immer schwieriger. Einmal gesellschaftlich: Der Umgangston wird rauer, die Leute verfolgen ihre eigenen Interessen immer stärker und sind weniger am Gemeinwohl orientiert. Zum anderen wird man als Kommune immer mehr zerrieben zwischen dem Anspruch der Bürger und den Vorgaben der übergeordneten Politik.

In Ihrem Wahlkampf-Flyer nennen Sie eine ganze Reihe an Projekten, die Sie in den kommenden Jahren angehen möchten. Welches halten Sie für das wichtigste?

Finanziell der dickste Brocken ist sicherlich der Breitbandausbau. Zudem wird da flächendeckend etwas passieren.

Und wie kann der gelingen?

Die Breitbandinitiative im Landkreis hat einen sehr positiven Effekt. Es ist schon länger klar, dass man bei diesem Thema nur in einem größeren Umfang etwas erreicht. Das heißt, wenn Sie als Gemeinde oder Teilort auf dem Markt einen Netzbetreiber suchen, dann müssen Sie sehr viel Mitgift mitbringen – sonst finden Sie keinen. Also muss man landkreisweit oder sogar noch größer auf dem Markt auftreten.

Wie ist in Sachen Internet die aktuelle Situation in Oberrot?

Es ist dreischichtig: In den Hauptorten Oberrot und Hausen haben wir eine gute bis sehr gute Versorgung. Dasselbe gilt für Obermühle dank des Postkabels, das einst bis dorthin verlegt wurde. Im Bereich Hohenhardtsweiler/Frankenberg/Seehölzle war eine Verbesserung der Anbindung möglich. Im Rest der Gemeinde besteht hingegen noch ein großer Bedarf.

Ein weiteres Projekt, das Sie anführen, ist die Gründung eines Bürgernetzwerks. Was muss man sich da­runter vorstellen?

Wir haben in Oberrot viele private Initiativen, beispielsweise einen Seniorenclub, der ehrenamtlich geleitet wird. Das rege Vereinsleben ist eine weitere Stärke der Gemeinde: Wir haben über 25 Vereine! Die Idee ist nun, dass Kirchen, Gemeinde und Vereine gemeinsam für das vorhandene ehrenamtliche Engagement eine Anlaufstelle schaffen. Die könnte sich beispielsweise um eine Vertretung kümmern, wenn jemand ausfällt, sodass Angebote, die von Einzelpersonen abhängen, aufrechterhalten werden können. Ich denke, es ist einen Versuch wert, in diese Richtung etwas anzustoßen.

Das heißt, die Gemeinde möchte da auch eine Steuerungsfunktion haben?

Ja, durch die Anlaufstelle wäre das dann so. Es geht primär darum, gemeinsam mit den Kirchen und Vereinen die bestehenden Angebote zu verstetigen.

Ebenfalls für die Zukunft vorgenommen haben Sie sich eine „gesunde Finanzpolitik bei gleichzeitigen Investitionen“. Das klingt ein wenig nach der Quadratur des Kreises ...

Bislang war die Politik der Gemeinde, dass man investiert, ohne sich dabei zu sehr der Handlungsspielräume für die Zukunft zu berauben. Und das wollen wir ­beibehalten. Wir haben die Pro-Kopf-Verschuldung herunterfahren können und sind aktuell bei unter 200 Euro. Da muss man realistisch sein: Das werden wir in Anbetracht der großen Zukunftsthemen wie Hausen II, Breitband und Schulsanierung wohl nicht halten können.

Es gibt Unternehmen in Ihrer Gemeinde, die für den Wirtschaftsstandort enorm wichtig sind und für viele Arbeitsplätze sorgen. Doch immer mal wieder regt sich Protest in der Bürgerschaft, etwa beim Thema Lärmbelästigung. Wie wollen Sie den Interessenausgleich schaffen?

Am Beispiel der Firma Klenk Holz erinnere ich an den Beginn meiner ersten Amtszeit: Da stand die Zukunft der Firma auf der Kippe, man wusste nicht, ob es überhaupt weitergeht. Zum Glück kam es anders.

Als Gemeinde müssen wir schauen, dass man die Arbeitsplätze, die es gibt, hält. Wir haben nicht die großen Flächen zur Gewerbeansiedlung und liegen auch an keiner Autobahn. Daher ist unsere Maxime: Wenn die Unternehmen vor Ort investieren wollen, müssen wir das ermöglichen – natürlich unter der Prämisse, dass wir auch eine Wohngemeinde sind. Da müssen alle Interessen berücksichtigt werden. Dieser Tage haben wir uns mit der Firma Klenk vertraglich auf Lärmsanierungen und ein Beschwerdemanagement verständigt.

Das Thema Lärm wird man bei einem holzverarbeitenden Betrieb auch so nicht ganz beiseiteschaffen können ...

Richtig. Es ist ein Industriebetrieb, mit allen Konsequenzen.

Der Ausbau der Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden im Rottal und im Limpurger Land ist Ihnen ebenfalls wichtig. Wie sehr nehmen Sie sich als Einzelkämpfer wahr?

Wir sind nicht die größte Gemeinde im Limpurger Land, das ist Gaildorf. Viele Dinge gehen daher ohne Gaildorf nicht. Trotzdem empfinde ich es so, dass wir immer wieder Impulse setzen, zum Beispiel beim Digitalisierungsprojekt. In anderen Bereichen sind wir sicherlich auch Einzelkämpfer. Mir ist wichtig: Für interkommunale Kooperationen habe ich immer eine offene Tür. Denn ich bin der Meinung, dass wir als kleine Gemeinde im ländlichen Raum manche Themen nicht alleine lösen können. Da ist die Gemeinschaft, die Region gefragt.

Kreis Hall

Sie sind jetzt seit knapp acht Jahren Bürgermeister in Oberrot. Wenn Sie zurückblicken: Gibt es ein Thema, ein Ereignis, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ich würde das nicht auf ein Thema einschränken. Sicherlich war die Entlastungsstraße in Oberrot das größte Projekt der vergangenen Jahre, das bereits mein Amtsvorgänger angestoßen hatte. Dass es uns geglückt ist, einen Investor für das Hirsch-Areal zu finden und dass Feuerwehr und Bauhof ein neues Gebäude beziehen konnten, ist ebenfalls erwähnenswert.

Das neue Wanderleitsystem ist auch eine tolle Sache. Und an den Festakt mit den Jubiläumsvereinen und zum 25-Jahr-Partnerschaftsjubiläum mit Zweisimmen erinnere ich mich sehr gerne zurück. Vor allem an die spontane gemeinsame Einlage von Jodlerclub und Männergesangsverein zu späterer Stunde.

Sie sind vor Kurzem Vater eines Sohnes geworden. Wie sehr hat das Ihren Alltag umgekrempelt?

(lacht) Es ist vor allem eine Umstellung, was die Nächte angeht. Das war am Anfang anstrengend, inzwischen hat sich aber ein gewisser Rhythmus herausgebildet. Dadurch, dass meine Frau nun daheim ist, nehme ich mir mittags in der Pause etwas mehr Zeit, und auch bei der Planung der Abendtermine nehme ich mehr Rücksicht auf die Familie. Man spürt schließlich auch mehr Verantwortung als Vater.

Baby und Bürgermeisteramt – geht das gut zusammen?

Ein großer Vorteil der Arbeit ist, dass man in der Regel vor Ort ist und bei Bedarf meist schnell reagieren kann. Ein Nachteil ist die große Termindichte, auch abends und am Wochenende. Das schränkt das Familienleben natürlich ein.

Sie hatten in den vergangenen Tagen vier Wahlstammtische in Oberrot. Wie war die Resonanz und welche Themen haben dominiert?

Die Resonanz war okay, zehn bis 20 Leute pro Veranstaltung. Das ist bei nur einem Bewerber und unserer Gemeindegröße ein erwartbarer Wert. Die Themen sind dann natürlich sehr individuell, das reicht vom Dorfauto bis zum Nachbarschaftsstreit.

Mit Blick auf den 2. Februar: Über welche Quote würden Sie sich bei der Wahlbeteiligung freuen?

Da habe ich mir keine Zielmarke gesetzt. Klar wünsche ich mir eine hohe Wahlbeteiligung. Es ist ja auch ein positives Zeichen, wenn die Leute sich die Mühe machen, ins Wahllokal zu gehen.

Und wenn Sie als Bürgermeister einen Wunsch frei hätten – welcher wäre das?

Aus der Erfahrung der vergangenen Jahre heraus: dass die Leute mehr miteinander statt übereinander reden. Das ist etwas, das tendenziell leider abnimmt.

Seit Kurzem ist die Familie zu dritt


Daniel Bullinger wurde am 5. März 1985 in Schwäbisch Hall geboren. Nach seinem Abschluss zum Diplom- Verwaltungswirt (FH) im Jahr 2008 war er als Hauptamtsleiter der Gemeinde Mötzingen tätig. 2012 kandidierte er erfolgreich als Bürgermeister der Gemeinde Oberrot und trat damit die Nachfolge von Werner Strack an, der das Amt fast 16 Jahre innehatte. Seit 2014 sitzt Bullinger zudem im Schwäbisch Haller Kreistag. Gemeinsam mit seiner Frau Jessica hat er einen Sohn, der kurz vor Weihnachten zur Welt kam. johö