Schule Maria Montessori wäre entzückt - 50 Jahre Schule in Frickenhofen

Die 25 Schüler der Grundschule Frickenhofen, links Rektorin Janine Hörmann, rechts ihre Kolleginnen Sina Reubold (oben) und Kathrin Friedrich.
Die 25 Schüler der Grundschule Frickenhofen, links Rektorin Janine Hörmann, rechts ihre Kolleginnen Sina Reubold (oben) und Kathrin Friedrich. © Foto: Cornelia Kaufhold
Frickenhofen / CORNELIA KAUFHOLD 16.06.2016
25 Kinder, drei Lehrerinnen – die Dorfschule in Frickenhofen ist eine von ganz wenigen Zwergschulen. Und sie eine der ältesten im Land mit Montessori-Profil.

25 Kinder werden von drei Lehrerinnen unterrichtet, aber nicht in einer Klasse, sondern in einem lichtdurchflutetem Schulhaus samt großem Schulhof mit riesengroßer Schaukel und dem Kindergarten nebenan.  Die Kleinen kommen die Schüler öfter mal besuchen und diese lesen den Jüngeren dann gerne eine Geschichte vor. Das ist keine Heile-Welt-Szene aus Bullerbü, sondern aus Frickenhofen. Und da ist die Montessoripädagogik zuhause.

In der letzten Stunde kamen gestern Mittag die Buben und Mädchen gut gelaunt beim Wasserreich an, sie freuen sich aufs Schwimmen. Ihre Eltern bringen sie morgens in die Schule, viele wohnen weit verstreut in den umliegenden Weilern. „Wir haben auch Kinder aus Fichtenberg und Gaildorf und sogar eine Anfrage aus Leinzell“, sagt Janine Hörmann. Seit zwei Jahren leitet sie die Grundschule Frickenhofen. Das  Montessoriprofil der staatlichen Schule hat Erich Hammer im Lauf von knapp vier Jahrzehnten in kleinen Schritten eingeführt. Die Erst- bis Viertklässler werden gemeinsam unterrichtet, das war vor 20 Jahren revolutionär und hat vielen Eltern überhaupt nicht gepasst. Manche befürchteten, ihr Kind lerne nicht genug, um in der weiterführenden Schule mithalten zu können. Sie hatten sich getäuscht. „Ich hab’ nicht groß geredet, sondern einfach gemacht“, erinnert sich der pensionierte Pädagoge lachend. In Montessorischulen wählen sich die Kinder ihre Themen selbst und erarbeiten sie dann bis zur Präsentation in der Klasse. Das können sie alleine machen oder mit Mitschülern, und sie können sich gegenseitig helfen. Janine Hörmann zeigt Plakate von Präsentationen über Zebras, „Der Herr der Ringe“ und Traktorpulling. „Man sieht, dass Kinder lernen wollen und gut sind“, meint sie. In einem Klassenzimmer finden die Schüler die nötigen Materialien, Scheren, Kleber, Stifte, Papier, Pappe. Dort steht auch ein Aquarium samt Futterplan. Die Kinder kümmern sich um die Fische „und nächstes Jahr können sie ihren Plan selbst schreiben“, ist Janine Hörmann überzeugt.  Den Fußballplan für die Pause machen sie jedenfalls selbstständig. Sie leiten auch die Schulbücherei in Eigenregie.

Frickenhofener Schüler haben hohe Sozialkompetenz

Dort hat gestern Mittag Rita Sipple ein paar Bücher einsortiert, „aber das ist das Wenigste“, sagte sie. 1974 wurde sie in Frickenhofen eingeschult. Rektorin war Annemarie Oesterle. „Streng war die, nichts mit Montessori“, erinnert sich Rita Sipple und muss grinsen.

Erich Hammer sagt, seine Chefin habe ihn beim Aufbau des Montessoriprofils sehr unterstützt. „Diese Art des Lernens war ihr wichtig“, sagt er. Die Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd hat die Schulergebnisse in Frickenhofen wissenschaftlich erfasst. Dabei schnitten die Montessori-Schüler aus Frickenhofen im kognitiven Bereich nicht schlechter ab als Vergleichsklassen, zeichneten sich aber durch eine höhere Sozialkompetenz aus. Bürgermeisterin Kottmann meinte bei Hammers Verabschiedung in den Ruhestand, ihm sei es in 20 Jahren Schulleitertätigkeit gelungen, „negative gesellschaftliche Einflüsse von der Grundschule Frickenhofen fernzuhalten“. Und Schulamtsdirektor Hans-Jörg Polzer unterstrich bei der Einsetzung Janine Hörmanns vor zwei Jahren den Wert der Persönlichkeitsbildung der Kinder in der Montessoripädagogik. „Was als „ineffiziente Idylle“ erscheinen mag, ist in Wirklichkeit eine „beziehungsstiftende soziale Kraft und als solche unschlagbar“.  Maria Montessori wäre entzückt, das zu hören.
 

Ein Fest zum Hören, Schauen und Mitmachen

Festakt Für den Festakt am Freitagabend haben die  Schüler ein Theaterstück einstudiert, und sie bitten ehemalige Schüler aus fünf Jahrzehnten zum Talk aufs „Blaue Sofa“. Es gibt kurze Grußworte und zwischendrin wird Familie Frank musizieren. Zum Schluss dürfen alle mitsingen. Der Festakt in der Gemeindehalle beginnt um 19 Uhr und endet offiziell gegen 21 Uhr.

Tag der offenen Tür Am Samstagnachmittag laden Kindergarten und Grundschule am Tag der offenen Tür zu vielen Aufführungen und Mitmachangeboten ein. Erich Hammer wird aus seiner Zeit in der Schule in Mittelbronn berichten. In der Schule gibt eine Ausstellung mit Exponaten aus dem Schulunterricht in den 60er-Jahren und eine weitere über die Geschichte der Schule. ka

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