Gaildorf Nachtschwärmern auf der Spur

NABU-Vorsitzender Karl-Heinz Johe führt rund 40 große und kleine Naturforscher in den ehemaligen Eiskeller der Gaststätte „Grüner Baum“ in Münster. Dort richten sich Fledermäuse ein Quartier für den Winterschlaf her. Zwei Exemplare werden entdeckt.
NABU-Vorsitzender Karl-Heinz Johe führt rund 40 große und kleine Naturforscher in den ehemaligen Eiskeller der Gaststätte „Grüner Baum“ in Münster. Dort richten sich Fledermäuse ein Quartier für den Winterschlaf her. Zwei Exemplare werden entdeckt. © Foto: Brigitte Hofmann
Gaildorf / Brigitte Hofmann 28.08.2018
Alljährlich Ende August rücken die Fledermäuse in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Auch der Naturschutzbund Gaildorf hat sich an der 22. Europäischen Batnight beteiligt.

Fledermäuse sehen mit den Ohren und fliegen mit den Händen. Zwei Dutzend Fledermausarten sind in unseren Gefilden heimisch. Sie heißen Braunes Langohr, Mops oder Abendsegler, und sie faszinieren mit ihren Flugkünsten. In der Abenddämmerung jagen sie nach Mücken, Nachtfaltern und anderen Insekten. Um zu überleben, muss eine Fledermaus täglich bis zu einem Drittel ihres eigenen Körpergewichts fressen. Doch weil es immer weniger Insekten gibt, sind auch die Fledermäuse bedroht.

Deshalb setzt sich der NABU Gaildorf seit vielen Jahren für die Natur und im Zuge dessen auch für den Schutz der kleinen Nachtschwärmer ein. Vorsitzender Karl-Heinz Johe zeigte sich erfreut, zur nächtlichen Exkursion am Samstag so viele Interessenten begrüßen zu dürfen. Ausgerüstet mit Lampen und Bat-Detektoren, welche die Ultraschall-Rufe der Fledermäuse für das menschliche Ohr hörbar machen, begaben sich rund 40 kleine und große Naturforscher auf den Weg, um nach Fledermäusen Ausschau zu halten.

Kleine Säuger machen sich rar

Erster Halt war im Schlosspark, wo die Tiere schon vielfach gesichtet wurden. Hier hatten sie in der Vergangenheit gern die Hohlräume abgestorbener Bäume für sich genutzt. Da die Landschaft aber immer mehr aufgeräumt würde, erklärte Karl-Heinz Johe, fänden die Fledermäuse nicht mehr so leicht geeignete Rückzugsräume. Karl-Heinz Jungfer war sich sicher, am Gebäude der Schloss-Realschule Anschauungsobjekte vorweisen zu können, doch in dieser Nacht machten sich die kleinen Säuger ziemlich rar. Immerhin konnte man zwischen den hohen Bäumen immer mal wieder ihre Silhouetten vor dem Nachthimmel erkennen.

Größer wurde die Ausbeute für das menschliche Auge dann im Bereich des Kocherwegs Richtung Münster. Immer wieder schlug Johes Bat-Detektor an, und dann richteten sich aller Augen auf das Gewässer. Die kleinen Wasserfledermäuse fliegen ganz knapp über das Wasser hinweg. Sie können Nahrung direkt aufnehmen. Häufig dient auch die Schwanzflughaut als Kescher, mit dem sie ihre Beute gezielt in Richtung Mund befördern.

Töten nicht erlaubt

Hitze und Trockenheit stellten auch für Fledermäuse eine Leidenszeit dar, erläuterte Johe. Aufgrund fehlender Alternativen suchten sich besonders die Zwergfledermäuse ihr Quartier an oder in Gebäuden, wo sie oftmals in tödliche Fallen geraten. Beim Versuch, der Hitze zu entkommen, könnten Jungtiere aus dem Quartier fallen oder sich in Wohnungen verirren. „Fledermäuse stehen unter Naturschutz“, sagte Johe, sie zu töten sei nicht erlaubt. Sie würden das Zimmer auch wieder verlassen, und ein schwaches Tier könne mit Maden aufgepäppelt werden.

Fledermäuse seien keine Mäuse, verursachten keine Schäden und störten auch nicht, allenfalls vielleicht der Geruch ihres Kots. Weil die Fledermäuse jetzt so langsam beginnen, sich ein Quartier für den Winter zu suchen, begab sich die Gruppe kocheraufwärts, um den Eiskeller bei Münster in Augenschein zu nehmen. Tatsächlich waren zwischen den Mauerritzen des Kellergewölbes vereinzelt Tiere zu erkennen. Um ihnen ein geeignetes Winterquartier zu bieten, hat der NABU den Eingang mit einer dicken Gittertür verschlossen. Die Fledermäuse können das Gitter passieren, nicht aber irgendwelche Störenfriede. Von Anfang November bis Ende März halten sie hier ihren Winterschlaf.

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