Was während des Dreißigjährigen Krieges – unter dem auch die Menschen im Limpurger Land extrem zu leiden hatten – an historischen Quellen verloren- und durch Plünderungen untergegangen ist, lässt sich nicht mehr kompensieren. Einer, der vor diesem in der Zeit zwischen 1618 und 1648 entstandenen „Nichts“ nicht kapituliert, ist Dr. Harald Drös. Er leitet die Forschungsstelle „Inschriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit“ innerhalb der Heidelberger Akademie der Wissenschaften des Landes Baden-Württemberg und entlockt alten Inschriften, die bis 1650 entstanden sind, zum Teil recht aufschlussreiche Botschaften.

Fundgrube für Historiker

Ziel der Forschungsstelle ist es, bis 2030 sämtliche bekannten – noch existierende wie auch verschwundene – Inschriften im nördlichen Baden-Württemberg in Wort und Bild zu dokumentieren und zu kommentieren, also in den jeweiligen historischen Kontext einzuordnen. Die Ergebnisse münden in umfangreiche Bücher, die von Historikern herbeigesehnt werden. Denn die Werke – viele sind in den vergangenen Jahren bereits veröffentlicht worden – können große wie kleine Lücken in der Geschichtsschreibung des Landes füllen.

Crailsheim bereits fertig

In Arbeit ist die Dokumentation der Inschriften des Limpurger Landes und des Altkreises Hall. Das Buch über den Altkreis Crailsheim ist bereits gedruckt. Ebenso erfasst sind die in Stein gemeißelten oder gemalten Schätze des Rems-Murr-Kreises oder Hohenlohes.

Zwar hat Harald Drös bereits mehrmals den Raum Gaildorf aufgesucht und interessante Steine zum „Sprechen“ gebracht. Doch seine Arbeit in hiesigen Breiten ist noch nicht zu Ende. Die Kommentierung abgeschlossen habe er bislang im Süden des Haller Landkreises für Bühlertann mit Kottspiel und Tannenburg, wo er 14 Inschriften ausfindig machen konnte, in Bühlerzell nur eine, wie er berichtet. In Eutendorf mit Großaltdorf wurde der Wissenschaftler zehn Mal fündig, in Geifertshofen zwei Mal.

Insgesamt neun Inschriften umfasst die Ausbeute in Michelbach an der Bilz, jeweils zwei in Mittelfischach und Oberfischach. Obersontheim, einst auch Residenz der Limpurger Schenken, bescherte dem Schriftexperten 32 Treffer, in Untersontheim waren es sieben.

Ottendorf auf dem Schreibtisch

Die vier in Ottendorf entdeckten Inschriften hat Harald Drös derzeit auf dem Schreibtisch. Und danach geht es mit der Kommentierung der Gaildorfer Inschriften weiter. Wenn es nicht noch einen Überraschungsfund gibt, werden es voraussichtlich 56 Objekte sein, die er hauptsächlich in der und um die Stadtkirche sowie im Alten Schloss aufgenommen hat. Die Inschriften in Sulzbach-Laufen mit Schloss Schmiedelfeld, in Fichtenberg und Oberrot sind bereits aufgenommen. Unterrot mit Münster stehe noch aus.

Ende noch nicht in Sicht

Danach geht es für Harald Drös weiter in den Mainhardter Wald nach Michelfeld und Mainhardt mit Teilorten. Wann er damit fertig sein wird, kann er derzeit noch nicht abschätzen. Ein Ende, sagt er, sei noch nicht in Sicht.

Zumal ihn auch „bewegliche“ Dokumente interessieren, etwa der Limpurger Schenkenbecher aus dem Jahr 1562 oder der Grabschmuck von Schmiedelfeld.

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