Limpurger Land Auch heute kein Hakenkreuz zulassen

Limpurger Land / Richard Färber 14.02.2018
Nach zehn Jahren wird im Rems-Murr-Kreis die Initiative „Vielfalt tut gut“ wieder belebt. Auch die Kreisgrenze wird überschritten: Fichtenberg und Oberrot sind mit im Boot.

Wenn keiner schaut, sind sie plötzlich da: rechtsextreme Graffiti, Symbole, Sprüche. Einige Jugendliche aus dem Oberen Murrtal finden das nicht hinnehmbar. Sie erschienen im vergangenen Jahr, als die Schmierereien deutlich zunahmen, bei Sonja Großhans und baten um Rat und Unterstützung. Der Leiterin der Fachstelle „DeRex – Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention“ im Kreisjugendamt kam das Projekt „Vielfalt tut gut“ in den Sinn, das 2008 aus ähnlichen Gründen ins Leben gerufen worden war. Jetzt wird es neu aufgelegt und auch räumlich erweitert, über die Kreisgrenzen hinweg: Neben Murrhardt, Sulzbach-Murr, Großerlach und Spiegelberg sind auch die Rottalgemeinden Fichtenberg und Oberrot mit ins Boot geklettert.

Ist der Ruf erst ruiniert …

Rechte Umtriebe in der Region haben in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. In den betroffenen Gemeinden weiß man auch ein Lied zu singen von dem Ruf, der bleibt, wenn die Aufregung wieder abgeebbt ist. „Vielfalt tut gut“ ist daher auch als Präventivmaßnahme zu verstehen, als eine Aktion, die Begegnungen ermöglicht, Offenheit fördert, dem Abbau von Vorurteilen dient und eine bunte Gegengeschichte zur Saga vom „braunen Nest“ erzählt. „Wir wollen nicht auf das Negative fokussieren“, betont Sonja Großhans, „sondern das Positive herausstellen. Vielfalt ist positiv.“

Die Initiative „Vielfalt tut gut“ ist, wie schon das Vorgängerprojekt, an ein Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend angedockt, das 2011 aufgelegt und seitdem mehrfach verlängert wurde. 250 lokale Partnerschaften in ganz Deutschland sind aktuell beteiligt. Der Gesamtetat lag 2017 bei 104,5 Millionen Euro und sollte für 2018 auf 115,5 Millionen Euro aufgestockt werden. Weil Deutschland derzeit noch kommissarisch regiert wird, ist diese Summe nicht gesichert. Bis zur endgültigen Beschlussfassung stünden 45 Prozent zur Verfügung, erklärte gestern ein Ministeriumssprecher auf Anfrage.

Im Rems-Murr-Kreis wurde der Kreisjugendring mit der Koordination beauftragt. Hier können Förderanträge gestellt werden. Bisher seien 15 000 Euro bewilligt worden, sagt Großhans, und damit dürfte zumindest das Auftaktkonzert am 27. April in Murrhardt finanziert sein. Reggae und Ska mit Jamaram und Karls­son gibt’s dann in der Stadthalle zu hören.

Für weitere Aktionen werden nun auch Sponsoren gesucht. Über das Jahr hinweg sind Lesungen geplant, Filmvorführungen und Diskussionen, Workshops an Schulen, ein Kurzfilm von und mit Jugendlichen, Fußballturniere unter dem Motto „Vielfalt kickt gut“ und am 11. August die „Vielfalt-Games“. Kindergärten und Grundschulen können sich künstlerisch an einem „Stoffbeutel-Contest“ beteiligen, der in eine kleine Ausstellung münden wird. Sie soll am 17. September in Fichtenberg eröffnet werden und anschließend durch die Rathäuser im Aktionsgebiet wandern.

Thema fürs Ferienprogramm

„Wir sind bewusst mit eingestiegen“, sagt der Fichtenberger Bürgermeister Roland Miola. Er finde es beeindruckend, wie sich die Initiatoren einsetzen. Seinem Oberroter Kollege Daniel Bullinger gefällt überdies, dass sich die Initiative nicht auf den Rems-Murr-Kreis beschränkt, sondern dass „in Raumschaften gedacht“ wird. „Die Idee ist gut“, sagt Bullinger, „wir werden dafür werben.“ Miola sieht Perspektiven für das Fichtenberger Ferienprogramm und beteiligt sich bereits aktiv an der Suche nach Sponsoren. „Ein paar“, sagt er, „habe ich auch schon gefunden.“

Privatleute, Institutionen, Vereine und Kommunen

Beteiligte der Initiative „Vielfalt tut gut“: Stadtkapelle und Stadtbücherei Murrhardt, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und die Kirchengemeinden, das Projekt Brückenschlag und die Arche der Paulinenpflege Winnenden, die Schulsozialarbeit in Sulzbach und Murrhardt, das Jugendzentrum, das kommunale Kino und die Volkshochschule Murrhardt, die Narrenzunft Murreder Henderweldler, das Milchhäusle in Fornsbach, die Fachstelle DeRex des Kreisjugendamts, der Kreisjugendring  und die Kommunen Murrhardt, Sulzbach, Großerlach, Spiegelberg, Fichtenberg und Oberrot.

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