Bundesstraßen in der Region Mit Kontrollen muss jederzeit gerechnet werden

Mautsäule bei Uttenhofen: Das Gerät überprüft mautpflichtige Fahrzeuge auf korrekte Abrechnung. Ist diese der Fall, werden die Daten laut Toll Collect unverzüglich gelöscht.
Mautsäule bei Uttenhofen: Das Gerät überprüft mautpflichtige Fahrzeuge auf korrekte Abrechnung. Ist diese der Fall, werden die Daten laut Toll Collect unverzüglich gelöscht. © Foto: Norbert Acker
Gaildorf / Richard Färber 03.08.2018
Seit 1. Juli muss auch für Fahrten auf Bundesstraßen bezahlt werden, die Möglichkeiten der Mautflucht verringern sich. Wie sich diese Änderung auf die Verkehrsflüsse auswirkt, ist offen.

Kann sein, er spart ein paar Euro. Aus dem Kochertal kommt ein 18-Tonner, der bei Unterrot die Bundesstraße verlässt und der L 1066 nach Fichtenberg folgt, um dann auf die L 1050 in Richtung Heilbronn abzubiegen.  Es ist eine jener Strecken, auf der man ohne nennenswerten Zeitverlust die Mautgebühren sparen kann, die seit dem 1. Juli auch für die Nutzung des Bundesstraßennetzes fällig werden.

Ähnliche Effekte wurden bereits 2005 bei Einführung der Lkw-Maut auf Autobahnen beobachtet. Wo keine oder nur geringe Verzögerungen zu erwarten waren, wo Alternativstrecken deutlich kürzer waren, kam  es zur Mautflucht. Ein Flächenproblem liege allerdings nicht vor, urteilte der Deutsche Bundestag, dem  seit Einführung der Maut regelmäßig berichtet wurde. Für etwa 96 Prozent der Fahrten mit schweren Lkw seien Mautstrecken immer noch kostengünstiger, heißt es im Bericht vom Januar 2013.

Ausweichen „lohnt sich nicht“

Die Ausweitung der Maut auf rund 1000 Kilometer vierspurige beziehungsweise autobahnähnliche Bundesstraßen, die im Jahr zuvor eingeführt wurde, ist dabei noch nicht berücksichtigt. Sie zeige aber, wie auch die 2015 durchgeführte Erweiterung um 1100 Kilometer, die auch die Absenkung der Mautpflichtgrenze auf 7,5 Tonnen beinhaltete, eine Rückverlagerung des Lastverkehrs auf die Autobahnen.

Welche Auswirkungen die Mautgebühr für Bundesstraßen auf die regionalen Verkehrsflüsse haben wird, ist offen. Uns liegen keine Daten vor, sagt Dr. Daniel Kuhn, Referent des Gaildorfer Bürgermeisters Frank Zimmermann. Persönlich, sagt er, habe er aber den Eindruck, dass sich nichts geändert hat.

Gleichwohl kann man davon ausgehen,  dass die Ausweitung des Maut-Netzes die Zahl der Schlupflöcher beträchtlich schrumpfen lässt. Alternativrouten zu suchen, „lohnt sich nicht“, sagt Steffen Manske von der Brauerei Häberlen in Gaildorf, die drei Lastwagen unterhält. Die Mautersparnis werde in der Regel vom Zeitverlust aufgefressen. Zwei der Häberlen-Lastwagen sind schon länger mit den sogenannten „On Board Units“ ausgestattet, den dritten hat Manske jetzt nachrüsten lassen. Die sogenannten OBD reduzieren den Aufwand: Gefahrene Mautstrecken werden automatisch aufgenommen und abgerechnet.

Einen Mehraufwand habe man trotzdem, sagt Gerda Munz vom Gaildorfer Fuhrunternehmen Munz. Mehr Mautstrecken bedeuten mehr Kilometer, die abgerechnet und auf die Kunden umgelegt werden müssen. Sie hat die erste neue Mautrechnung bereits vorliegen. Sie umfasst 37 Seiten, deutlich mehr als bisher.

Für Lastwagen mit OBD braucht’s die Kontrollsäulen, die nun an den Bundesstraßen aufgestellt wurden, eigentlich gar nicht.  Die Geräte überprüfen im Grunde nur, ob die Angaben etwa zur Zahl der Achsen oder zur Schadstoffklasse  mit dem Bild des vorbeifahrenden Fahrzeuges übereinstimmen.  Auch manuell angemeldete Fahrten werden auf diese Weise überprüft – bei Übereinstimmung, so Toll Collect, würden die Daten sofort gelöscht. Das Unternehmen erhebt die Lkw-Maut im Auftrag des Bundesamtes für Güterverkehr BAG.

Rund 600 solcher Kontrollsäulen wurden und werden nun in Deutschland stationiert. Im Landkreis Schwäbisch Hall stehen vier  Kontrollsäulen, im Rems-Murr-Kreis eine, im Ostalbkreis keine. Laut Toll-Collect-Pressesprecherin Claudia Steen sind auch keine weiteren Standorte geplant. BAG-Pressesprecher Assane Ndoye hingegen erklärt, es sei vorgesehen, „dass auch im Ostalbkreis in nächster Zeit Kontrollsäulen aufgestellt werden“.

An jedem Ort zu jeder Zeit

Die Lücken zwischen den Kontrollsäulen sind kein rechtsfreier Raum. Dem BAG steht ein ganzes Arsenal an vernetzten Kontrollmöglichkeiten zur Verfügung, darunter auch 300 Kontrollfahrzeuge, die mautpflichtige Fahrzeuge quasi im Vorbeifahren überprüfen. Es sei sichergestellt, dass  „grundsätzlich an jedem Ort im mautpflichtigen Streckennetz und zu jeder Zeit mit einer Kontrolle gerechnet werden muss“, erklärt Ndoye. BAG-Mitarbeiter seien zudem berechtigt, in den Betrieben selbst zu kontrollieren. Insbesondere schwere Mautverstöße könnten so schnell und umfassend aufgedeckt werden. Seit Einführung der Mautpflicht wurden im Schnitt etwa zehn Prozent aller mautpflichtigen Fahrten kontrolliert, die Beanstandungsquote lag bei einem Prozent.

Was geschieht eigentlich mit den Maut-Einnahmen?

Für 2018 wird mit Maut-Einnahmen in Höhe von rund 5,1 Milliarden Euro gerechnet. Die Verwaltung des Geldes obliegt der 2003 gegründeten, bundeseigenen Verkehrsinfrastrukturfinanzierungsgesellschaft VIFG. 1,1 Milliarden werden danach im Zusammenhang mit der Erhebung der Lkw-Maut fällig, etwa eine halbe Milliarde wird für sogenannte „Harmonisierungsausgaben“ verwendet, beispielsweise den Ausgleich von Mindereinnahmen bei der Kfz-Steuer. Zirka 3,8 Milliarden Euro sollen für Bau, Erhaltung und Betrieb der Bundesfernstraßen verwendet werden. rif (Quelle: VIFG)

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