Die Arbeiten an der Pilgerstaffel kommen gut voran: Der Unterbau der Treppenanlage ist fertig und die Verlegung der Stufen hat begonnen. Nun setzten der Murrhardter Bürgermeister Armin Mößner und Rolf Schweizer, Initiator der Spendenaktion für das Projekt, symbolisch die erste Trittstufe. Mit einem Klopfwerkzeug fixieren beide die erste Trittstufe oberhalb des Stadtgartenwegs. Mit dabei sind Vertreter der beteiligten Institutionen und Organisationen: Stadträte, Mitarbeiter der Verwaltung und Vertreter der Bürgerstiftung, die Spenden für das Projekt sammelte. Hinzu kommen Ver­antwortliche des Ingenieurbüros, das die Planung erstellt hat und die Bauarbeiten betreut, und der evangelischen Kirchengemeinde. Ihr gehört das Grundstück im oberen Bereich des Hügels mit der Walterichskirche und dem Friedhof.

Historischer Platz

„Die Treppe ist sehr gut in die Landschaft eingesetzt“, findet Rolf Schweizer. „Sie ist ein Alleinstellungsmerkmal unserer Stadt.“ Denn einen solchen historischen Platz wie den Walterichshügel gebe es sonst wohl nirgends, hebt der Experte für Heimatgeschichte hervor. Seit der Römerzeit ist er ununterbrochen ein heiliger Ort, an dem im 8. Jahrhundert die Urkirche stand, und Friedhof.

Dann erzählt Rolf Schweizer, wie er zum Projektinitiator und Spendensammler wurde. „Ich war 15 Jahre alt, als die Treppe 1948/49 abgebrochen wurde. Man hätte sie reparieren sollen, aber das hätte Geld gekostet, also dachte man: weg damit.“ 1967/68 sei die Idee aufgekommen, einen neuen Friedhof draußen auf der Hardt an der Karnsberger Straße einzurichten. Das Vorhaben wurde schließlich verworfen. In jener Zeit „hatten zwei alte Murrhardter Damen die Idee, Geld zu stiften, um die Pilgerstaffel wiederaufzubauen und wandten sich über eine Mittlerin an mich“.
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Er wiederum habe sich an die Stadtverwaltung gewandt, „aber ich fand im Rathaus keine Unterstützung, damals hat die Stadt das Geld offiziell abgelehnt“. Doch 20 Jahre später habe Hedwig Wahl von der Burgermühle in ihrem Testament verfügt, eine namhafte Geldsumme zu spenden, damit die Pilgerstaffel wiederaufgebaut werden kann. „Ihre Tochter Gisela Maurer wandte sich 1998 an mich, und ich war bereit, mich vor ein solches Werk spannen zu lassen“, erklärt Schweizer.
Darum habe er ein Spendenkonto des Geschichtsvereins eingerichtet, und die Murrhardter sollten entscheiden: „Spenden sie, wird etwas daraus.“ Dafür „habe ich Vorträge gehalten, auch außerhalb Murrhardts, und nun stehen wir hier an der Treppe. Es ist unglaublich, wir haben ein Stück unserer Geschichte wiedergewonnen, dank einer Bürgerinitiative, die etwas Gutes will“, freut sich Rolf Schweizer.
„Die Arbeiten liegen im Zeit- und Terminplan, nun hoffen wir, dass alles in den kommenden Wochen gut fertiggestellt werden kann“, betont Bürgermeister Armin Mößner. Er blickt auf die Entwicklung des Projekts zurück, dessen Umsetzung nun der neue Stadtbauamtsleiter Harun Icli betreut und „dafür bereits eine Leidenschaft entwickelt hat“. Zum Stadtjubiläum 2013 habe offiziell die Unterstützung des Wiederaufbaus der Pilgerstaffel begonnen, ideell seitens der Stadt und finanziell durch die Bürgerstiftung. Diese rührte die Spenden-­Werbetrommel, verkaufte Stufen und Podeste.
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Pilgerstaffel soll zu einer Sehenswürdigkeit werden

„Die Pilgerstaffel ist ein bürgerschaftliches Projekt aus der Mitte der Bevölkerung.“ Dank vieler Spender sei viel Geld zusammengekommen, insgesamt über 140.000 Euro, „darauf können die Murrhardter stolz sein“, hob der Rathauschef hervor. Über 20 Jahre sammelte Rolf Schweizer 96.000 Euro auf dem Spendenkonto des Geschichtsvereins, 50.000 Euro trug die Bürgerstiftung zusammen. Doch die Kosten überstiegen die Spendensumme: „Erst der Leader-Zuschuss von 148.300 Euro brachte den Durchbruch, um die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben zu schließen.“ Damit stehen nun insgesamt rund 294.000 Euro zur Verfügung.
Mit einer Odyssee verglich Mößner den langen und schwierigen Weg zur Verwirklichung des Projekts: Die Stadtverwaltung als Bauherrin „musste zwei öffentliche Ausschreibungen wegen zu hohen Angeboten wieder aufheben“. Erst bei der freihändigen Vergabe gaben zwei Unternehmen Angebote für insgesamt 273.000 Euro ab. Diesen hat der Gemeinderat den Auftrag zum Wiederaufbau der Pilgerstaffel erteilt.
„Ich bin sicher, dass die Pilgerstaffel, die zur Stadt gehört, eine Sehenswürdigkeit wird, etwas Neues, das die Alten noch kennen“, so Mößner.
Die Bauarbeiten werden voraussichtlich bis Ende November abgeschlossen. Dann wollen Bürgermeister Armin Mößner und Rolf Schweizer gemeinsam die Treppe hinaufgehen.