Seit drei Wochen ist die Moschee in Unterrot geschlossen. Ganz selten komme mal jemand vorbei, der’s noch nicht mitgekriegt hat, berichtet Ahmet Öztürk, der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Religions- und Kultur-Union Gaildorf und Umgebung. Weil öffentliche Räume derzeit aufgrund der Corona-Krise geschlossen bleiben müssen, finden gemeinsame Gebete nicht statt. Wer für sich in der Moschee beten möchte, dürfe das aber tun. „Wir sind da“, sagt Öztürk. Es ist auch nicht so, dass man sich nicht kümmern müsste. Übers Wochenende habe die Heizung ihren Geist aufgegeben, es gibt also genug zu tun.

Normalbetrieb herrscht in dem kleinen Einkaufsmarkt, den der Verein in der Moschee betreibt. Abidin Sakarya sitzt dort an der Kasse. An der Tür hängt eine Bekanntmachung des Lieferanten: Waren würden in der derzeitigen Situation nur noch vor die Tür geliefert. Sakarya trägt Handschuhe, seine Kasse befindet sich mittlerweile hinter Glas.

Lage in der Türkei bereitet den Mitgliedern Sorge

Die Vereinsmitglieder halten vor allem über die sozialen Medien wie Facebook und Whatsapp Kontakt. Bisher gibt es keinen bestätigten Krankheitsfall in der Gemeinde. „Wir würden das schnell erfahren“, sagt Öztürk. Der Verein hat rund 170 Mitglieder, zählt man deren Familien mit, kommt man auf knapp 800 Personen; das Einzugsgebiet erstreckt sich bis nach Fichtenberg und Oberrot im Rottal, nach Gschwend im Ostalbkreis und nach Ottendorf.

Sorgen bereiten der Gemeinde auch die Entwicklungen in der Türkei. Bis Montagabend waren dort mehr als 30.000 Infektionen gemeldet, 649 Menschen sind an der Krankheit gestorben. Die Maßnahmen, die die türkische Regierung getroffen habe, seien um einiges schärfer als in Deutschland, stellt Öztürk fest: „Die Regierung hat schnell reagiert und alle nötigen Maßnahmen angeordnet.“

Zunächst war ein Ausgehverbot für Menschen ab 65 Jahren verhängt worden, seit Freitag müssen auch alle unter 20 zu Hause bleiben. In der Krise werde das Leben neu organisiert, erklärt Öztürk. Ältere Menschen erhielten ihr Bargeld, etwa die Renten, von den Banken zugestellt, sie könnten zudem eine Einkaufshotline nutzen. Menschen, die ihren Job verloren hätten, würden von den Kommunen beschäftigt und beispielsweise für Reinigungsarbeiten eingesetzt.

Jugendliche zeigen Gemeinschaftssinn

Auch Sakarya findet die Maßnahmen, die in der Türkei ergriffen werden, gut und richtig. Schutzbekleidung wie Einmal-­Handschuhe und Mundschutze würden über die Verwaltungen verteilt, erzählt er, im Notfall müsse man auch nichts bezahlen. Am Ende werde sich zeigen, welche Nationen wirklich groß sind, sinniert Sakarya hinter seiner Kasse: die reichen und wohlhabenden Staaten, die nun, wie er gehört hat, die Märkte für Schutzbekleidung leer kaufen, oder diejenigen, die Gemeinschaftssinn und Solidarität zeigen.

Gemeinschaftssinn zeigen auch die Jugendlichen im Verein. Sie hätten über Instagram und Facebook ihre Bereitschaft erklärt, bei Bedarf Einkäufe zu erledigen, sagt Öztürk. Geplant seien auch Online-Auftritte des Imams, der mit seiner Frau in der zur Moschee gehörigen Wohnung lebt. Auch andere Imame beschäftigten sich bereits mit dieser Möglichkeit, mit den Gläubigen in Kontakt zu bleiben.