Mini-Heli kann auch Schwarzkittel aufspüren

KARL-HEINZ RÜCKERT 23.08.2014

Die Wildschweinpopulation in der Region nimmt überhand. Sie ist zu einer Plage geworden. Als Ursache wird das größer werdende Futterangebot vermutet, das nicht nur durch großflächigen Maisanbau, sondern auch in der Natur zu finden ist. Aus diesem Grund ist die Bejagung des Schwarzwildes ein vorrangiges Anliegen von Jägern und Landwirtschaft.

Die herkömmliche Wildschweinjagd ist aufwändig und zeitraubend. Der Erfolg, den Schwarzkitteln auf die Borste zu rücken, ist dabei nicht immer garantiert. Ihre instinktiv raffinierte Schläue hilft den Tieren zu überleben. Vor Jahren bestand die Hauptnahrung der Wildsäue überwiegend aus Eicheln und Bucheckern und - was den Landwirten weniger gefiel - den Kartoffeln. Regelmäßig, alle vier bis fünf Jahre haben die Laubbäume besonders viele Früchte getragen. Der Tisch für das Wild war gedeckt. Zwischenzeitlich ist das beinahe jährlich zu beobachten.

"Eine Folge des Klimawandels", steht für Ulrich Stahl von der Fürst zu Bentheimschen Domänenkammer fest. Zu seinem Jagdrevier gehört auch der Maisacker von Wilfried Ellinger in Reippersberg, wo am Mittwoch eine besondere Art der Wildschweinortung demonstriert wurde: Wildschweinjagd mit dem Multikopter (wir haben gestern über das Projekt berichtet).

Mit einem solchen Fluggerät lässt sich ein Maisfeld in geringer Höhe überfliegen, um eventuell ungebetene Gäste auszumachen, die dann gezielt bejagt werden können. Seniorbauer Willi Ellinger war sich während des Experiments sicher, dass sich in dem sieben Hektar großen Maisfeld hinter dem Ellingerschem Anwesen und unmittelbar an die Bundesstraße 298 angrenzend Wildschweine befinden. Ein Loch im Elektrozaun, der das Areal umgibt, war ein untrügliches Zeichen für den Landwirt. Doch er sollte sich täuschen.

Die Zahl der interessierten Beobachter aus Jagd und Landwirtschaft war von anfangs etwa 20 bis auf mehr als 50 angewachsen - unter ihnen auch Martin Bürner, Geschäftsführer beim Landesjagdverband Baden-Württemberg. Sie beobachteten, wie Tim Erdmann von der Firma Flight Pictures seinen Octocopter für die Befliegungen vorbereitete. Die Vorführung wurde vom Maschinen- und Betriebshilfsring Schwäbisch Hall (MBR) organisiert. Das Fluggerät mit seinen acht Tragflügeln und einem Durchmesser von etwa einem halben Meter war schnell mit einer Videokamera ausgestattet und startklar.

Mit leisem Surren schwebte es über die Köpfe der Zuschauer und danach auf über 70 Metern Höhe über das Maisfeld in Reippersberg. Copterpilot Erdmann musste das Fluggerät ferngesteuert sicher um die Hochspannungsleitung bugsieren, die den Acker überspannt. Aus dieser Perspektive waren einzelne Lücken in den Pflanzreihen auf dem großen Bildschirm im Technikwagen zu erkennen. Sie stammen von nicht aufgegangener Saat, vermutete Wilfried Ellinger. Größere braune Lücken ließen eher auf Wildschweinbesuch schließen.

Der Tiefflug mit der Videokamera erbrachte keine Hinweise auf vorhandene Wildschweinrotten. Ausgestattet mit einer Wärmebildkamera sollte eine erneute Befliegung Sicherheit bringen. Auch dieses Ergebnis war negativ. Wie bei der Vorführung am Nachmittag bei Hütten - keine Sau da! Zu Demonstrationszwecken wurde noch eine Jungjägerin ins Maisfeld geschickt, die auf dem Bildschirm deutlich als weißer Punkt zu erkennen war.

Für Fritz Hube, Geschäftsführer des Maschinen- und Betriebshilfsrings, war die Vorführung dennoch ein Erfolg. Sie führte zumindest ein mögliches Einsatzgebiet mit einem Multikopter in Land- und Forstwirtschaft den versammelten Beobachtern vor Augen. Für Hube könnte ein solches Gerät auch für die Ortung von Rehkitzen vor Mäharbeiten oder bei der Schädlingsbekämpfung, etwa gegen den Maiszünsler, eingesetzt werden. Der MBR überlegt daher die Beschaffung eines Multikopters. Die Kosten dafür belaufen sich auf mehr als 40 000 Euro, zumal das Gerät für die speziellen Aufgaben technisch ergänzt werden müsste. Weitere Kosten entstünden durch die Ausbildung eines Copterpiloten und den Erwerb der erforderlichen Erlaubnisse und Lizenzen.