Gaildorf Stadt sucht nach neuer Optik

Gaildorf / Klaus Michael Oßwald 07.08.2018
Eine in die Jahre gekommene Wappen-Grafik allein reicht längst nicht mehr: Die Stadt Gaildorf möchte mit „Corporate Identity“ ihr Erscheinungsbild modernisieren und damit ihr Profil schärfen. 

Viele Städte und Gemeinden haben ein solches Konzept. Gaildorf indes verfüge über „kein nennenswertes CI“, heißt es in einer Vorlage zur jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Gemeint ist mit der Abkürzung ein „Corporate Identity“, also ein „Erscheinungsbild, das ein Unternehmen im Rahmen seiner Public Relations anstrebt und in dem sich das Selbstverständnis des Unternehmens widerspiegeln soll“, sagt der Duden dazu.

Es geht also um die Außendarstellung, eine Form der Kommunikation, die ungeheuer vielschichtig sein kann. In Gaildorf beschränken sich Aktivitäten in diese Richtung bislang auf wenige Gestaltungselemente: Die in den Farben Rot und Weiß gehaltene Vignette mit dem Stadtwappen – Floß und Flößerhaken erinnern an die einstmals wirtschaftlich bedeutende Holzflößerei – ist die wohl konsequenteste graphische Darstellung der städtischen Identität.

Hinzu kommt die farbliche Gestaltung der weinroten Buswartehäuschen. Und der Eingangsbereich der Limpurghalle mit der entsprechenden Hinweistafel, die neben den Stadtfarben auch noch einen blaugrauen Anstrich hat. Diese Gestaltung, in den frühen 1990er-Jahren entstanden, zeugt von ersten zaghaften Bemühungen, die Stadt mit einem umfassenden CI-Konzept zu überziehen, das jedoch nie umgesetzt wurde.

Nun soll das Logo, das die Stadtverwaltung selbstkritisch als „in die Jahre gekommen“ bezeichnet, überarbeitet werden. Erster Schritt wird die Modernisierung der noch vor der Jahrtausendwende kreierten Briefköpfe sein. Denn „die verwendeten Schriften und die Aufteilung laden nicht zum Lesen der Briefe ein,“ wie Dr. Daniel Kuhn, Pressesprecher der Stadtverwaltung, die Situation erläuterte. Außerdem werde eine zeitgemäße Darstellung – mindestens – auch für die Bereiche Tourismus und Veranstaltungsorganisation benötigt.

Zur Marke entwickeln

Denn allein mit der Darstellung des Stadtwappens kann eine Kommune, die nicht mehr nur das öffentliche Leben „verwaltet“, sondern zunehmend als Dienstleister in vielen gesellschaftlichen Bereichen auftritt, nicht mehr Staat machen. Deshalb mahnte auch CDU-Fraktionschef Matthias Rebel in der letzten Ratssitzung die Rathausspitze, diese „sehr wichtige Sache“ mit „professioneller Unterstützung“ anzupacken.

Dies soll nun geschehen. In einem ersten Schritt ist beabsichtigt, die Wappen-Vignette und das Briefpapier neu und gefälliger zu gestalten. Weitere Maßnahmen betreffen die grundlegende Überarbeitung des städtischen Internetauftritts einschließlich der „Gaildorf-App“. Vielleicht wird es dann gelingen, die längst ins Auge gefasste Entwicklung Gaildorfs zur „Marke“ zu beschleunigen – zumindest was die Optik anbelangt.

Rot-Silber mit „Grünstich“: Die Farbkombination im Wandel

Gaildorfs Stadtfarben, wie sie schon im 16. Jahrhundert genannt wurden, sind Rot und Silber. Die Farbkombination geht auf die Schenken von Limpurg zurück, die der ersten Stadt in ihrem Herrschaftsgebiet ein Wappen stifteten. Dieses zeigt ein silbernes Floß auf rotem Grund. Die Farben sind dem Limpurger Familienwappen – silberne Spitzen auf rotem und silberne Kolben auf blauem Grund – entnommen.

Die Wappen wurden mit roter und silberner Farbe auf öffentliche Gebäude gemalt. Später wurde aus Silber Grün. Steffen Hinderer (†), Gründungsvorsitzender des Historischen Vereins, schilderte in einem Aufsatz über die Herkunft des Wappens, wie es dazu kam: Im Lauf der Zeit habe das Silber einen „Grünstich“ angenommen, weshalb fortan Rot-Grün als Stadtfarben galten. Details sind nicht überliefert.

Erst 1956 wurden wieder die originalen Stadtfarben verwendet: Ein Gutachten des Staatsarchivs bildete die Grundlage für einen Beschluss des Gemeinderats.

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