Alexander Schechner hat seine Anteile an der Naturspeicher GmbH in Ulm verkauft und das Unternehmen verlassen. Seit dem 10. Mai gehört die Naturspeicher GmbH komplett zur Max Bögl Wind AG, deren Vorstand Josef Knitl nun auch alleiniger Geschäftsführer ist. Schechner bleibe Teilhaber der Gaildorfer Naturstromspeicher GmbH & Co. KG, erklärte Knitl gestern im Gespräch mit unserer Zeitung, und er werde auch weiterhin beratend für das Unternehmen tätig sein.

In der Greentech-Branche

Schechner selbst will mit einem neuen Unternehmen in der globalen „Greentech-Branche“ durchstarten: Mit der Envola GmbH wolle man „signifikante Beiträge für den Umstieg auf regenerative Energien und umweltfreundliche Technik leisten“, schreibt der studierte Nachrichtentechniker und Physiker in einer Mail an die Redaktion.

Zur Envola gehören danach zehn ihm bereits „sehr vertraute Experten der Energie- und Maschinenbaubranche“. Man werde zunächst neue Räume im Ulmer Science-Park beziehen, teilt Schechner mit.

Alle unsere Artikel zum Naturstromspeicher in Gaildorf gibt’s auf unserer Themenseite.

Die Max Bögl Wind AG will durch die Zusammenführung der beiden Unternehmen Synergien gewinnen, die auch in der künftigen Vermarktung wirksam werden. Man verspreche sich einen nachhaltigen Austausch des Know-hows beider Unternehmen sowie eine noch höhere Qualität und Geschwindigkeit in der Umsetzung laufender und kommender Projekte“, heißt es in einer Pressemitteilung, die gestern verschickt wurde.

Die Naturspeicher GmbH mit Sitz in Ulm war 2012 von der Firma Max Bögl und Schechner quasi als Entwicklungsabteilung des Gaildorfer Naturstromspeichers gegründet worden. Dort wurden Lösungen und Technologien für Fragen entwickelt, die sich beim Bau des Gaildorfer Pilotprojektes mittel- und unmittelbar ergeben haben. Schechner, der auch zwei Wasserkraftwerke in Gaildorf betreibt, hatte zuvor bei Voith Hydro gearbeitet.

Beitrag zur Netzstabilität

Die Anlage, die unter dem Namen „Wasserbatterie“ weltweit vermarktet werden soll, besteht aus vier Windrädern, die bereits in Betrieb sind und Wasserspeicher enthalten, die wiederum ein Pumpspeicherkraftwerk im Tal speisen sollen, das noch im Bau ist. Der 70 Megawatt-Kurzzeitspeicher soll später in der Lage sein, Überschüsse aus dem Netz zu speichern und bei Bedarf wieder einzuspeisen. Die Anlage soll damit auch einen Beitrag zur Netzstabilität leisten.

In der Ulmer Innovationsschmiede wurde dafür eigens ein Polyethylenrohr entwickelt, das hohe Drücke aushält und Ecopipe genannt wird. Auch eine neuartige Rohrverlegeplattform, der sogenannte „Pipecrawler“ wurde dort entworfen, ebenso das neuartige Wärmetauschsystem „Naturwärmespeicher“, das bereits produziert und vermarktet wird. All diese Entwicklungen sollen in das Portfolio für die internationale Vermarktung der Wasserbatterie einfließen.

Auf das Gaildorfer Pilotprojekt habe das Ausscheiden Schechners keine Auswirkungen, versichert Knitl. Auch die Möglichkeit einer Bürgerbeteiligung wolle man weiter verfolgen.

Ob der Terminplan eingehalten werden kann, muss noch geklärt werden. Eigentlich hätte schon vor einigen Wochen mit der Verlegung der Ecopipe vom Pumpspeicherkraftwerk in der Kocheraue hinauf zu den Windrädern begonnen werden sollen. Allerdings fehlten bisher die Voraussetzungen für die dafür notwendigen Dichteprüfungen. Man sei dran und werde die Fertigstellung des Druckrohrs zeitnah forcieren, sagt Knitl. „Wenn’s gut läuft“, werde sich der Pipecrawler Mitte des Jahres auf den Weg machen können. Keine Verzögerungen gibt’s hingegen in Sachen Pumpspeicher: Die Turbine soll demnächst geliefert und eingebaut werden.

Die Pilotanlage stößt in- und außerhalb der Energiebranche auf enormes Interesse. Fast täglich kommen Besuchergruppen, um sich über die Baustelle führen zu lassen, Und wenn die Anlage laufe, werde sich auch der Markt öffnen, ist Knitl überzeugt – zumal der Anteil der fluktuierenden erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung stetig zunehme, funktionierende Kurzzeitspeicher also dringend benötigt würden.

Bewährte Technologien

Die Wasserbatterie sieht er dabei im Vorteil: Sie setze auf bewährte Technologien, verbrauche keine ökologisch fragwürdigen Ressourcen und sei um mehrere Faktoren langlebiger als beispielsweise die chemischen Speicher, die jetzt entwickelt werden. Allerdings sollte der Gesetzgeber langsam in die Gänge kommen. Im geltenden Erneuerbare Energiegesetz EEG spielt die Speichertechnologie keine Rolle. „Energiepolitisch“, sagt Knitl, „ist Deutschland derzeit nicht handlungsfähig.“

Das könnte dich auch interessieren: