Gaildorf Mit den Flößern auf Zeitreise 

Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 18.07.2018
Premiere am Wochenende: Gaildorfs Floßfest soll zum großen Stadtfest werden. Ein längst vergangenes Kapitel Wirtschaftsgeschichte wird lebendig.

Zwei Speere und ein Gartenzaun! So hat kürzlich ein kleiner Junge das Gaildorfer Stadtwappen interpretiert. Und angekündigt, dass er mit seinen Eltern das Floßfest – das nun an diesem Wochenende stattfindet – besuchen werde. Dass das Wappen mit einer völlig anderen Bedeutung und das Fest unmittelbar miteinander zu tun haben, weiß der Bub nicht – und auch seine Eltern müssen hier passen.

Das kommt nicht von ungefähr: Was als Tradition im Hoheitszeichen der Stadt weiterlebt, ist längst Geschichte: Bereits vor mehr als 150 Jahren war die Holzflößerei auf dem Kocher, einstmals der mit Abstand wichtigste Wirtschaftszweig im Limpurger Land, „eingeschlafen“. Vom Mittelalter bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein war die Haller Saline auf dem Wasserweg mit Holz aus den dichten Forsten im Raum Gaildorf versorgt worden – zum Salzsieden. Ohne Limpurger Holz hätte es also kein Haller Salz gegeben.

Unmengen des begehrten Brennstoffs fanden damals den Weg kocherabwärts – zuletzt sogar bis Friedrichshall. Wann genau die Flößerei begann, ist allerdings nicht verlässlich verbürgt. Fest steht, dass die hölzernen Wirtschaftsbeziehungen zwischen Limpurg und der Reichsstadt Hall im Jahr 1434 einen ersten Höhepunkt erreicht hatten. Denn damals erhielt Gaildorf, 30 Jahre zuvor zur Stadt erhoben, das erste Hoheitszeichen verliehen: zwei gekreuzte Flößerhaken – also die vermeintlichen Speere – und im unteren Teil zu einem Floß zusammengefügte Baumstämme – die heute nicht selten als „Gartenzaun“ gedeutet werden.

„Communitatis in Gailendorff“

Durch mehrere grafische Veränderungen ist aus dem einstigen „Sigillum communitatis in Gailendorff“ das Stadtwappen in den Farben Rot und Weiß in seiner heutigen Form entstanden. Flößer­haken und Floß sind nicht mehr voneinander getrennt, sondern übereinander angelegt. Das im 19. Jahrhundert eingeführte Grün im unteren Teil ist verschwunden.

Um an Gaildorfs Flößervergangenheit zu erinnern, engagierte sich die 1964 aus der Taufe gehobene DRLG-Ortsgruppe und baut ein eigenes Floß für das Floßfest 1976. Gemeinsam mit anderen Vereinen entstand im Lauf der Zeit eines der beliebtesten Volksfeste im hiesigen Raum – und das einzige Großereignis in der Stadt, das sich mit Fug und Recht „Traditionsveranstaltung“ nennen darf.

„Gaildorfer Sommer-Stadtfest“

Zuletzt wurde im zweijährigen Turnus gefeiert, 2016 musste das Fest jedoch abgesagt werden. Nun gibt es einen „Neustart“ mit einem bunten Programm: Stadtmarketing-Verein und Stadt Gaildorf stellen gemeinsam die Veranstaltung in Zusammenarbeit mit einigen Vereinen auf die Beine. Im wahrsten Wortsinn mit im Boot sind am kommenden Wochenende TSV, Fischereiverein, Flößerzunft, DRK, DRLG, Altdorfer Sing- und Spielgemeinschaft, FC Ottendorf, Schützenverein, MSC und griechische Gemeinde.

„Ziel ist es, das Floßfest zum Gaildorfer Sommer-Stadtfest zu machen, damit die Stadt und das Limpurger Land eine weitere Attraktion haben“, sagt Rathauschef Frank Zimmermann – und freut sich auf die dreitägige Veranstaltung, die von Freitag bis Sonntag zum Publikumsmagnet werden soll.

Das Programm

Freitag, 20. Juli:
14 Uhr Seniorennachmittag, Kocherwiesen
18.30 Uhr offizielle Eröffnung und Fassanstich mit Bürgermeister Frank Zimmermann und der Stadtkapelle
20.30 Uhr Musik mit DJ Santhá
21.45 Uhr Lasershow im Schlossgarten

Samstag, 21. Juli:
17.30 Uhr Beginn Bierausschank
18 Uhr Floß der Limpurger Flößerzunft im Einsatz, handwerkliche Vorführungen rund ums Flößen
Musik mit „Fun for You“ und DJ Santhá
21 Uhr Lichterfest im Schlossgarten
21.45 Uhr Feuershow mit „Fantômes de Flammes“
22 Uhr Feuerwerk

Sonntag, 22. Juli:
11 Uhr Weißwurstfrühstück und Einsatz des Floßes der Flößerzunft
12.30 Uhr Musik mit „No Silence on Sunday“
14 Uhr Familiennachmittag mit buntem Programm am Festzelt, Musik mit „Fun for You“
15 Uhr Schauflößen von Münster nach Gaildorf durch die Flößerzunft, anschließend Handwerksdemonstration mit den Haller Siedersknechten
18 Uhr Ausklang mit DJ Santhá

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