Parteien Lust am Mitgestalten

Drei der fünf neuen Mitglieder des SPD-Ortsvereins Gaildorf. Der Gemeinderat Martin Bohn im Gespräch mit Simon Bahr und Mikka Schulz (von links). Die beiden Zwanzigjährigen sind die Jüngsten im Ortsverein. Sie wollen im Beirat der Partei mitarbeiten.
Drei der fünf neuen Mitglieder des SPD-Ortsvereins Gaildorf. Der Gemeinderat Martin Bohn im Gespräch mit Simon Bahr und Mikka Schulz (von links). Die beiden Zwanzigjährigen sind die Jüngsten im Ortsverein. Sie wollen im Beirat der Partei mitarbeiten. © Foto: Cornelia Kaufhold
Gaildorf / Von Cornelia Kaufhjold 27.03.2017
An der Basis herrscht Aufbruchstimmung: Der SPD-Ortsverein Gaildorf freut sich über fünf neue Mitglieder.

Freitagabend, 21 Uhr: Während draußen die Temperaturen unter einem klaren Sternenhimmel sinken, wird im Kaffeehaus am Schloss leidenschaftlich diskutiert. 14 Männer und zwei  Frauen sitzen an dem ovalen Tisch. Ihr Thema ist das bedingungslose Grundeinkommen. Die Positionen sind unterschiedlich. Widerspricht gleiches Geld für alle dem Grundsatz der sozialen Gerechtigkeit? Führt das Grundeinkommen zu Steuereinbußen? Steht es nicht im Widerspruch zur These, dass sich der Mensch über seine Arbeit definiert? „Es war sehr interessant“, resümiert Simon Bahr tags darauf im Gespräch mit unserer Zeitung. Grundwerte wie soziale Gerechtigkeit „sind absolut mein Thema“, sagt der 20-jährige Student aus Oberrot. Es war seine erste Jahreshauptversammlung, vor wenigen Monaten ist er der Partei beigetreten.

Startup für Leute mit Potenzial

Der Bericht der Gemeinderätin Margarete John mache ihm Lust auf Mitgestalten. Die Stadt habe viel Infrastruktur zu unterhalten und so gut wie kein Geld in der Kasse, erklärt sie und wiederholte den Vorschlag der SPD-Fraktion, ein Existenzgründerzentrum zu etablieren, als Startup für Tüftler. „Hier gibt es genug Leute mit Potenzial.“ Ihre Genossen finden die Idee gut. Sie zitiert aus einem Schreiben des Landratsamts, in dem es die Stadt ermahnt, ihren Haushalt rechtskonform auszugleichen. „Es gibt aber nichts, wo wir einsparen können. Mit unserer tollen Landschaft können wir wenig erwirtschaften, wir brauchen Gewerbe und Arbeitsplätze. Es gibt viele Firmen, die klein angefangen haben. In einer Halle zu günstiger Miete könnten sich Leute ansiedeln, die was machen möchten, und wir haben Menschen, die ihr Knowhow einbringen, die die Leute beraten und betreuen könnten.“  Diesen Vorschlag will die Fraktion am Mittwoch als Antrag im Gemeinderat einbringen.

Eine Möglichkeit, die Ausgaben zu drosseln, sei, die alten Rathäuser in den Stadtteilen zu verkaufen. „Ich weiß, dass das emotional schwierig ist. Die Frage ist, ob wir am Alten festhalten oder die Stadt gesunden lassen und den Schritt nach vorne machen,“ sagt John. Ein Genosse erkundigt sich nach der Nachfrage im Gewerbegebiet Münster. „Wir haben zwei Sachen verkauft“, berichtet die Gemeinderätin. Gewisse Anfragen habe der Gemeinderat abgewiesen, räumt sie ein, der Platz sei knapp und deshalb wertvoll. Die Verkehrsanbindung ist neben aktuellen Themen wie die Flüchtlingsunterbringung und der Wohnungsmarkt in Gaildorf Thema der lebhaften Diskussion.

Die Aufnahme der Umgehungsstraße in den Bedarfsplan des Bundesverkehrswegeplans hebt Karl Eichele als ein besonderes Verdienst der Abgeordneten Anette Sawade hervor.  „Sie ist Mitglied im Verkehrsausschuss und hat sich dafür mit Nachdruck eingesetzt, ihr gebührt Dank und Anerkennung.“  Denn jetzt habe Gaildorf die Aussicht, dass die seit Jahrzehnten geforderte Umgehungsstraße in den nächsten sieben bis neun Jahren gebaut werde.