Naturstromspeicher Naturstromspeicher-Genossenschaft: Vorstandschef vor die Tür gesetzt

Gaildorf / KLAUS MICHAEL OSSWALD 04.02.2015
Das Vertrauensverhältnis zwischen Aufsichtsrat und Vorstandsvorsitzendem der Naturstromspeicher-Bürgergenossenschaft ist offensichtlich nachhaltig zerrüttet. Das hat nun personelle Konsequenzen.

Es muss kräftig rumort haben innerhalb der sich in Gründung befindlichen "Bürgergenossenschaft Naturstromspeicher Gaildorf". So sehr, dass der Aufsichtsrat in seiner Sitzung am Montag - dem Vernehmen nach einstimmig - beschlossen hat, den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Stooß "mit sofortiger Wirkung" seines Amtes zu entheben. Darüber hat gestern das Gremium die RUNDSCHAU informiert. Bis auf weiteres werde Karl Diemer, bisher stellvertretender Vorsitzender, Stooß' Aufgaben übernehmen.

Diemer indes reagierte am Abend erstaunt: Er habe weder an der Sitzung des Aufsichtsrats teilgenommen, noch sei er über die Beschlüsse informiert worden. Mit dem vom Aufsichtsrat gewählten Vorgehen sei er "ausdrücklich nicht einverstanden", ließ er in einer E-Mail, die unserer Zeitung vorliegt, Aufsichtsratschef Wilfried Röser wissen. Und er erkläre sich "nicht bereit, die Aufgaben von Herrn Stooß zu übernehmen"!

Als Grund für die drastische Maßnahme führen die Aufsichtsräte Wilfried Röser, Ralf Eisenmenger, Eberhard Moll, Karl-Heinz Wahl und Erwin Zauner, die eine Presseerklärung dazu unterzeichnet haben, ein "erschüttertes Vertrauensverhältnis zwischen den Mitgliedern des Aufsichtsrats und Herrn Stooß" an. Details werden nicht genannt. Sie sollen am 20. Februar im Rahmen einer Mitgliederversammlung zur Sprache kommen.

Stooß fühlte sich oft "zwischen den Stühlen"

In dem Schreiben dankt das Aufsichtsgremium Karl-Heinz Stooß "für seine Arbeit, die er in der Vergangenheit für die Genossenschaft geleistet hat". Stooß stehe "in einem guten Verhältnis zu Projektinitiator Alexander Schechner" und sei auch in der Steuerungsgruppe zum Naturstromspeicher vertreten.

Was das Zerwürfnis begünstigt haben mag: Stooß fühlte sich, wie er im RUNDSCHAU-Gespräch betonte, oft "zwischen den Stühlen" sitzend. Vorzuwerfen habe er sich nichts, "ich habe kein schlechtes Gewissen". Nun sei er enttäuscht und nehme die Information, die er am Nachmittag bekommen habe, zur Kenntnis. Und er bedaure es, dass er zur Sitzung am Montag nicht eingeladen worden sei, um seinen Standpunkt darlegen zu können.

Auf seine Mitgliedschaft in der Genossenschaft soll das Ganze keinen Einfluss haben. Er wolle dabei bleiben, sagt Stooß. Denn "ich bin nach wie vor vom Naturstromspeicher-Konzept überzeugt".