Aushub Naturstromspeicher: Archäologen nehmen Unterbecken-Standort unter die Lupe

Scherben, Knochen und eine alte Drainage ausgebuddelt: Der Grabungstechniker Thomas Freier und der Grabungsarbeiter und Geologe Peter Wohlfarth in der Rotaue zwischen Gaildorf und Unterrot.
Scherben, Knochen und eine alte Drainage ausgebuddelt: Der Grabungstechniker Thomas Freier und der Grabungsarbeiter und Geologe Peter Wohlfarth in der Rotaue zwischen Gaildorf und Unterrot. © Foto: Richard Färber
RICHARD FÄRBER 17.07.2014
Viel Kulturschutt liegt unter der Rotaue zwischen Gaildorf und Unterrot, wo das Unterbecken des Naturstromspeichers ausgehoben wird. Der Untergrund wird derzeit archäologisch untersucht.

Eine Überraschung wie in Murrhardt, wo beim Bau des Ärztehauses plötzlich ein altes Römerbad entdeckt wurde, wird es in der Rotaue zwischen Gaildorf und Unterrot nicht geben. Hier ist das Unterbecken des Naturstromspeichers Gaildorf vorgesehen - und bevor die Bagger anrücken, schaut man lieber nach, ob sich hinter dem Gewann-Namen "Bürk" oder "Burg" nicht doch eine niedergegangene Burg versteckt. Die Wahrscheinlichkeit ist freilich gering - es handelt sich um Überschwemmungsgebiet.

Vor etwa zwei Wochen rückte der Archäologe Dr. Martin Thoma vom Landesamt für Denkmalpflege mit einem Prospektionsteam und einem Bagger an. Seitdem wundern sich Autofahrer und Passanten auf der nahe gelegenen L 1066 über die stetig wachsende Zahl von Erdhaufen auf der Rotaue - als wäre ein gigantischer Maulwurf an der Arbeit.

Geophysikalische Untersuchung zeigt Anomalitäten auf

Tatsächlich wird die Rotaue nur punktuell ausgebaggert, dort nämlich, wo die geophysikalische Untersuchung, die im Oktober durchgeführt wurde, Anomalien ergeben hat. Bei solchen Untersuchungen werden minimale Abweichungen im Erd-Magnetfeld gemessen, die auf Steinansammlungen, Scherben oder auch Metall hinweisen. An solchen Stellen wird dann gegraben, und manchmal entdeckt man eine archäologische Sensation.

Die Grabungen in der Rotaue verliefen weitgehend überraschungsfrei, ergaben aber auch einige interessante Befunde. "Irgendwas findet man immer", sagt Thoma, der bei solchen Gelegenheiten auch schon auf Siedlungsreste aus der Stein- und Eisenzeit gestoßen ist. Eine Siedlung aber, eine Burg gar, habe es an dieser Stelle der Rotaue sicherlich nicht gegeben.

Entdeckt wurde Kulturschutt vor allem aus dem Spätmittelalter und aus der frühen Neuzeit, also etwa aus dem 14. bis 16. Jahrhundert, dazu eine Drainage, die vermutlich um 1918 verlegt wurde. Auch die Zweige, die damals zu den Drainage-Rohren gelegt wurden, haben sich in dem Lehmboden gut gehalten. Der Grabungstechniker Thomas Freier vermutet, dass sie als "Fließhilfen" dienten.

Der Kulturschutt besteht vor allem aus Keramik- und Glasscherben, Knochen, stellenweise auch aus reiner Holzkohle - möglicherweise, meint Thoma, haben einst Bauern versucht, den Boden zu verbessern, indem sie Asche aufbrachten. Entdeckt wurden auch Hinweise auf verfüllte Gräben und Altarme der Rot, was auch eine Erklärung dafür sein könnte, dass an manchen Stellen jüngere Funde unter älteren lagen.

Der Schutt rühre nicht von einer Besiedlung, sondern sei angeschwemmt oder gebracht worden, sagt Thoma. Er hat sich bereits anderen Aufgaben zugewandt und ist schon nicht mehr vor Ort. Nächste Woche, schätzt er, werde man die Untersuchung abschließen und die Löcher wieder zuschütten.

Das Vorgehen der MBS Naturstromspeicher GmbH findet der Archäologe übrigens "vorbildlich". Anders als in Murrhardt, wo gewissermaßen schon die Betonmischer liefen, als unvermittelt das Römerbad entdeckt wurde, habe die MBS die Zeit vor dem Baubeginn genützt, um möglichen Überraschungen vorzubeugen. Auch eine gründliche Grabung, so sie denn notwendig geworden wäre, sei einkalkuliert gewesen und wäre finanziert worden.

Hinweise auf eine Wüstung im Bereich der Türme

Ähnlich geht die MBS auch an den Standorten der vier Windkraftanlagen vor, die später mit dem Unterbecken verbunden werden sollen. Hier wurden kürzlich baugeologische Untersuchungen durchgeführt, weitere Voruntersuchungen folgen, erklärt MBS-Geschäftsführer Alexander Schechner auf Nachfrage. Auch das Landesamt für Denkmalpflege muss dann nochmals ran - unter anderem gibt es Hinweise auf eine Wüstung, die mit archäologischen Mitteln überprüft werden sollen.

Im Oktober soll gerodet werden

Baubeschluss Noch steht der Baubeschluss für das Projekt Naturstromspeicher Gaildorf aus. Alexander Schechner, Geschäftsführer der Max Bögl Schechner Naturstromspeicher Gaildorf MBS GmbH, ist aber zuversichtlich, dass die Geldgeber den Beschluss in den nächsten Wochen fassen werden.

Zeitplan Derzeit laufen noch Voruntersuchungen aller Art in der Rotaue und an den vier Standorten der Windkraftanlagen. Vorbehaltlich des Baubeschlusses wird im Oktober dieses Jahres mit Rodungsarbeiten begonnen. Im Frühjahr 2015 soll dann mit dem Bau der Türme für die Windkraftanlagen begonnen werden, die Bauzeit wird etwa ein Jahr betragen. Der Bau des Unterbeckens zwischen Gaildorf und Unterrot steht ab Sommer 2015 an.

RIF