Donnerstagabend in Gaildorf. Nach der Hitze des Tages herrscht drückende Schwüle im Städtle. Viele Spaziergänger sind unterwegs, die Eisdielen machen offensichtlich guten Umsatz. Eine Atmosphäre, die Lust auf Sommer macht – aber nur dann, wenn man den motorisierten Straßenverkehr ausblendet.

An diesem frühen Abend ist die mobile Kulisse wie immer im Zentrum des Limpurger Landes: laut und lästig. Ein Motorradfahrer nutzt das Zufallspublikum zum Schaulaufen: Mit gefühlten 100 Sachen heizt er hochtourig die Bahnhofstraße stadtauswärts. Gut, das geht vorbei, mag sich der tolerante Gaildorfer denken. Wenn es denn ein Einzelfall wäre!

Auch Teilorte sind betroffen

Ist es aber nicht. Der Lärm aufgemotzter Autos hallt durchs Kochertal. Wer bei diesem lebhaften Verkehr die Straße überqueren möchte, sollte das – sofern er es kann – schnellen Schrittes tun, wenn er nicht auf einer Motorhaube landen möchte. Oder einen der Fußgängerüberwege nutzen. Aber auch diese Variante ist für Stadtbummler kein Freibrief in Sachen Sicherheit. Eine Gruppe Wanderer  spürt das auf Höhe des Kirchenviertels: Bereits auf dem Zebrastreifen gehend, ignoriert die Fahrerin eines Kleinwagens das Haltegebot und fährt mit Tunnelblick weiter.

Das, sagt ein Passant, sei eine Zumutung. Er findet Gefallen an der Absicht der Stadtverwaltung, eine der Empfehlungen aus dem Gutachten für den so genannten Lärmaktionsplan in die Tat umzusetzen: Tempo 30 auf weiten Strecken der Durchgangsstraße. Davon verspricht sich an diesem Abend eine Fußgängerin indes nicht viel. Auch wenn die Gutachter durch eine Geschwindigkeitsbegrenzung eine Halbierung des Lärms prognostizieren (wir haben berichtet): Das sei eben „Stadt“, sagt sie.

Anders sehen das die Bürger in den „nicht städtischen“ Ortsteilen, die von Bundes- und Landesstraßen zerschnitten sind: In Bröckingen etwa ist die Lage nach den Worten eines seit Jahren lärmgeplagten Mannes „katastrophal“. Ähnlich die Situation in Ottendorf, fast noch schlimmer zwischen Gaildorf und Unterrot auf Höhe der Häusersbach- und der Arwa-Siedlung. Die gerade Strecke dieses Abschnitts der Bundesstraße 298 gilt seit Jahren schon als inoffizielle Rennstrecke der Tuning-Szene.

Für „sportliche“ Fahrer eher uninteressant ist dagegen Winzenweiler. Was jedoch nicht heißt, dass auf diesem Teil der Landesstraße 1066 langsamer und leiser gefahren wird: Viele Verkehrsteilnehmer scheinen die kurze Strecke zwischen den beiden Ortsschildern eher als Beeinträchtigung ihrer „zügigen“ Fahrweise zu betrachten. Anwohner der Crailsheimer Straße berichten von Fahrzeugen, die ungebremst durch den Ort brausen.

Der Gaildorfer SPD-Kreisrat Karl Eichele wurde – nach seinem jüngsten Vorstoß bei der Kreisverwaltung in Sachen Lärm (wir haben berichtet) – nun mehrfach auch auf die Lage in dem kleinen Teilort angesprochen. Er sei, berichtet er unserer Zeitung, gebeten worden, sich „das anzusehen und anzuhören“.

Entlastung durch Ampel?

Im Rahmen eines Ortstermins in Winzenweiler waren denn auch das aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger „zugenommene Verkehrsaufkommen, der Straßenzustand, die oft überhöhten Geschwindigkeiten, der Lärm und die Frage angesprochen, ob eine Ampeleinrichtung nicht etwas Abhilfe bringen würde“. Eichele will, sagt er, jetzt erst einmal die Antwort aus dem Landratsamt auf seine generelle Anfrage abwarten. Den Kommunalpolitiker interessiert vor allem, ob und in welcher Form der Landkreis etwas gegen die offenkundige Belästigung der Bürger unternehmen könne.

Schreiben an den Landrat

In seinem Brief an Landrat Gerhard Bauer nannte er etwa den möglichen Einsatz von Leitpfosten-Zählgeräten mit integrierten Lärm-Displays. Wie er erfahren habe, gebe es Tests, die belegten, dass der Lärm in verschiedenen Einsatzgebieten „merkbar reduziert“ werden konnte. Eichele hatte den Landrat gebeten, er möge die Experten im Verkehrsamt veranlassen, entsprechende Möglichkeiten zu ermitteln.

Einstweilen konzentriert sich die Hoffnung der Lärmgeplagten im Stadtgebiet auf verstärkte Kontrollen durch Polizei und Landratsamt.

Lärm hat viele Auswirkungen – nicht nur auf das Gehör


Die Folgen Mit den Auswirkungen des Lärms auf die menschliche Gesundheit hat sich das Büro BIT Ingenieure in Öhringen im Auftrag der Gaildorfer Stadtverwaltung auseinandergesetzt. Die Gutachter verweisen dabei auch auf die Internetplattform www.stadtklima-stuttgart.de:
„Schon bei Schalldruckpegeln von 55 dB(A) kann ein Geräusch als belästigend empfunden werden und bei längerer Dauer die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden des Menschen erheblich beeinträchtigen. Bereits ab 65 bis 75 dB(A) kann Lärm wie ein Stressfaktor wirken. Das kann zu hohem Blutdruck und zu Herz-Kreislauf-Beschwerden bis hin zum Herzinfarkt führen. Außerdem können die Zunahme der Atemfrequenz, die Abnahme der Hautdurchblutung und eine Verringerung der Magensekretion die Folge sein. Lärmstress kann Magengeschwüre verursachen. Bereits ab 85 dB(A) wird es für das Gehör gefährlich.“