Hoffnungslos ist die Lage nicht: Auch wenn Gaildorfs Altes Schloss in jüngster Zeit einmal mehr seinem Ruf als dickes Überraschungsei gerecht geworden ist. Fakt ist, wie berichtet, dass der Ostflügel des 1399 erstmals urkundlich erwähnten Bauwerks, das im Lauf der Jahrhunderte mehrmals zu einer verschachtelten und verwinkelten Anlage erweitert wurde, nicht mehr wie bisher genutzt werden kann. Konkret: Ein Museum oder eine Galerie mit viel Publikumsverkehr wird hier nicht mehr eingerichtet werden können.

Kein Museum im Osttrakt

Es sei denn, die Stadt nimmt – neben den anstehenden Investitionen in die Erhaltung der Bausubstanz – noch mehr Millionen in die Hand, um die Tragkraft dieses Trakts für eine entsprechende Bestimmung zu „ertüchtigen“.

Altes Schloss in Gaildorf „Es ist einfach nur spannend“

Gaildorf

Wie es um den Zustand dieses Schlossteils bestellt ist, konnte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung durch das Würzburger Büro Hußenöder Ingenieure erfahren. Obwohl nur überschlägig ermittelt, erforderte laut Statiker Bernd Hußenöder die Sicherung des Gebäudes für eine mögliche museale Nutzung einen mittleren einstelligen Millionenbetrag. Für eine einfachere Büronutzung müssten, grob geschätzt, zwischen zwei und drei Millionen Euro lockergemacht werden.

Zunächst jedoch richtet sich das Augenmerk aller an der Sanierung Beteiligten auf die Bewahrung des bauhistorischen Erbes der Stadt, das im Übrigen nicht – wie nach den jüngsten Nachrichten kolportiert wird – einsturzgefährdet ist. Statiker Hußenöder hatte dazu bereits ein Maßnahmenbündel präsentiert. Als Sofortmaßnahme schlägt er den Einbau von Stützen und eine Baufuge zwischen den Bereichen Ostbau I und Ostbau II, der erst nachträglich, vermutlich im 17. Jahrhundert, an den bestehenden Baukörper angedockt wurde, vor.

Mit diesen Arbeiten wäre eine „Notsicherung“ geschaffen, bis ein detailliertes Konzept vorliegt – das vorgibt, was später in den verschiedenen Räumen überhaupt stattfinden kann und soll. Zuvor aber muss sich die Stadt über ein alternatives Nutzungskonzept Gedanken machen.

Auch dazu sind die Vorarbeiten bereits weit gediehen: Bernd Dollmann, Geschäftsführer des Neckarsulmer Planungsbüros Kreor Südwest GmbH, der bereits die ursprünglichen Nutzungsabsichten in eine den Gemeinderat überzeugende Planung eingearbeitet hatte, gab sich in der jüngsten Ratssitzung entspannt pragmatisch: „Dann stellen wir die Planung einfach um!“

Schacht für Aufzug vorhanden

Und zwar folgendermaßen: Der ursprünglich angedachte Auf­zugs­turm im Südosten wird auf Eis gelegt. Für museale Nutzung und Galerie sind der Norden und der Nordwesten vorgesehen. Die barrierefreie Erschließung könnte danach laut Dollmann über einen bereits vorhandenen Schacht erfolgen, über den früher per Seilzug Lasten nach oben befördert wurden. Dadurch wären dann 60 Prozent des Gebäudes barrierefrei erreichbar. Doch es muss eine weitere harte Nuss geknackt werden.

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