Narrenzunft Mit der Häs auf dem „Catwalk“

Murrhardt / Karl-Heinz Rückert 13.02.2018

In langer Tradition pflegt die Narrenzunft „Murrhardter Henderwäldler“ die Murrhardter Fasnet. Angefangen vom Rathaussturm und der Narrentaufe am Schmotzigen Donnerstag, zu dem die Henderwäldler als „Hemdglonker“ in Erscheinung treten, und der Kinderfasnet am Rosenmontag, bis schließlich am Fasnetsdienstag die Murrhardter Fasnet verbrennt wird, sind im Städtle die Narren los. Absoluter Höhepunkt der Fasnet in Murrhardt war aber auch in dieser Faschingssaison wieder der Nachtumzug am Abend des Fasnetsamstags. Sechzig Narrenzünfte und Karnevalsvereine aus Nah und Fern zogen durch die von tausenden Zuschauern gesäumten Straßen.

Mit leichter Verspätung setzte sich der Umzug durch die Innenstadt in Bewegung. Die eingeschalteten Giebelbeleuchtungen an den Fachwerkhäusern bescherten dem närrischen Treiben eine reizvolle Atmosphäre. Dazu lieferten die „Ladykillers Zürigugge“, die Monsterheuler aus Groß­erlach, die „Gässlesfetzer“ aus Murr, Gögginger Geslach Gugga, Lenninger Gugga und die Burgfäger aus Esslingen schräge Guggenmusik. Ohne Krachmusik mischte dagegen die Murrhardter Stadtkapelle im Umzug mit.

Historische oder lokale Bezüge

Für ihren närrischen „Catwalk“ hatten auch die Murrhardter Narren die Häs ihrer Figuren aus dem Schrank geholt und abgestaubt. An der Spitze des Zugs zeigten sich „Wasserfratz“, „Feuerbarthl“, „Tanenzapfenhurgler“, das „Hexenturmweible“, der Kinderschreck „Nachtkrabb“ und der Murrhardter „Hotz“ mit ihren Furcht einflößenden Masken. Die fantasievoll gestalteten Figuren beziehen sich alle auf historische Ereignisse oder Flurnamen wie die Fratzenklinge oder den Stadtbrand anno 1765.

Unter den nach schwäbisch-
alemannischer Tradition verkleideten Fußgruppen fanden sich auch Faschingsvereine im Outfit des rheinischen Karnevals mit ihren Gardemädchen. Auf den Straßen war es zwar etwas eng, dafür aber fanden die Gruppen auf dem Marktplatz genügend Raum, um mit ihren akrobatischen Kunststückchen vor dem Publikum zu glänzen. Dort baute sich die Hexenschar der Narrenzunft Grafenau zu einer großen Pyramide auf.

Gegen die Narrenrätschen hielten die Mitteleschenbacher „Woldschebberer“ mit ohrenbetäubendem Zähneklappern an. Die übermannshohen Figuren mit ihren tierähnlichen Köpfen und riesigen Mäulern erzeugten hüpfend ein lautes Scheppern.

Kommentatoren an der Strecke

Von den vielen einfallsreichen Kostümen in den Bann gezogen, blieb den Zuschauern kaum Zeit, die Reihenfolge der Narrengruppen nachzuverfolgen, die auf den papiernen Eintrittskrawatten gedruckt war. Sie konnten sich aber auf die Kommentatoren an der Strecke verlassen. Die stellten nicht nur die Fasnetsgruppen und die Bedeutung der Häs vor. Auch den Narrenruf der verschiedenen Zünfte hatten sie parat, sodass die Zuschauer lauthals einstimmen konnten. Nach gut eineinhalb Stunden war der närrische Spuk in den Murrhardter Straßen vorbei. Danach ging es in der Festhalle mit einer verrückt-närrischen Party weiter.