Geschichte Mit Silber die Untertanen gerettet

Ausschnitt aus einem zeitgenössischen Flugblatt aus dem Jahr 1648: Ein „freud- und friedenbringender Postreuter“ verkündet das Ende des Krieges.
Ausschnitt aus einem zeitgenössischen Flugblatt aus dem Jahr 1648: Ein „freud- und friedenbringender Postreuter“ verkündet das Ende des Krieges. © Foto: df
Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 01.09.2018
Rundschau-Serie (Teil 7) zum Dreißigjährigen Krieg im Limpurger Land, der vor 400 Jahren begann: Im letzten Teil berichten wir, wie Schenk Joachim Gottfried von Limpurg der Stadt eine weitere Plünderung ersparte und die Gaildorfer ein verspätetes Friedensfest feierten.

Gaildorf und die umliegenden Dörfer hatten am Ende des Jahres 1636 die schlimmste Phase des Dreißigjährigen Krieges hinter sich. Etwa die Hälfte der Bevölkerung war dem Gemetzel und danach der Pest zum Opfer gefallen. Die folgenden Jahre seien zwar „nicht mehr so verwüstend für Limpurg“ gewesen, wie der Gschwender Pfarrer und Historiker Heinrich Prescher im zweiten Band seiner „Beschreibung der Reichsgrafschaft Limpurg“ (1790) berichtet. Doch es herrschte noch längst keine Ruhe in dem arg gebeutelten Landstrich: „Unbewehrte Landleute wurden oft von Soldaten erschossen.“

„In einem entkräfteten Zustand“

Bereits 1645 drohte neues Unheil: Im April hatte der französische Marschall und Volksheld Tu­renne – mit vollständigem Namen Henri de La Tour d’Auvergne, vi­comte de Turenne – mit einem stattlichen Heer die Stadt Hall eingenommen. Darunter hatte das Umland arg zu leiden, besonders der Rosengarten (das Gebiet der heutigen gleichnamigen Gemeinde) und auch das Limpurgische.

Wenige Monate später, im April 1645, nahm der schwedische General Carl Gustav Wrangel, erst kurz zuvor zum Oberbefehlshaber ernannt, die Stadt ein, nachdem Turenne weitergezogen und tief ins Fränkische eingedrungen war. All das, was sich in der Nachbarschaft abspielte, „konnte Limpurg nicht viel Ruhe bringen“, schreibt Prescher in seiner Chronik. Das Land sei bis zum Frieden „in einem entkräfteten Zustand“ verharrt.

Die Stadt erneut belagert

Die Einwohner seien „meisten­theils ausgesogen“ und nicht mehr in der Lage gewesen, die „außerordentlichen Kriegssteuern abzutragen“. Ausgerechnet in diesem trostlosen Zustand – laut Prescher mit „Hungersnoth, Krankheiten, Sterben, Verödung des Landes und Entvölkerung“ – sahen sich die Gaildorfer einer weiteren Bedrohung ausgesetzt: Am 24. April 1648, wenige Monate vor Ende des Krieges, schlugen Turennes Truppen und eine schwedische Einheit vor den Toren der Stadt ihre Lager auf und forderten die üblichen Kriegs-Kontributionen. Einmal mehr drohten Plünderungen, Mord und Totschlag, zumal besonders die Schweden auf die „Satisfaktionsgelder“ bestanden haben sollen. Guter Rat war nun im wahrsten Wortsinn teuer.

Weiteres Leid erspart

Schenk Joachim Gottfried (1597–1651) von Limpurg-Gaildorf entschloss sich nun angesichts der brenzligen Lange zu einem für seinen Stand und die damalige Zeit recht ungewöhnlichen Schritt: Er habe „selbst gutwillig sein Silbergeschirr, so viel er dessen zu seinem Endzweck bedurfte“, neben sonstigen Wertsachen eingepackt. Mit diesem Schatz reiste er laut Prescher nach Nürnberg und verkaufte dort das Ganze. Mit dem erlösten Geld konnte er seinen geschundenen Untertanen weiteres Leid ersparen.

Endlich sahen die Menschen im Limpurger Land wieder ruhigeren Zeiten entgegen. Zunächst war ja in Gaildorf, wie berichtet, kaum etwas zu spüren vom Dreißigjährigen Krieg, der 1618 begonnen hatte. Doch dann traf es das Städtchen knüppeldick: Im Jahr 1634 fielen Söldnerheere ein, mordeten und plünderten. Auch deshalb finden sich in heutiger Zeit über die frühere Geschichte der Stadt so wenige zuverlässige Quellen. Viele Schriften, die heute Aufschluss über das Werden Gaildorfs geben könnten, sind damals vernichtet worden.

In dieser Zeit flohen die Menschen in die umliegenden größeren Städte; wer sich das nicht leisten konnte, richtete sich in den dichten Limpurger Wäldern ein Versteck ein – und sehnte den Frieden herbei. Doch es sollte noch schlimmer kommen: Wer den mordenden Söldnerheeren entfliehen konnte, fiel der Pest zum Opfer. Die Seuche raffte um das Jahr 1635 mehr als die Hälfte der Gaildorfer Einwohner dahin. Auch die umliegenden Dörfer litten darunter.

Endlich, 1648, konnte das geschundene Volk in Stadt und Land aufatmen: Die am 24. Oktober unterzeichneten Friedensverträge beendeten den Krieg zwischen dem Kaiser und den deutschen Reichsständen (Westfälischer Friede) einerseits sowie Frankreich (Friede von Münster) und Schweden (Friede von Osnabrück) andererseits.

Die Freude war groß, und doch solle es noch viele Monate dauern, bis Misstrauen und Angst in der Bevölkerung überwunden waren: Am 25. August 1650, am elften Sonntag nach Trinitatis, versammelten sich die Menschen in Gaildorf wie auch im Sontheimer Landesteil der Schenken von Limpurg zu Friedensfeiern.

„Herrliche Gabe Gottes“

Pfarrer Heinrich Prescher zitiert in seinem Limpurg-Werk aus der von seinem Amtsbruder Johann Spindler in Obersontheim gehaltenen Predigt. Der habe vor den Gläubigen „den Frieden als eine herrliche Gabe Gottes“ gepriesen.

Info Mit dieser siebten Folge endet unsere Serie über den Dreißigjährigen Krieg im Limpurger Land. Die Arbeit kann nicht ansatzweise den Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Vielmehr wollte die Redaktion die wichtigsten Ereignisse und Entwicklungen einem breiten Leserkreis vermitteln.

Die gravierendsten Veränderungen in der Geschichte des Limpurger Landes

Unvorstellbar sind die Gräuel, denen während des Dreißigjährigen Krieges die Menschen im Limpurger Land ausgesetzt waren. An den Folgen der Überfälle kaiserlicher Truppen, an Seuchen – wobei die Pest besonders schlimm wütete – und Hunger starb etwa die Hälfte der Bevölkerung. In manchen Dörfern waren die Verluste noch höher. Diese Zeit zwischen 1618 und 1648 hat die Region so gravierend verändert wie nie zuvor und auch nicht in den folgenden Jahrhunderten. All das zu dokumentieren, vermochte damals niemand. Pfarrern ist es zu verdanken, dass sich spätere Generationen anhand der Kirchenbücher einigermaßen einen Überblick über die Ereignisse verschaffen konnten. Gleichzeitig musste – durch Plünderungen und Zerstörungen bedingt – der Verlust ganzer Archive verschmerzt werden. Dennoch konnte vieles vor der Vernichtung bewahrt werden. In Staats- und Hauptstaatsarchiv lagern noch meterweise Archivalien aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, die noch gesichtet und erschlossen werden müssen. kmo

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