Der Wecker klingelt um 4 Uhr. Mit hämmernden Kopfschmerzen wacht sie auf. Ihr ist übel, sie schafft es kaum bis ins Badezimmer. Im Spiegel sieht sie ein kreideweißes Häufchen Elend. Eigentlich sollte sie sich jetzt fertig machen für den Tag. Aber wie den Weg nach Stuttgart und einen Acht-Stunden-Arbeitstag überstehen? Sie hat Lust und Freude an der Arbeit, aber es geht nicht, sie ist – mal wieder – raus. So etwa schildert Sandra Rau Tage, an denen nichts ist, wie es sein soll. Migräne-Attacken begleiten sie beinahe ein Leben lang.

Sandra Rau hatte Kopfschmerzen schon als Kind

Schon als Kind habe sie an Kopfschmerzen gelitten, erzählt sie. Tabletten, zunächst eine halbe, waren nicht die Lösung. Ihre Augen wurden untersucht, die Brille kam – die Kopfschmerzen blieben. In der Pubertät wurde es dann noch schlimmer. Aus der halben Tablette wurde eine ganze – ohne Wirkung. Arztbesuche halfen auch nicht weiter. Sie musste sich einfach damit abfinden, immer wieder außer Gefecht gesetzt zu sein. Trotz allem ist Sandra Rau ein fröhlicher und positiver Mensch. Sie akzeptiert es, dass ihr Weg sie immer wieder über Stolpersteine führt.
Von der Schweiz kam sie über Italien und Norddeutschland in den süddeutschen Raum. Seit mehr als zwei Jahrzehnten lebt sie mit ihrem Mann Uwe in Oberrot. Mit großer Leidenschaft sind sie in der landschaftlichen Idylle rund um die Naturpark-Gemeinde, aber auch in der ganzen Welt unterwegs. Beide arbeiten in Stuttgart und pendeln mit der Bahn. Das heißt, um 4 Uhr ist die Nacht rum, falls sich bei ihr kein Anfall ankündigt. Dankbar ist Sandra Rau, dass sie einen verständnisvollen Arbeitgeber hat.
Nach zahlreichen Arztbesuchen, diversen Therapie-Ansätzen, Selbstversuchen, Erfolgen, Misserfolgen und vielen Recherchen sind die Migräne-Anfälle zwar nicht weg, aber Sandra Rau kommt inzwischen ganz gut damit zurecht. Sie sei zum Spezialisten ihrer eigenen Krankheit geworden, sagt sie. Und zum Glück unterstütze sie auch ihr Hausarzt beim Thema Migräne. Dafür sei sie ihm sehr dankbar.
„Die sich mir dargebotenen Weggabelungen führten oft auf Irrwege, schier endlos scheinende Routen oder gar in Sackgassen“, schreibt Sandra Rau in ihrem Ratgeber mit dem Titel „Migräne – und raus bist du!“. Ein Kapitel beleuchtet die Historie der Kopfschmerzen, ein anderes das Phänomen Migräne und die Aura, die verschiedenen Vorboten, die eine Attacke ankündigen. Sie greift in diesem Zusammenhang die Themen Sport und Ernährung auf, will praktische Tipps geben und liefert obendrein einige Rezepte.
Ausgiebiges Joggen ist ihr Lebenselixier. Ebenso wichtig sind für sie Achtsamkeit, Entspannung, Balance und Kreativität. Sandra Rau beschreibt ihren langen Leidensweg, teilt ihre Erfahrungen mit, will Ratschläge geben – und Mut machen. Sie freut sich, wenn sie Dinge zum Positiven wenden kann. Ihr Wissen gibt sie auch in VHS-Kursen und Selbsthilfegruppen weiter. Ein Rat, den sie selbst befolgt, lautet: „Nicht den Kopf in den Sand stecken!“

Mehrere berufliche Standbeine


Sandra Rau, Jahrgang 1973, ist im Tessin in der Schweiz geboren und in Italien aufgewachsen. Nach dem Abitur führte sie der Weg zuerst nach Hamburg, anschließend nach Stuttgart.

Sie absolvierte die Ausbildung zur Industriekauffrau, schloss ein Grundstudium der Sozialen Verhaltenswissenschaften, Soziologie und Psychologie an. Sie nahm an diversen Fachfortbildungen teil wie Burnout-Beratung, Trauerbegleitung, Aromatherapie oder autogenes Training.

Neben ihrem Job als Presse- und Öffentlichkeitsreferentin in einem Stuttgarter Verlagshaus arbeitet Sandra Rau als Dozentin in der Erwachsenenbildung. Ein weiteres Standbein ist ihre Praxis für Psychologische Beratung am Marktplatz in Murrhardt. Dort begleitet und unterstützt sie Menschen, die vor besonderen He­rausforderungen stehen oder sich in Konfliktsituationen befinden.

Ihr RatgeberMigräne – und raus bist du!“ ist im Verlag Mainz, Aachen erschienen. Die Illustrationen darin stammen ebenfalls von der Verfasserin. hof