Vortrag Neuzeit so finster wie das Mittelalter

Mit Dr. Hermann Josef Roth aus Bad Godesberg hatte Maria Fassbender einen hochkarätigen Referenten in ihr kleines, aber feines Privatmuseum in der Ortsmitte von Oberrot geholt.
Mit Dr. Hermann Josef Roth aus Bad Godesberg hatte Maria Fassbender einen hochkarätigen Referenten in ihr kleines, aber feines Privatmuseum in der Ortsmitte von Oberrot geholt. © Foto: Brigitte Hofmann
Oberrot / Brigitte Hofmann 10.10.2017

Mit einem so vollen Haus hatte Museumsbesitzerin Maria Fassbender nicht gerechnet. Schon deshalb nicht, weil sie mit dem Thema „Hinterfragung der Glaubenskriege“ ein sehr spezielles auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Gastredner war Dr. Hermann Josef Roth aus Bad Godesberg, seines Zeichens Theologe, Naturwissenschaftler, Kunsthistoriker und Lehrer.

Um die täglichen Meldungen in den Medien besser verstehen zu können, müsse man versuchen, die Hintergründe aufzuspüren, stieg er in sein Referat ein. Kasernen und Klöster lägen schon baulich betrachtet gar nicht so weit voneinander weg. Und schon vor vielen hundert Jahren seien Kriegshaufen, angeführt von Mönchen, gegen Andersdenkende zu Felde gezogen. „Deus lo vult“ – „Gott will es“ soll die Menschenmenge geantwortet haben, als Papst Urban II. am 27. November 1095 auf der Synode von Clermont zur Befreiung Jerusalems aufgerufen hatte.

Immer wieder zog Dr. Roth die Zisterzienser für seine Betrachtungen heran. Dazu den prominentesten, Abt Bernhard von Clairvaux. Im ritterlichen Milieu aufgewachsen, war ihm der Einsatz von Waffen nicht fremd. Zwar lehnte er aus Gründen religiöser Regeln Fahrten von Mönchen ins Heilige Land ab, was ihn aber nicht daran hinderte, mitreißende Predigten zu halten, um seiner Ideologie der Bekehrung folgend für die Kreuzzüge zu werben. Überall im westeuropäischen Raum machten Christen gegen „Heiden“ mobil. Sie nähmen die heiligen Stätten weg oder zerstörten sie, hieß es. Ob in Palästina, auf der iberischen Halbinsel oder sonst wo, an vielen Orten prallten in der Folgezeit Christen und Muslime aufeinander. „Kreuzzüge sind bis heute nicht verebbt“, stellte Dr. Roth fest, vielmehr zu politisch, militärisch, religiös motivierten Raubzügen pervertiert. Nebenbei erinnerte er an Bush und den Irak-Krieg und was sich aktuell an den Krisenherden abspielt.

Die gute und die böse Seite

Finsteres Mittelalter? Die Neuzeit sei schlimmer, sagte Dr. Roth. Menschen hätten zwei Seiten, eine gute, die aber immer von der bösen bedroht sei. Und auch den treffe eine Mitschuld, der seine Ohren für radikales Gedankengut öffne. „Deus lo vult“, die Devise christlicher Gotteskrieger könne man heute so nicht mehr nachvollziehen. Aber man dürfe der Frage nicht ausweichen, ob nicht immer wieder „Gottes Wille“ im Kampf um Orthodoxie oder Observanz vorgeschoben werde, ja mitunter zur Rechtfertigung eigener Emotionen herhalten müsse. Was dabei angerichtet werde, das lehre die Geschichte. „Wir alle müssen auf der Hut sein – jeder von uns!“, schloss er seinen ebenso tiefschürfenden wie spannenden Vortrag. Im Anschluss und in Anbetracht von Maria Fassbenders leckerem Kuchenbüfett lockerte sich die Stimmung und mündete schließlich in ein gemütliches Beisammensein.

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