Waiblingen Notunterkünfte werden geräumt

Ein Bett, kaum Privatsphäre. Im vergangenen Jahr mussten wie hier in Unterrot zahlreiche Notunterkünfte für Flüchtlinge eingerichtet werden.
Ein Bett, kaum Privatsphäre. Im vergangenen Jahr mussten wie hier in Unterrot zahlreiche Notunterkünfte für Flüchtlinge eingerichtet werden. © Foto: ArchivOßwald
Waiblingen / CORNELIA KAUFHOLD 24.09.2016
Die Gemeinschaftsunterkünfte im Rems-Murr-Kreis werden sukzessive geleert. Der Landkreis sucht aber weiterhin Wohnungen, nicht nur für Flüchtlinge.

Seit zirka vier Monaten werden monatlich nur noch rund 2000 Erstanträge auf Asyl beim Land Baden-Württemberg gestellt. Entsprechend sind auch die Antragszahlen in den Landkreisen gesunken. Im Newsletter zur Flüchtlingsunterbringung im Rems-Murr-Kreis meldet der Koordinierungsstab des Landratsamtes nun, dass in den letzten beiden Monaten durchschnittlich nur noch sechs Personen pro Woche zugewiesen wurden. Die Kreisverwaltung spricht von einer „Verschnaufspause“, die effizient genutzt worden sei.

Über den Sommer wurden zehn Notunterkünfte geräumt, darunter auch das einzige mit Flüchtlingen belegte Zelt. Bis Ende November sollen nun in enger Abstimmung mit den jeweiligen Kommunen die letzten vier Notunterkünfte geräumt werden. Die  Sporthalle am Waiblinger Berufsschulzentrum kann ab Mitte Oktober wieder für den Schulsport genutzt werden. In den 64  Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises waren zum 15. September noch 4781 Flüchtlinge untergebracht.

Besonders erfreulich sei, dass fast alle Umzüge aus den Notunterkünften innerhalb derselben oder in eine benachbarte Gemeinde erfolgten, heißt es in dem Newsletter. Man habe dies mit Blick auf die entstandenen sozialen Bindungen angestrebt.

Der Rems-Murr-Kreis konzentriert seine Bemühungen nun auf die Wohnungssuche – nicht nur für Flüchtlinge.  Günstiger Wohnraum sei bereits vor der Flüchtlingskrise knapp gewesen, heißt es in dem Newsletter. Zwar gebe es viele freie Wohnungen, allerdings hielten sich die Vermieter zurück.

Anfang des Monats wurde deshalb ein Online-Portal für Sozialen Wohnraum gestartet. Das Landratsamt möchte auf diesem Weg neue Vermieter erreichen. Sie können ihre Wohnungen oder freien Zimmer kostenfrei an das Landratsamt melden und Wünsche bezüglich der Mieter angeben.  

Die Daten, versichert das Landratsamt, würden nicht veröffentlicht, sondern von erfahrenen Sozialarbeitern des Landratsamtes gesichtet. Ist ein Angebot passend, nimmt der zuständige Sozialarbeiter oder ein ehrenamtlicher Helfer Kontakt zum Vermieter auf und begleitet den Mietinteressenten dann auch zur Besichtigung.

Im Prinzip werden mit diesem Portal zwei brennende Probleme angegangen. Grundsätzlich biete sich damit nämlich auch eine Möglichkeit, das Angebot an sozialem Wohnraum im Rems-Murr-Kreis zu erweitern. Städte und Gemeinden würden bei der Schaffung sozialen Wohnraums entlastet.

Info Zu finden ist das Meldeportal ab sofort auf der Homepage www.rems-murr-kreis.de im Bereich „Jugend, Senioren, Gesundheit und Soziales“.

Polizei und Landratsamt in ständigem Kontakt

Kriminalität Die Zahl der Straftaten, bei denen Asylbewerber tatverdächtig waren, nimmt im Rems-Murr-Kreis  seit dem Frühjahr stetig ab. In der Regel handelt es sich um Streitigkeiten innerhalb von Unterkünften, einfache Eigentumsdelikte oder Verstöße gegen ausländerrechtliche Bestimmungen. Sexualstraftaten spielen keine herausragende Rolle. Das Landratsamt Rems-Murr-Kreis und das Polizeipräsidium Aalen sind in Bezug auf die Sicherheitslage in ständigem Kontakt. Für Flüchtlinge zuständige Mitarbeiter des Kreises werden in polizeiliche Einsatzplanungen eingebunden.

Abschiebungen Im Jahr 2015 wurden  im Rems-Murr-Kreis 97 abgelehnte Asylbewerber abgeschoben. Diese Zahl wird sich im Jahr 2016 voraussichtlich noch erhöhen. Bis August sind bereits 83 Personen abgeschoben worden. Auch die Zahl der freiwilligen Rückkehrer ist deutlich gestiegen. Sie hat sich im Vergleich zu 2015 bereits mehr als verfünffacht (Stand: August 2016).

Quelle: Koordinierungsstab Flüchtlinge, 8. Bericht