Gaildorf Leben in Tansania: Improvisationstalent gefragt

Viele fleißige Hände packen mit an und legen den Grundstein für die neue Mensa. Bei der Baumaßnahme kommen deutsche Gründlichkeit und tansanischer Einfallsreichtum zusammen. Am Ende wird eine Erfolgsgeschichte geschrieben.
Viele fleißige Hände packen mit an und legen den Grundstein für die neue Mensa. Bei der Baumaßnahme kommen deutsche Gründlichkeit und tansanischer Einfallsreichtum zusammen. Am Ende wird eine Erfolgsgeschichte geschrieben. © Foto: privat
Gaildorf / 31.07.2018
Vier Gaildorfer Gymnasiasten und zwei Lehrer besuchen die King’Ori Secondary School und berichten den Daheimgebliebenen von ihren Erlebnissen in Afrika.

Wer will fleißige Handwerker sehen? Der muss nach King’ori gehen, denn dort arbeiten deutsche und tansanische Schüler an einem gemeinsamen Projekt. Das Ziel dabei ist, Erfahrung zu vermitteln, dass durch Eigeninitiative und Teamwork sehr viel an den eigenen Lernbedingungen verbessert werden kann. Auf der To-do-Liste standen die Sanierung zweier Klassenzimmer, die Grundsteinlegung für den Bau einer Mensa und die Darstellung der deutsch-tansanischen Freundschaft in Form eines Außenwandgemäldes.

Da die Klassenzimmer in einem ziemlich heruntergekommenen Zustand waren, gab es einiges zu tun. Die Arbeiten waren zum Teil knifflig, denn wer hat schon mal ein Fenster gesetzt? In Tansania musste dazu improvisiert werden: Man nehme Erde, Kerosin und Wasser und dazu eine von der Größe nicht passende Scheibe. Dieses Problem löste ein fachkundiger Glaser schnell. Er zwickte mit einer Flachzange allerdings etwas zu viel Material ab. Diese Lücke wurde kurzerhand mit einem Zweig geschlossen. Verkittet wurde dann alles mit dem Mischmasch aus Erde, Sprit und Wasser.

Improvisiert wurde auch an einer anderen Stelle. Für die Wände galt: Wer Grundierung hat, grundiere, wer nicht, nehme vier Meter langes Schleifpapier und mache sich an die Arbeit. Es wurde drei Stunden lang geschliffen und gehustet. Nach dreifachem Anstrich der Klassenzimmerwände schimmerten endlich keine Flecken mehr durch.

Auch der Bau der Mensa kam voran. An einem Tag wurden drei Bäume gefällt, ein Graben gezogen und Steine für das Fundament herbeigeschafft. Die Aufgabe der Kleinsten war ein Triathlon: zu Fuß zum Steinlager gehen, den Kampf gegen dort ansässige Skorpione aufnehmen und schwer beladen zurück marschieren.

Die bei Weitem gefährlichste Aufgabe war allerdings, einen überhitzten Beamer vor dem Explodieren zu bewahren. Nach langem Kampf und Einsatz vieler Kabelbinder konnte man diesen mit Hilfe eines Tuches zur Ruhe bringen. Dann summte er nur noch vor sich hin. Dies war notwendig, um ein Wappen sowie die Flaggen Deutschlands und Tansanias auf die Außenwand zu malen. Mit Hilfe deutscher Präzision und tansanischer Zeit wurde aus dem Projekt ein van Gogh.

Kreativ und schön

Dank der Mädels sah am Ende auch das von den Jungs gezeichnete Wappen erträglich aus. Aber ohne das technische Verständnis der Beamerexperten wäre die Umsetzung trotz aller Motivation erfolglos gewesen. Das Wappen war zwar schön anzusehen, doch nicht der einzige Verwendungszweck: Nach vielfachem Lob des Publikums wurde mitgeteilt, dass dieses Meisterwerk demnächst als Anschauungsmaterial den Unterricht aufpeppen wird.

Obwohl die Tage anstrengend und ermüdend waren, zeigten sich alle Beteiligten mit den Ergebnissen äußerst zufrieden. Da alle mehr als ihr Bestes gaben, wurden die Erwartungen übertroffen. Das soll fortgesetzt werden.

Der Schüleraustausch wurde unter anderem aus Mitteln der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) des Auswärtigen Amts gefördert und durch den Pädagogischen Austauschdienst (PAD) des Sekretariats der Kultusministerkonferenz unterstützt. Den Großteil der Kosten trug allerdings die Gaildorfer Bürgerstiftung.

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