Mächtig was los war am Wochenende im Kohlwald. Dort tummelten sich insgesamt mehrere tausend Besucher beim traditionellen Kohlwaldfest, ausgerichtet von der Landjugend Kohlwald. Die Veranstaltung ist ein Magnet in einer Gegend, von der behauptet wird, dass dort mehr Kühe als Menschen leben.

Das mag sein. Aber die Hähnchen, Göckele, Broiler sind vermutlich ausgestorben – die hingen am Grill und verschwanden am Sonntag in hunderten hungrigen Kehlen. Parallel dazu sahen sich Interessierte auf dem Freigelände dutzende historische Trecker an, die zudem kundig präsentiert wurden.

Wie lange es das Kohlwaldfest schon gibt, daran kann sich keiner erinnern. Man einigte sich darauf, dass es bereits zum 50. Mal gefeiert wird. Angefangen habe es einst als Gartenfest, sagte Dietmar Stiefel. Der ehemalige Vorstand der ausrichtenden Landjugend weiß auch, dass der älteste Traktor der Treckerschau ein Lanz-Bulldog aus dem Jahr 1939 sein wird: „Der Eigentümer kommt aus dem Ort und ist jedes Jahr dabei.“

Neben der Feier steht immer auch ein Schauprogramm auf der Tagesordnung: Köhlerei und Holzverarbeitung lautete es in den vergangenen Jahren. „Weil ja Holz hier immer dazu gehört“, sagte die 24-jährige Finanzchefin der Landjugend, Diana Müller. Es werden immer zur Region passende Themen gesucht – und gefunden. Dieses Mal lautete es „Milch“. Nicht nur, weil es wohl mehr Kühe als Menschen in der Umgebung gibt. Das Thema Milchpreis wurde dieses Jahr immer wieder diskutiert. Daher sollten die Besucher erfahren, welche Arbeit dahinter steckt, bis ein Liter im Tetra Pak im Kühlregal des Supermarkts steht. Dazu gab es künstliche Euter, an denen das Melken geübt wurde.

Maike Hagel hat ihre beiden sechs Monate alten Jungrinder „Schwarzerle“ (mit schwarzen Flecken) und „Purpur“ (davon ist noch keine Spur erkennbar) mitgebracht. Liebevoll nennt sie die beiden „Fresserle“. Knapp über 20 ist die blonde junge Frau. Sie weiß schon, dass sie eines Tages den landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern übernehmen will.

Gleich daneben rührt Arndt Gottschalk. Unermüdlich bewegt er den an einen Schneebesen aus Gullivers Land der Riesen erinnernden Rührlöffel in der Milch im Kupferkessel. Auf 32 Grad muss er sie bringen. Und während er so vor sich hinrührt, erklärt er geduldig, beantwortet Fragen rund ums Thema Käse. Gelernter Landwirt sei er, sagte Gottschalk zu seinem Werdegang. Für die Dorfkäserei Geifertshofen sei er hier. Gelernt habe er die Käserei in der Schweiz, wo er zehn Jahre lang auf den Almen Käse produzierte.

Die Musik spielte auch am Samstagabend. Und da war das Zelt ebenfalls voll. 2000 Menschen durften höchstens ins Zelt, sagte Diana Müller. Die waren es nicht ganz, als zum wiederholten Mal die Kultband „Barbed Wire“ mit ihren Coversongs für Stimmung sorgte. Die Jugendlichen so um die 20 grölten sogar zu Opa-Songs wie „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jürgens oder „Über den Wolken“ von Reinhard Mey mit. Nur um dann bei dem Smokie-Schmusie „Living next door to Alice“ im Chor festzustellen: „Who the fuck is Alice?“ Die Klassiker sind eben überall bekannt.