Konzert Melodien spiegeln Blütenvielfalt wider

Von Rosen und Veilchen: Christine Schandelmeyer (Klavier), Lena Sutor-Wernich (Alt) und Karsten Müller (Bass) eröffnen mit einem Liederabend den Murrhardter Musiksommer.
Von Rosen und Veilchen: Christine Schandelmeyer (Klavier), Lena Sutor-Wernich (Alt) und Karsten Müller (Bass) eröffnen mit einem Liederabend den Murrhardter Musiksommer. © Foto: Elisabeth Klaper
Murrhardt / Elisabeth Klaper 15.06.2018

Der Reichtum an Melodien, die zu uns über und durch die Blume sprechen, spiegelt die große Vielfalt bunter Blüten wider. Neben etlichen bekannten Kunstliedern erfüllen auch einige seltene Blumen-Kompositionen die Stadtkirche beim ersten Konzert des Murrhardter Musiksommers.

Der Liederabend „Durch die Blume“ wird für zahlreiche Zuhörer zu einer dramaturgisch brillant gestalteten, sinnlichen Begegnung mit einer Fülle verschiedenartiger Klänge, die musikalisch Blüten und Düfte darstellen. Auf einem mit Rosenblütenblättern dekorierten Podium tritt ein kongeniales Trio auf.

Voller Hingabe interpretieren Lena Sutor-Wernich mit ihrer lyrischen, facetten- und empfindungsreichen Altstimme, Karsten Müller mit seiner warmen, klang- und ausdrucksvollen Bassstimme, und die Pianistin Christine Schandelmeyer mit ihrem klangschönen, feinsinnigen Spiel in vollendeter Harmonie ein stilistisch breites Spektrum aus Werken von der Klassik und Romantik über den Impressionismus bis zum 20. Jahrhundert.

Von Werden und Vergehen

Dazu erzählen Lena Sutor-Wernich und Karsten Müller abwechselnd spannende Details über die Bedeutung der Blumen als Ebenbild der Schönheit, des Werdens und Vergehens. Die Redewendung „etwas durch die Blume sagen“ entstand im 18. Jahrhundert. Lady Montagu, Gattin des britischen Botschafters, beobachtete in Istanbuler Harems die raffinierte Blumensprache, mit der Liebende geheime Botschaften übermittelten. Ihre „Briefe aus dem Orient“ machten die Kommunikation „durch die Blume“ zur Mode in Europa. In die orientalische Welt und in den „Garten des Serails“ entführen exotische, fantasievolle Klangfiguren des Fin-de-Siècle-Komponisten Frederick Delius (1862–1934).

Um die Rose, die Königin der Blumen, ranken sich unzählige Mythen und Symbolismen. Sie macht uns aber auch die Vergänglichkeit der Sinneswelt und unserer Gefühle bewusst. Darauf deutet „Zur Rosenzeit“ hin, ein Gedicht von Johann Wolfgang von Goethe, das Edvard Grieg (1843–1907) mit schwermütiger Melodik und dunklen Klangfiguren vertonte, von Lena Sutor-Wernich eindrücklich mit variabler Dynamik und emotionaler Intonation gestaltet.

Dagegen blüht das kleine Veilchen unscheinbar im Verborgenen und steht für heimliche Liebe und Zurückhaltung. In
Wolfgang Amadeus Mozarts
(1756–1791) „Das Veilchen“ (Köchelverzeichnis 476) mit volksliedhafter Melodie, die Bassist Müller schwungvoll präsentiert, wird dies dem Blümchen zum Verhängnis: Es wünscht sich, eine besondere Blüte zu sein – da zertritt es eine junge Schäferin.

Sommerstimmung strahlt das Gedicht „Die Blumen des Kornfelds“ von André Girod aus. Der Dichter vergleicht die Ähren mit dem blonden Haar, den Mohn mit dem roten Mund und die Kornblumen mit den azurblauen Augen seiner Liebsten. In Claude Debussys (1862–1918) Vertonung verschmelzen idyllisch klingende, gebrochene Klavierakkorde und die wunderbar lyrische Gesangsmelodie zu einer klangfarbenreichen Impression.

Die Redewendung „jemandem einen Korb geben“ geht wohl auf einen seit dem Mittelalter bekannten ländlichen Brauch zurück. Musikalisch veranschaulicht dies das Stück „Vergebliches Ständchen“ Opus 84 No. 4 von Johannes Brahms (1833–1897). Augenzwinkernd präsentieren Lena Sutor-Wernich und Karsten Müller im Duett das niederrheinische Volkslied: Sehnsüchtig wünscht der Verehrer, zu seiner Angebeteten zu kommen, die jedoch kaltherzig die Tür verschlossen hält und ihn schroff mit „Gute Nacht“ fortschickt.

Zu hören gibt es auch Schauriges, so das von Karsten Müller rezitierte Gedicht „Der Blumen Rache“ von Ferdinand Freiligrath (1810–1876). Darin steigen aus den Blüten eines Straußes geistergleiche Duftgebilde. „Von der Erde hast du grausam uns gerissen, wir verblühen, doch ehe wir sterben, trifft dich unsere Rache“, klagen sie ein schlafendes Mädchen an – und töten es. Den krönenden Abschluss bildet „Die letzte Rose des Sommers“ von Benjamin Britten (1913–1976): Gefühlvoll trägt die Altistin die mit reizenden Verzierungen umspielte irische Melodie vor.

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