Die Waiblinger Adaptivbau GmbH ist noch eine recht junge Firma. Sie wurde im Oktober letzten Jahres ins Stuttgarter Handelsregister eingetragen und ist über die beiden Geschäftsführer Michael Bühler und Markus Schnaitmann eng verknüft mit der Hammer Abbundtechnnik GmbH in Fichtenberg, deren Geschäfte ebenfalls von Bühler und Schnaitmann geführt werden. Der Gründungsprozess habe natürlich deutlich länger gedauert, erklärt der für den Vertrieb der Adaptivbau zuständige Wolf Kunze. Er stand zusammen mit Michael Bühler am vergangenen Freitag dem Fichtenberger Gemeinderat für Fragen und Erläuterungen zur Verfügung.

Eine Gruppe von Maschinenbauern, so Kunze, habe überlegt, wie hochwertiger Wohnraum kostengünstig geschaffen werden könne. Den Bedarf dafür gebe es, und zwar reichlich, im sozialen Wohnungsbau. Die Kommunen suchten händeringend nach Lösungen, betont Kunze. Im Rems-Murr-Kreis gebe es Gemeinden, die unter der Last von tausenden Meldescheinen für Sozialwohnungen stöhnen. Das Thema werde überdies befeuert durch die Flüchtlingsthematik, Versorgungslücken würden vor diesem Hintergrund anders bewertet.

Die Lösung der Adaptivbau ist die Herstellung in Kleinserie. Seit 2014 habe man an der Prozessoptimierung getüftelt und bei Hammer Abbund ein Haus in Holzständerbauweise entwickelt, das  Aufwand und Verschnitt bei gleichzeitig hoher Fertigungsqualität so weit wie möglich reduziert. Im Ergebnis  habe man die Herstellungskosten um 15 Prozent unter den für vergleichbare Bauten üblichen Preis drücken können, sagt Kunze. Damit, ist Kunze überzeugt, werde dieser „Niedrigertragsbereich“ für Investoren interessant. Der Haller Landrat Gerhard Bauer, der sich das Konzept unlängst bei der Firma Hammer erläutern ließ, sei angetan gewesen: Hier tue sich eine Lösung für die Nöte im sozialen Wohnungsbau auf.

"Moderner Charakter" soll beibehalten werden

Auf einer derzeit als Parkplatz genutzten Brache an der Ecke Tälestraße/Mühlweg in Fichtenberg  soll nun ein Musterhaus entstehen. Zwei Investoren, einer davon ortsansässig, hätten bereits Interesse angemeldet, erklärte Kunze vor der Sitzung auf Nachfrage der RUNDSCHAU. Das Gelände liegt innerhalb eines Bebauungsplanes und gehört der Gemeinde, die bisher allerdings vergeblich auf Investoren gewartet hatte. Der Beschluss, es an die Adaptivbau zu verkaufen, fiel einstimmig.

Freilich wurde der Entwurf auch kritisch beäugt. Er besteht aus zwei eng beieinander stehenden Baukörpern, dazwischen befindet sich das Treppenhaus. Aktuell sollen dort  fünf Wohnungen mit rund 100 und eine Wohnung mit 45 Quadratmetern untergebracht werden.

Sollte sich mehr Bedarf an kleineren Einheiten ergeben, könnten die großen Wohnungen mit wenig Aufwand geteilt werden, erklärt Kunze, sodass bis zu elf 50-Quadratmeter-Wohnungen entstehen könnten. Die Entscheidung liege aber letztendlich beim Investor.

Vergleiche mit dem offenbar ungeliebten Mehrfamilien-Wohnhaus im Pfarrgarten weist Kunze zurück: das von dem Stuttgarter Architekturbüro Waschitza entworfene Gebäude sei „harmonischer“. Die Lücke zwischen den beiden Baukörpern könne auch noch „optisch geschlossen“ werden, allerdings bitte er darum, „den modernen Charakter ein bisschen beizubehalten“. Man einigte sich darauf, die jetzige Planung durch einige Änderungsmöglichkeiten zu ergänzen und entsprechende Ansichten vorzulegen.

Einig war man sich am Fichtenberger Ratstisch in der Frage der Ausrichtung. Die beiden Baukörper werden entlang des Mühlwegs aufgereiht; die „Flucht“, also die Treppenhauslücke dazwischen, ist vom Mühlweg aus zugänglich.