Die Voraussetzungen, die Klaus Klingler für seine Position als Chef des Bott-Unternehmens mitbrachte, hätten kaum besser sein können: Nach dem Abitur in Stuttgart lernte er das Metallhandwerk von der Pike auf. Lehrbub war er in einem Betrieb, der im hochwertigen Formenbau europäische Geltung besaß. Die Gesellenprüfung als Werkzeugmacher schloss er mit Auszeichnung ab und studierte anschließend Maschinenbau an der Stuttgarter Hochschule mit Abschluss als Diplom-Ingenieur. Es folgten berufliche Erfahrungen bei Bosch in der Sparte Fertigungsverfahrensentwicklung.

Erst Bosch, dann Bott

Diese Kenntnisse setzte er dann als Geschäftsführer in Neckargemünd ein bei Stahlschalungen, mit denen auf der ganzen Welt Großbauten erstellt wurden. Seine Karriere bei Bott begann 1965, und sie reichte bis zu seinem Ruhestand im Jahre 2003.

Dass er nach Gaildorf kam, ist der Liebe zu seiner Ehefrau Inge zu verdanken. Deren ältere Schwester Hanna hatte den Unternehmer Kurt Stoll von der Firma Festo geheiratet, und über geschäftliche Beziehungen der Firmen Bosch und Festo kam die Verbindung der beiden zustande. Geheiratet wurde im Jahre 1965, und als im gleichen Jahr Inges Vater Wilhelm Bott starb, der nach dem Krieg die Firma Bott in schwieriger Zeit aufgebaut hatte, übernahm Klaus Ferdinand Klingler die Leitung.

Die Anfangsjahre waren für die Eheleute nicht einfach, denn die Firma befand sich in Schieflage. Doch mit Weitblick und Durchsetzungskraft gelang es dem neuen Chef, das mittelständische Unternehmen neu zu organisieren. Dank der eigenen Kinos in Heilbronn war der Familienbetrieb liquide, sodass der Betrieb immer vergrößert wurde. Klaus Ferdinand Klingler besaß unternehmerischen Spürsinn und traf viele richtige Entscheidungen.

Als sich abzeichnete, dass die große Zeit der Kinos zu Ende ging, wurden diese verkauft. Die Sorge um den Betrieb ließ das Ehepaar nicht ruhen. Dank Klingler ist Bott heute ein kerngesunder Betrieb. Sein Gespür für die Markterfordernisse brachten ihn zu der Erkenntnis, sich nicht nur auf ein Standbein zu verlassen. So wandelte sich die Firma Bott von einem reinen Zuliefererbetrieb zu einer Firma mit eigenen hochwertigen Produkten, wie zum Beispiel Betriebseinrichtungen. So kam ein Auftrag der Telekom über die Ausrüstung von 6000 Fahrzeugen mit Werkzeugschränken aus Gaildorf zustande. Der Verkauf der Präzisionsteile-Fertigung und der Härterei hat sich aus heutiger Sicht als wahrer Segen für die Firma erwiesen. Unter Klingler wurde auch eine neue Halle gebaut und zwei neue Standorte wurden gegründet, sozusagen als europäische Vision. In Bude/England und in Tarnazsadány/Ungarn werden Bott-Produkte produziert und vertrieben.

Das ungarische Werk wurde noch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs gegründet. Bott war unter der Leitung von Klingler in Europa fast flächendeckend mit Tochterunternehmen oder Importeuren vertreten. Des Weiteren hat Bott ein Tochterunternehmen in Nordamerika – in Südafrika, Taiwan und Indien werden Bott-Produkte über Kooperationspartner produziert und vertrieben.

Viele Mitarbeiter und Mitstreiter verdanken Klingler eine gesicherte Existenz. Neben seiner Familie engagierte sich der Firmenchef zum Wohle der Gesellschaft. Er war Aufsichts­rats­vorsitzender der Limpurger Bank, Mitglied in der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer, gehörte der Vertreterversammlung des AOK-Landesverbandes an und war Stadtrat in Gaildorf. Nicht zu vergessen sei die Gründung der Johanna-und-Wilhelm-Bott-Stiftung, die gemeinnützige Projekte vor allem in Gaildorf und Umgebung unterstützt.

Freude an acht Enkeln

In seinem Ruhestand widmete sich Klaus Klingler seiner großen Familie: Die vier Töchter haben ihm acht Enkelkinder geschenkt, mit denen er seine Zeit genoss. Gerne weilte er auch mit seiner Ehefrau Inge auf Sylt, doch in den letzten Jahren wurden diese Urlaube seltener. Auch in der Öffentlichkeit wurde er nur noch selten gesehen.

Die Lebensleistung von Klaus Klingler wurde durch zwei hohe Auszeichnungen gewürdigt: Der damalige Wirtschaftsminister Dieter Spöri verlieh ihm die Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg, und 2002 zeichnete ihn Landes-Wirtschaftsminister Walter Döring mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande aus. Was aber genauso zählt: Viele Mitarbeiter werden sich an ihren hochgewachsenen Chef mit Respekt, Dank und Achtung erinnern.

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Die Aussegnung für Klaus Klingler ist am heutigen Freitag um 13.30 Uhr auf dem Friedhof in Gaildorf.