Kevin Winkle will in der ADAC MX Masters die Qualifikation schaffen und am Sonntag in Gaildorf mit den Profis starten. Für den MSC Gaildorf trainiert Winkle den Motocross-Nachwuchs.

Wie sind Sie zum Motocross-Sport gekommen?

Kevin Winkle: Durch meinen Vater Bernd Winkle. Er hat ein Zweiradsportgeschäft und ist früher selbst Motocross und Enduro gefahren.

Was macht für Sie der Reiz an diesem Sport aus?

Ich finde, man kann Motocross ganz schlecht mit irgendeiner anderen Sportart vergleichen. Man braucht jedes Körperteil, egal ob Beine, Schultern, Arme, Hände Kopf etc., um die Renndistanz von 30 Minuten voll durchzuhalten. Das Highlight ist natürlich der Start, wenn 40 Mann nebeneinanderstehen und gleichzeitig in die erste Kurve biegen, da schießt einem der Puls schon mal bis auf 200. Das Springen und für ein paar Sekunden in der Luft zu sein, ist ebenso ein Megagefühl und zu guter Letzt natürlich der Erfolg.

Wie häufig trainieren Sie und wo?


Ich trainiere leider sehr selten. Ich arbeite als Mediengestalter bei meinem Onkel und bin meistens von 7 bis 16 Uhr im Geschäft. Wenn ich es dann doch schaffe, gehe ich nach Gaildorf, wo ich auch Jugendtrainer bin und trainiere auf der Trainingsstrecke des MSC. Aber eigentlich komme ich unter der Woche fast gar nicht zum Motorradfahren und am Wochenende habe ich meistens einen Wettkampf, oft auch zwei. Wenn die Saison vorbei ist, gehen wir meist zwei bis drei Mal über den Winter für drei bis vier Tage nach Italien. Dort ist dann besseres Wetter als in Deutschland. Man kann sich besser auf die Saison vorbereiten.

Welche Maschine fahren Sie, haben Sie mehrere Motorräder?

Ich fahre eine 450-Kubik-KTM-SX-F Baujahr 2019. Leider habe ich nur eine Maschine, da die Kosten für ein zweites Motorrad zu teuer wären. Man muss je Motorrad mit etwa 10.000 Euro rechnen.

Wie finanzieren Sie Ihren Sport?

In erster Linie durch meine Eltern sowie meinen Onkel Andreas. Ohne meine Familie wäre es unmöglich, auf diesem Niveau Motocross zu fahren. Des Weiteren habe ich ein paar Sponsoren, die mich unterstützen – sei es mit Klamotten, Schutzausrüstung oder Ersatzteilen fürs Bike. Weitere Sponsoren zu bekommen, wäre mega, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben und mich unter anderem in Gaildorf mit den Allerbesten messen zu können.

Wer ist in Ihrem Team
der Schrauber?

Mein Schrauber ist mein Vater, er macht das schon, seit ich fahre und das ist seit 2001. Er kann das sehr gut! Unterstützt wird er von einem Freund. Er heißt Oliver Scholl.

In welcher Klasse starten Sie?

In Gaildorf starte ich bei der ADAC MX Masters, also in der größten Klasse, die es gibt.

Wie lautet Ihr Saisonziel?

Für die Masters würde ich es gerne schaffen, mich für den Rennsonntag zu qualifizieren. Die besten 40 schaffen das. Das wird nicht einfach werden. Letztes Jahr konnte ich mich als 39. qualifizieren und dieses Jahr sieht das Starterfeld noch stärker aus. Des Weiteren fahre ich dieses Jahr drei Regionalserien. Das sind DJMV für den Raum Südwest, den Hessen-Thüringen-Cup und den MSR im Raum Frankfurt. Natürlich möchte ich alle drei gewinnen, was bis jetzt auch gut aussieht. Bereits zwei Wochen nach den Masters in Gaildorf finden die Crossfinals statt, bei denen sich die besten zwei aus jeder Regio-Rennserie qualifizieren und dann in Magdeburg gegeneinander fahren. Dort wird quasi der beste Amateurfahrer Deutschlands gekrönt. Im letzten Jahr habe ich Platz 3 geholt, jetzt möchte ich gewinnen.

Welche Fördermöglichkeiten, zum Beispiel durch den ADAC, wünschen Sie sich?

Erst einmal überhaupt welche … Es ist sehr schwer bis unmöglich, für den Motorsport Fördergelder zu bekommen. In Baden-Württemberg ist es generell schwer, unter der Woche Strecken zu finden, wo man überhaupt trainieren darf, ohne dass man Mitglied in diesem Verein ist.

Was sind Ihre größten sportlichen Erfolge?

Ich bin mittlerweile fünffacher DJMV-Sieger in diversen Klassen geworden. Bei den Crossfinals konnte ich 2013 in der Klasse MX2 sowie letztes Jahr in der MX1 den dritten Platz einfahren. Und so eine Qualifikation für die Finalläufe wie im letzten Jahr bei der ADAC MX Masters hat auch schon einen sehr hohen Stellenwert.

Haben Sie ein sportliches Vorbild?

Da ich auch leider schon oft verletzt war, kann man schon sagen, dass Ken Roczen mein Vorbild ist. Er hat es in die USA geschafft als Deutscher, fährt dort vorn mit, verletzt sich zwei Mal nacheinander so schwer, dass wohl kein anderer mehr zurück auf das Bike gegangen wäre. Jetzt fährt er wieder vorn mit. Das ist Wahnsinn!

Wer ist für Sie derzeit der beste Motocrossfahrer weltweit?

Schwer zu sagen, in den USA Eli Tomac und Ken Roczen und in Europa ist es Jeffrey Herlings.

Und in der europäischen ADAC MX Masters?


Bei der ADAC MX Masters finde ich Dennis Ullrich am stärksten. Er gewann die Serie schon vier Mal, hat letztes Jahr ein neues Projekt versucht mit einem Zweitakter und ist nun wieder zurück auf dem Viertakter. Er ist momentan wieder Zweiter in der Meisterschaft.

Welchen Stellenwert hat für Sie das Motocross in Gaildorf?

Das Mastersrennen in Gaildorf ist ein absolutes Highlight. Erst einmal kommt meine ganze Familie, viele Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen. Sich dann noch mit den Allerbesten aus Europa messen zu können, ist absolut ein Highlight.

Auf welcher Rennstrecke würden Sie gerne mal fahren?

Ich würde sehr gerne mal auf einer Strecke in den USA fahren, dort war ich leider noch nie.

Welche Strecke ist für Sie die attraktivste im ADAC-Masters-Programm?

Gaildorf und Holzgerlingen ganz klar. Das sind zwei richtig schöne Naturstrecken mit vielen Sprüngen und zudem nicht weit weg von zu Hause.

Rechnen Sie sich für Sonntag eine Chance auf einen Startplatz aus?

Mein Ziel ist es auf jeden Fall, alles zu geben, um am Sonntag dabei zu sein!

Wer ist am Wochenende beim Motocross in Gaildorf Ihr Favorit?

Ich hoffe doch, dass wir eine deutsche Flagge ganz oben sehen werden in Form von Dennis Ullrich. Da aber der Schweizer Jeremy Seewer auch kommen wird, wird er der Mann sein, den es zu schlagen gilt. Seewer ist in der Motocross-Weltmeisterschaft derzeit immerhin Zweiter.

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Steckbrief Kevin Winkle


Geburtstag: 8. August 1996
Geburtsort: Backnang
Wohnort: Murrhardt
Familienstand: ledig

Beruf: Mediengestalter Digital und Print

Hobbys: Fußball spielen und Fahrrad fahren
Bisherige Stationen: 50-Kubikzentimeter-Klasse bis heute zur 450-Kubikzentimeter-Klasse, ADAC Junior Cup, Youngster Cup und jetzt ADAC MX Masters, DM 85 Kubik, 250 Kubik und 450 Kubik
Größte sportliche Erfolge: 2018 DJMV-Sieger Klasse MX1, 3. Platz Cross-Finals Klasse MX1, Qualifikation ADAC MX Masters in Gaildorf