Der stille Denker Manfred R. Lünenschloss verstorben

Gschwend / KMO 02.08.2012
Ein bewegtes Künstlerleben ist zu Ende gegangen: Der Maler Manfred R. Lünenschloss, einer der kreativen Gründerväter der Reihe Gschwender Musikwinter, ist im 89. Lebensjahr verstorben.

"In meinen Bildern treten große Farbflächen zueinander in Beziehung. Es entstehen Landschaften, deren Linien sich im Unendlichen verlieren". Manfred R. Lünenschloss, 1923 in Mitau in Lettland geboren, entzog sich mit solchen Feststellungen immer wiederkehrenden Versuchen, ihn, den spätberufenen Maler, in dieses oder jenes Schublädchen zu pressen.

Seit 1968 Wahl-Gschwender, war Lünenschloss seinerzeit als selbstständiger Spielzeughersteller tätig. Sein Spezialgebiet: Modelleisenbahnen, wovon er gut 4000 Exemplare schuf. Kreativ ging es weiter: Drei Jahre lang unterrichtete er in Gaildorf als Werk- und Zeichenlehrer - vormittags. Nachmittags stand er in Ruppertshofen als Maschinenarbeiter seinen Mann. Später entwarf er als Aushilfslehrer im Sonnenhof Holzspielgeräte und baute für ein Stuttgarter Architekturbüro Modelle.

Lünenschloss hatte zunächst in Bad Cannstatt eine Ausbildung als Werbefachmann und Grafiker genossen. Nach dem Krieg war er für vier Jahre in französische Gefangenschaft geraten. In dieser Zeit malte er Bühnenbilder, später in Diensten der US-Armee Schilder und Hinweistafeln. Prof. Valentin Orasch von der Stuttgarter Kunstakademie war es schließlich, der das künstlerische Talent des kreativen Schaffers entdeckte und förderte. Das Können des jungen Lünenschloss soll den Dozenten regelrecht verblüfft haben, weil es ihn aus dem Kreis der Mitschüler "heraushob". In dieser Zeit widmete sich Lünenschloss überwiegend der Aktmalerei.

Eine Wende vollzog sich, nachdem der Künstler den Schwäbischen Wald als neue Heimat und 1982 das Malen als Beruf entdeckt hatte: "Die Beschäftigung mit Akt- und Porträt- sowie mit realistischer Landschaftsmalerei befriedigte mich auf die Dauer nicht", bilanzierte er die damalige Entwicklung. Erst die surrealistische Darstellungsweise "gab mir die Möglichkeit, die Themen, die mich bewegen, meinen Vorstellungen entsprechend auszudrücken".

Damit setzte der ansonsten in vornehmer Zurückhaltung arbeitende Gentleman unter den Kunstschaffenden der Region ein selbstbewusstes Zeichen, reklamierte für sich das, was man als künstlerische Freiheit bezeichnet. Diese Freiheit lebte er aus, vor allem seine Freude am Experimentieren, die ihn, wie er selber sagte, "immer wieder neue Möglichkeiten des Ausdrucks finden" ließ. Viele Ausstellungen zeugen von dieser Schaffensperiode, besonders die Präsentation im Rahmen des großen Gemeinschaftsprojekts "Kunst & Kultur" im Herbst 1986, das den Beginn des Gschwender Musikwinters markierte.

Jedes Bild, so Lünenschloss, wird für mich zu einer Entdeckungsreise". Seine Werke, mit viel Liebe zum Detail und überwiegend in Acryl gemalt, seien Fenster - "Fenster, die dem Betrachter Ausblicke in neue Bereiche des Sehens und Denkens geben sollen". - Manfred R. Lünenschloss starb am vergangenen Samstag.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel