Verfahren Nach Messerstich wieder versöhnt

Gaildorf/Hall / Eleonore Heydel 07.07.2018

Aufmerksamen Polizisten aus Gaildorf ist es zu verdanken, dass die Messer-Attacke, um die es jetzt vor Gericht ging, ans Licht gekommen ist. Am Vormittag des  12. Dezember 2017 fiel einer Streife in Unterrot ein Fußgänger auf, der einen verbluteten Pullover trug. Sie hielten ihn an und stellten fest, dass er am linken Oberarm eine offene Stichwunde hatte. Nachdem die Beamten einen Krankenwagen gerufen hatten, suchten sie die 33-jährige Lebensgefährtin des Verletzten in Gaildorf auf. Die Frau zeigte den Beamten bereitwillig das 30 Zentimeter lange Keramik-Küchenmesser, mit dem sie im Streit auf das Opfer eingestochen hatte.

Gut ein halbes Jahr später muss sich die 33-Jährige vor dem Haller Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Die langhaarige Frau ist schwanger und teilt mit, ihr damals verletzter Lebensgefährte sei der Vater des ungeborenen Kindes. Man habe sich längst wieder versöhnt. „Seit dem Vorfall sind wir wachgerüttelt worden“, sagt sie. Zuvor hätten sie viel gestritten. Am 12. Dezember habe sie ihn aufgefordert, aus der von ihr gemieteten Wohnung auszuziehen. Als er nicht gehen wollte, habe sie das Küchenmesser gegen ihn gerichtet.

Richter Jens Brunkhorst fragt die Angeklagte, ob sie tatsächlich geschrien habe: „Verpiss’ dich, oder ich stech’ dich ab!“  So stehe es in den Akten. Nein, antwortet die 33-Jährige, mit „Abstechen“ habe sie nicht gedroht. Aber sie gibt zu: „Im Streit sagt man manchmal viele Sachen.“ Angesprochen auf die Kratzer, die ihr Lebensgefährte zusätzlich am Hals und an der Stirn gehabt habe, erklärt sie: „Das war bei einem früheren Streit.“

Das Opfer, ein 31-jähriger Arbeiter, bestätigt als Zeuge die Streitereien ebenso wie die Versöhnung. An dem betreffenden Vormittag habe es ein „verbales Feuer“ gegeben, er habe „seinen Teil dazu beigetragen“. Der Arbeiter erkennt: „Es war würdelos von uns beiden.“ Zum Glück habe sein Sweatshirt den Messerstich in den linken Oberarm etwas abgedämpft. Die zwei Zentimeter lange Wunde habe dennoch so stark geblutet, dass sie genäht werden musste.

Frau saß schon im Gefängnis

Nicht zum ersten Mal muss sich die Gaildorferin vor Gericht verantworten. Sie war in die Drogenszene verstrickt und hat wegen Beihilfe zum Drogenhandel schon im Gefängnis gesessen. Ihre eigene Drogenerkrankung hält sie mit ärztlicher Hilfe in Schach. Man freue sich auf das gemeinsame Kind, meinen die Angeklagte und der Arbeiter übereinstimmend. Als Verteidiger Michael Donath anfragt, ob man das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung gegen eine Geldbuße einstellen könne, geht Staatsanwältin Anke Giesen darauf ein. Angesichts der engen finanziellen Verhältnisse der beschuldigten Frau erklärt sich Giesen mit einer Geldauflage von 900 Euro einverstanden.

Richter Brunkhorst stellt unter dieser Vorgabe den Strafprozess vorläufig ein. Er billigt der Frau zu, das Geld, das dem Staat zufließen soll, in neun monatlichen Raten von je 100 Euro zu bezahlen. Auch der Arbeiter ist mit dieser Lösung einverstanden.

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