Forum Netzwerk gegen Mobbing wächst

Ein Schüler wird Opfer einer Mobbingkampagne und leidet darunter sehr.
Ein Schüler wird Opfer einer Mobbingkampagne und leidet darunter sehr. © Foto: Symbolfoto: Fotolia
Aalen / 15.02.2018

Die Koordinationsstelle Prävention des Ostalbkreises veranstaltete kürzlich einen Fachtag zur systemischen Mobbingintervention im Aalener Landratsamt. Gemeinsam mit dem Büro „Konflikt-Kultur“ bot der Fachtag einen Einblick in die Dynamik von Mobbing-Fallstricken, die häufig zu einer Eskalation beitragen.

„Mobbing, das systematisch wiederholte Schikanieren von Einzelnen, tritt vor allem in Zwangsgemeinschaften auf, aus denen Kinder und Jugendliche nicht so einfach fliehen können, zum Beispiel in Ausbildungseinrichtungen, Heimen, Horten und der Schule“, erkärte Andreas Schumschal von der Koordinationsstelle Prävention des Ostalbkreises.

Das Phänomen sei bereits gut untersucht. Wissenschaftlichen Studien zufolge leiden in jeder Schulklasse ein bis zwei Kinder unter fortwährenden Attacken ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler. Die Folgen für die Betroffenen seien gravierend. Alexander Bundschuh, Erziehungswissenschaftler, Mediator und Ausbilder für Sozialtraining und systemische Mobbingintervention informierte über die Dynamik von Mobbing, Fallstricke im Umgang mit Mobbing sowie die systemische Mobbingintervention.

Lösungsansätze finden

Gemeinsam gelte es, auf den Ebenen einzelner Person, gesamter Gruppen und Einrichtungen auf die Verursacher der Störung einzuwirken. Nur so sei eine nachhaltige Lösung des Problems und eine positive Entwicklung des Gruppenklimas und der Klassengemeinschaft möglich. Das Programm orientiere sich an Dan Olweus. Der schwedisch-norwegische Psychologe gilt als Gründervater der Erforschung von Gewalt an Schulen.

Die Bearbeitung von Mobbing und Cybermobbing an der Schule sei sehr aufwendig. Gleichzeitig leiden viele Verantwortliche an Schulen unter einem permanenten Zeitmangel. Zeitmangel und Unwissenheit verführten immer wieder zum Versuch eines zeitsparenden Umgangs mit Mobbing. Dabei verheddern sich Lehrer und Schulsozialarbeiter leicht in Fallstricke, aus denen sie selbst und die Betroffenen sich nur schwer befreien können. So etwa beenden Einzelgespräche mit den Opfern kein Mobbing. Oder eine Intervention seitens der Eltern führe meist zu einer Verschlimmerung. Alexander Bundschuh zeigte in sieben Phasen die systemische Mobbingintervention. Dabei spiele die Nachsorge eine wichtige Rolle. Durch Beobachtung und Kontrolle werde die Wahrscheinlichkeit von erneuten Angriffen minimiert. Über Sanktionen werde Wirkung auf die Täter ausgeübt.

Im Anschluss erklärte Andreas Schumschal von der Koordinationsstelle Prävention das Unterstützungssystem von Mobbing an Schulen im Ostalbkreis. Zusammen mit der schulpsychologischen Beratungsstelle, den Präventionsbeauftragten des Regierungspräsidiums, dem Polizeipräsidium Aalen und der Koordinationsstelle Prävention wurde eine Übersicht über die Maßnahmen und Projekte zusammengestellt. In der Reihe Gewaltprävention möchte am Mittwoch, 21. Februar, im Landratsamt in Aalen von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr „Katharina X“ die Ursachen, Folgen und Lösungswege vorstellen. „Katharina X“ war über ihre gesamte Schulzeit selbst Opfer von Mobbing. Sie hat zwei Bücher über ihre Geschichte, die Ursachen, Strukturen und Folgen sowie Lösungswege zum Thema Mobbing veröffentlicht.