Fußball Mit vereinten Kräften zum Aufstieg

Karl-Heinz Schön und seine Frau Sandra sind die Initiatoren des Fanclubs „Rauten Freunde Schwaben“. Damit die Mission Wiederaufstieg gelingt, wollen die HSV-Anhänger die Mannschaft so oft es geht im Stadion unterstützen.
Karl-Heinz Schön und seine Frau Sandra sind die Initiatoren des Fanclubs „Rauten Freunde Schwaben“. Damit die Mission Wiederaufstieg gelingt, wollen die HSV-Anhänger die Mannschaft so oft es geht im Stadion unterstützen. © Foto: Luca Stettner
Oberrot / Luca Stettner 17.08.2018
In Oberrot gründen elf HSV-Fans aus der Region einen Fanclub. Ziel ist es, möglichst viele Spiele des Hamburger Teams im Stadion zu verfolgen.

Jetzt erst recht: Wir gründen einen HSV-Fanclub“, fasst Karl-Heinz Schön am Abend des 12. Mai einen Entschluss. Es ist in der Fußballgeschichte ein historischer Tag: Nach 55 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit steigt Bundesliga-Gründungsmitglied Hamburger SV erstmals ab. Der natürliche Lebensraum des „Bundesliga-Dinos“ – statt der 1. ist das nun die 2. Fußballbundesliga. Das vorerst letzte Erstliga-Spiel der Hamburger hat der 52 Jahre alte Schön gemeinsam mit seiner Frau Sandra und einer Freundin im Pub 144 am Gaildorfer Bahnhof verfolgt. Seit mehr als 40 Jahren ist er glühender Anhänger des HSV, wurde bereits als Kind durch Spieler wie Felix Magath zum Fan. Und das, obwohl der Gaildorfer keinen familiären Bezug zur Hansestadt hat. „Als der Abstieg feststand, sind Tränen geflossen, wir mussten uns gegenseitig wieder aufbauen“, blickt Sandra Schön als mindestens ebenso leidenschaftliche HSV-Anhängerin zurück. Dann fällt die Entscheidung, dem HSV nach dem sportlichen Worst Case nicht nur treu zu bleiben, sondern ihn durch einen Fanclub sogar noch intensiver zu unterstützen – sie wird in der Folgezeit tatsächlich immer weiter vorangetrieben.

Offizieller Antrag beim HSV

„Ein guter Freund hat gleich mitgemacht, durch ihn wurden wir immer mehr Leute“, erzählt Karl-Heinz Schön. Am 21. Juli ist es so weit: Sechs HSV-Fans nehmen an der Gründungsversammlung der „Rauten Freunde Schwaben“ teil – insgesamt zählt der Fanclub elf Gründungsmitglieder im Alter von 30 bis 65 Jahren. Sie stammen aus Gaildorf, Althütte, Sulzbach an der Murr, Aspach und Oberrot. Weil Oberrot für alle gut zu erreichen ist, wird der Verein dort in der Gaststätte Rottal-Treff gegründet. Bei der Versammlung lernen sich die HSV-Fans besser kennen, besprechen erste Aktionen und bestellen T-Shirts. Kurze Zeit später stellt Schön den offiziellen OFC-Mitgliedsantrag beim HSV. OFC steht für „Offizieller HSV-Fanclub“ – ein Status, der vom HSV erst nach Erfüllung der Auflagen vergeben wird. Dazu zählen unter anderem eine Mindestanzahl von sechs Mitgliedern und der jährlich zu entrichtende Mitgliedsbeitrag. Bislang gibt es nach HSV-Angaben 876 solcher Fanclubs – die nächstgelegenen in Bad Wimpfen und Bad Mergentheim. Sobald die „Rauten Freunde Schwaben“ in den nächsten Tagen vom HSV das Paket mit Urkunde und Wimpel erhalten, zählen auch sie dazu.

Zu einer überraschenden Wendung kommt es bei der Namensfrage: Ursprünglich war „Rauten Treue Schwaben“ als Clubname geplant, auf den Prototypen der Fan-T-Shirts war wegen eines Druckfehlers aber der heutige Name zu lesen. „Wir wollten uns dann nicht mehr umentscheiden. So sind wir jetzt auch sehr zufrieden“, erzählt der designierte Clubvorstand Schön lachend.

Mit der Vereinsgründung folgen die hiesigen Fans einem Trend: „Seit dem Abstieg steigt die Zahl der HSV-Anhänger sogar an“, berichtet Sandra Schön. „Hier in der Gegend sind wir als HSV-Fans eigentlich Exoten, trotzdem trifft man erstaunlich viele Gleichgesinnte. Neue Mitglieder sind bei uns jederzeit willkommen.“ Ziel des Fanclubs ist es, möglichst alle HSV-Spiele im süddeutschen Raum im Stadion zu verfolgen. Für dieses Unterfangen entscheidend: Als OFC genießen die Oberroter wie alle anderen offiziellen Fanclubs auch ein Vorkaufsrecht für die Eintrittskarten. Angedacht ist ein Kleinbus für die Auswärtsfahrten. Die weiteren Spiele sollen gemeinsam im Vereinslokal verfolgt werden. Mindestens einmal wollen die Fans auch unbedingt zu einem Heimspiel nach Hamburg fahren.

Einen Wunsch hat Clubgründer Schön noch: „Wir müssen sofort wieder aufsteigen. Ein weiteres Jahr in der zweiten Liga kann sich der HSV nicht leisten.“ Seine Frau und er sind in dieser Hinsicht optimistisch: „Das Team ist stark genug. Viele Leistungsträger sind geblieben. Außerdem ist Christian Titz der richtige Trainer: Er arbeitet mit jungen Spielern und hat das Spiel verbessert. Der Abstieg ist auch die Chance für einen Neuanfang“, so Karl-Heinz Schön. Beiden ist aber auch klar, worauf es in der 2. Liga ankommt: „Die Spieler müssen kämpfen und jeden Gegner ernst nehmen.“ Im Falle des Wiederaufstiegs „feiern wir auf jeden Fall eine große Party“, ist sich Sandra Schön sicher. Bis es dazu kommt, muss aber erst einmal der HSV seinen Weg zurück in die Erstklassigkeit finden – die „Rauten-Freunde Schwaben“ sind es schon jetzt.

Info Die „Rauten-Freunde Schwaben“ freuen sich über neue Mitglieder. Kontakt: rautenfreundeschwaben@web.de

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