Mehr als 100.000 Tonnen pro Jahr wurden vor rund 20 Jahren noch auf der Nebenbahn Gaildorf-Untergröningen über die Schiene befördert. Heute nichts mehr. Der gesamte Frachtverkehr wird über die Straße abgewickelt. Für ein entsprechendes Frachtaufkommen wären mehr als 4000 Lastzüge nötig. Solche Überlegungen mögen damals keine Rolle gespielt haben. Die Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft beziehungsweise der dahinter stehende Konzern Vivendi hatten kein Interesse mehr an der Bahn. Alles stand zum Verkauf.

Die Firma Rettenmaier setzte für ihr Zweigwerk in Unterrot allerdings auf einen Gleisanschluss. So blieben die Gleise von Gaildorf bis nach Schönberg – der Bahnhof ist für den Betriebsablauf erforderlich – erhalten. Von der Firma Rettenmaier wurden diese freilich nicht genutzt. Die Trasse wucherte langsam zu. Doch wenn der optische Eindruck auch täuschen mag, stillgelegt ist die Strecke nicht. Der Gleisabschnitt ist wegen baulicher Mängel gesperrt. Werden diese beseitigt, kann der Güterverkehr nach Unterrot wieder rollen.
Nach Verschleiß an den Wagenrädern Die Wagen dürfen wieder auf das Gleis

Münsingen

Eine Reaktivierung der Nebenbahn ist derzeit nicht wirtschaftlich

Dafür sind allerdings Investitionen in erheblicher Höhe nötig. Das weiß der Eigentümer, die Firma Junginger Naturholzwerk, auch. „Das wäre derzeit nicht wirtschaftlich“, so Firmenchef Hans-Martin Junginger. Der Unternehmer denkt eher an die Zukunft. An eine Zeit, wenn auf Lippenbekenntnisse auch Taten folgen. „Es ist ja nicht auszuschließen, dass mittelfristig die Schiene tatsächlich gestärkt wird.“ Dann sieht Junginger die Zeit für den Gleisanschluss des Werkes in Unterrot gekommen.
Er geht in so einem Fall von folgendem Szenario aus: „Wird die Verlagerung auf die Schiene politisch gewollt, dann gibt es auch Fördermittel für die Reaktivierung von Werksanschlüssen. Dann kann sich die Reaktivierung rechnen.“ Das Reststück der Nebenbahn ist betriebstechnisch keine Eisenbahnlinie mehr, sondern ein verlängertes Rangiergleis des Gaildorfer Westbahnhofs. Bei einem Rangiergleis werden keine so hohen Standards angelegt wie bei einem Streckengleis – was sich bei den fälligen Investitionskosten deutlich bemerkbar macht.
Für die Firma Junginger ist der Bahntransport aber bereits heute keine Zukunftsmusik. „Wir erhalten zwischen 20 und 40 Prozent unseres Holzes mit der Bahn.“ Die DB bringt die beladenen Wagen nach Fichtenberg. Von dort geht es mit dem Laster nach Unterrot.
„Das läuft immer besser“, sagt Hans-Martin Junginger. „Am Anfang konnte die Bahn nur dreimal die Woche Wagen bringen, jetzt ist es schon an vier Tagen – und zudem auch zuverlässiger.“

Die Nebenbahn Gaildorf - Untergröningen


1. Oktober 1903 Die Nebenbahn Gaildorf - Untergröningen wird eröffnet. Betreiber ist die private Württembergische Eisenbahn-Gesellschaft (WEG), die seit 1929 zur Deutschen Eisenbahn Gesellschaft (DEG) gehört. Im Jahr 2000 übernimmt der französische Konzern Vivendi die DEG und gliederte sie in seine Tochtergesellschaft Connex Deutschland ein – zu der seit 1999 auch die Stadtbus Schwäbisch Hall gehört. Ab 2006 firmierte Connex dann als Veolia Verkehr und 2015 als Transdev GmbH.

17. Mai 2001: Nach einem Unfall stellt die WEG den Personenverkehr auf der Schiene „vorübergehend“ ein, die Stadtbus Hall übernimmt.

14. Oktober 2005: Ein Güterzug sammelt die letzten Wagen ein. Das Ende.

2009: Abbau der Gleise Untergröningen-Schönberg, Schönberg-Gaildorf wird von der Firma Rettenmaier übernommen.

2013: Junginger Naturholzwerk übernimmt das Rettenmaier-Werk in Unterrot und die Bahn.