Sie kamen einst in Scharen, um zur Sommerzeit im Herzen des Schwäbischen Waldes Erholung zu suchen. Die ersten Touristen, die das mit materiellen Schätzen nicht reich gesegnete Fleckchen Erde im Visier hatten, waren in der idyllischen Waldgegend vor allem deswegen willkommen, weil sie „Geld liegen“ ließen. Für Kost und Logis und sonstige Annehmlichkeiten, die man sich in den Ferien leisten wollte.

Einer der wichtigsten Knotenpunkte zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das mit einem Bahnhof ausgestattete Fornsbach. Proppenvoll waren die Züge aus dem fernen Stuttgart, die hier Station machten und sich vor der Weiterfahrt durch den Schanztunnel weitgehend leerten. Doch die Invasion der „Städter“ galt nicht dem schmucken Luftkurort. Den ließen die Sommerfrischler rasch links liegen und eilten schnurstracks zum wenige Kilometer entfernten Ebnisee.

In einem sumpfigen Waldstück

Sommer für Sommer, Wochenende für Wochenende das gleiche Bild. Die Wanderpfade vom Murr- ins Wieslauftal glichen Ameisenstraßen. Und während dieser Strom an Gästen in den Dörfern und Weilern rund um den Ebnisee zunehmend mit Argwohn beobachtet wurde, hätten sich die Menschen in Fornsbach gerne zumindest einen Teil davon gewünscht, um ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern.

Aufs Jammern indes wollte sich niemand beschränken. Im Sommer 1928 sollten Nägel mit Köpfen gemacht, ein Bürgerverein gegründet werden, um den Tourismus in die heute zur Stadt Murrhardt zählende Gemeinde zu holen. Und zwar mit einem See, weil es Urlauber oft und gern ans Wasser zieht. Dann ging alles Schlag auf Schlag, bis dem Bau eines solchen Gewässers auf einem sumpfigen Waldgelände unweit des Dorfes nichts mehr im Weg stand. Zu Pfingsten des folgenden Jahres konnte nun der neue „Waldsee“ eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben werden. Eine Geschichte, die fast in Vergessenheit geriet und kürzlich anlässlich des Sommernachtsfests am See durch Bürgermeister Armin Mößner wieder in Erinnerung gerufen wurde.

Pioniergeist der „Waldseeväter“

Rathauschef Mößner schilderte in seiner Eröffnungsrede die Entstehung des inzwischen 90 Jahre alten Waldsees und seine Bedeutung für den Tourismus im Schwäbischen Wald, vor allem aber würdigte er den Pioniergeist der „Waldseeväter“.

Denen ist es tatsächlich gelungen, mit dem Waldsee in Konkurrenz zum Ebnisee zu treten, wenn auch nicht im vielleicht gewünschten Ausmaß. Denn für die „Naturhuber aus der Residenz“ – wie in einem im Jahr 1924 herausgegebenen Wanderführer für „Gmünd und weitere Umgebung“ Erholung suchende Stuttgarter tituliert werden – genoss die aufgestaute Wieslauf bei Ebni weiterhin Kultstatus.

Ungeachtet dessen entwickelte sich das Waldseeareal im Lauf der Jahrzehnte zu einer weiteren Perle des Schwäbischen Waldes, einem kleinen, aber feinen Freizeitgebiet, das den Gesetzen des sanften Tourismus folgt.

Das könnte dich auch interessieren:

Plätze in Illertissen und in Kirchberg locken zahlreiche Besucher Campingzeit ist Familienzeit

Kirchberg

Bartholomämarkt in Beimbach Blick in die Hohenloher Seele

Rot am See

Info


Im Rahmen einer kleinen Serie veröffentlichen wir in Kürze die Waldsee-Geschichte, die Bürgermeister Armin Mößner geschrieben hat.