Hitze, Chemie - nichts hat bislang geholfen, um den seit mehr als einem Jahr andauernden Spuk in der Gaildorfer Sporthalle zu beenden: Trotz umfangreicher Maßnahmen kann hinsichtlich der Legionellen-Belastung des Trinkwassers keine Entwarnung gegeben werden, berichtete Bürgermeister Frank Zimmermann dem Gemeinderat. Zuvor hatte SPD-Stadtrat Martin Zecha nach einer Erfolgsmeldung aus Schwäbisch Hall (wir haben berichtet) nachgehakt: In der Hagenbachhalle war es gelungen, durch Heißwasser-Spülungen die Belastung des Duschwassers mit Legionellen - stabförmigen Bakterien, die schlimmstenfalls eine lebensbedrohliche Lungenentzündung verursachen können, wenn das durch die Duschköpfe vernebelte Wasser eingeatmet wird - unter die kritischen Werte abzusenken.

Entsprechende Maßnahmen haben in Gaildorf jedoch nicht gefruchtet. Dies, obwohl im Alt- wie im Anbau durchweg neue Leitungen installiert worden waren. Das städtische Gebäudemanagement, die beteiligte Firma und Fachplaner hätten vergeblich versucht, den Ursachen auf den Grund zu gehen und das Problem zu lösen, lautete die negative Zwischenbilanz des Bürgermeisters: "Wir haben uns immer nur im Kreis gedreht."

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Duschen in der Halle derzeit eine Gefahr darstellt: Seit Entdeckung der Kontamination fließt das Wasser durch so genannte Pall-Filter aus den Duschköpfen. Diese Spezialfilter sind sehr teuer und müssen in den zwölf Kabinen alle vier Wochen ersetzt werden. Das soll aber kein Dauerzustand werden. Die Stadtverwaltung will nun die "Notbremse" ziehen, wie Bürgermeister Zimmermann den Stadträten erklärte.

Konkret heißt das: Die weiteren Maßnahmen sollen nicht nur fachplanerisch, sondern auch juristisch begleitet werden. Auch will die Stadt den mit der Ausführung der Installation Beteiligten eine Frist setzen, damit die Duschen "vertragsgemäß hergestellt" würden - also ohne Legionellen. Knackpunkt sei hier jedoch die Beweissicherung. Dabei könne sich ein Verfahren über Jahre hinziehen. Einzige Alternative dazu wäre aus Zimmermanns Sicht eine (wie auch immer geartete) außergerichtliche Einigung.

Zwischen Grenz- und Gefahrenwert

Die Belastung Weil Anfang 2015 in der Sporthalle bei untersuchten Proben der Legionellen-Grenzwert von 100 koloniebildenden Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter überschritten war, hat die Stadtverwaltung die Gesundheitsbehörde informiert und weitere Maßnahmen ergriffen. Nach thermischer Desinfektion war die Belastung nur vorläufig gesunken. Ende Juli musste nach einer Routineuntersuchung erneut Alarm ausgelöst werden. Experten rückten dem Problem mit Chemie und heißen Spülungen zuleibe. Eine Untersuchung im September ergab nun einen Höchstwert von 4000 KBE. Die Lage wurde als "ernst" eingestuft. Ab 10 000 KBE spricht das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz nicht mehr von einem Grenzwert, sondern von einem Gefahrenwert.

SWP