Gaildorf Naturstromspeicher: Projektleiter informiert Gemeinderat über Bauabläufe

Gaildorf / RICHARD FÄRBER 30.10.2015
Die Großbaustellen sind eröffnet. In den nächsten Monaten werden östlich von Gaildorf die vier Windräder des Naturstromspeichers gebaut. Der Bauzeitenplan wurde am Mittwoch dem Gemeinderat vorgelegt.

Es wird Zäune geben und eine Videoüberwachung und maximale Transparenz. Was sich etwas widersprüchlich anhört, ist den Umständen geschuldet. Wer sich für den Naturstromspeicher und die Baufortschritte interessiere, könne sich jederzeit gerne zur Besichtigung melden, betont Johannes Kaltner, leitender Ingenieur der MBS Naturstromspeicher GmbH, als er am Mittwochabend im Gaildorfer Gemeinderat den Bauablauf erläuterte. Gleichwohl sei man genötigt, Vorkehrungen gegen etwaige Sabotageakte zu treffen.

"Sabotage?" Rainer Baumann hakt nach. Tatsächlich, berichtet Kaltner, sei kürzlich an einer Kehrmaschine die Pumpe ausgebaut worden. Und kurze Zeit später seien an derselben Maschine, "vermutlich mit unserer Pumpe", 200 Liter Diesel abgepumpt worden. Und so etwas sei vermeidbar, indem man die nötigen Vorkehrungen treffe.

Etwas mehr als eine Viertelstunde braucht Kaltner, um den Gemeinderäten darzulegen, was in den kommenden zwei Jahren auf die Gaildorfer und ihre Nachbarn zukommen wird. Das Augenmerk liegt dabei zunächst auf dem Bau der vier Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von bis zu 172 Metern. Das dazugehörige Pumpspeicherkraftwerk und das Unterbecken befänden sich noch in der "Projektierungsphase", sagt Kaltner. Baubeginn werde hier voraussichtlich Mitte 2016 sein. Die Druckrohrleitung von den Windkraftanlagen zum Pumpspeicherkrafthaus soll dann ab März 2017 gebaut werden. Anfang 2018 könne die Anlage dann im "Komplettbetrieb" laufen.

Vorerst sieht man freilich noch recht wenig. Die heiße Phase aber hat begonnen: Am Standort drei wird der Aushub abgefahren. Am Standort fünf wird im Dezember begonnen, die Standorte zwei und vier folgen im Januar - dann sind alle vier Baustellen in Betrieb. Einen Standort eins gibt es nicht mehr. Er musste, wie berichtet, aus Gründen des Artenschutzes gestrichen werden - dort fliegt der Milan.

Insgesamt 70 000 Kubikmeter Erdreich müssen an den vier Standorten ausgehoben werden. 50 000 Kubikmeter werden wieder "eingebaut", 20 000 Kubikmeter auf die Deponie der Firma Gronbach nach Obersontheim gefahren. Man werde Vierachser verwenden, sagt Kaltner. 800 bis 1000 Kubikmeter könne man mit ihnen täglich abfahren, das entspreche 100 Fahrten.

Die Zäune werden aufgestellt, wenn das Baufeld vorbereitet ist und mit dem Bau der Bodenplatte begonnen werden kann. Darauf werden dann in der sogenannten Tübbing-Technik die "Passivbecken" errichtet. 28 der im Bögl-Stammwerk in Sengenthal vorgefertigten "Tübbinge" ergeben einen Ring mit einem Umfang von 200 Metern. Fünf bis sieben Ringe werden pro Becken benötigt, macht 308 Lkw-Fahrten.

Die "Aktivbecken" bestehen ebenfalls aus Fertigteilen. Sie werden auch die Fundamente der vier Hybridtürme bilden, die dann aus dem Wald wachsen. Pro Turm werden 23 Betonringe bis zu einer Höhe von knapp 87 Metern aufgestapelt; 40 Schwertransporte sind dafür nötig. Anschließend werden die beiden jeweils 60 Tonnen schweren Stahlsektionen montiert und zuletzt die Maschinenhäuser, die jeweils 84 Tonnen wiegen.

Weitere Schwergewichte folgen: der Triebstrang mit 72 Tonnen, der Generator mit 20 Tonnen, die Nabe mit 46 Tonnen, die Flügel mit drei Mal 17 Tonnen. Die Turmdrehkräne müssen sich in dieser Phase bis auf 192 Meter strecken. "Das bringt uns schon an die Grenzen", sagt der Ingenieur sichtlich begeistert. Aber nicht drüber - "sonst würden wir's ja nicht machen".

Info Die MBS Naturstromspeicher GmbH plant am 18. November eine öffentliche Info-Veranstaltung im Kernersaal.