Gschwend Kunst von versierten Handwerkern

Eines der Exponate, die das Heimatmuseum Horlachen in seiner Ausstellung über bemalte Möbel aus der Region zwischen Limpurger Bergen und Welzheimer Wald zeigt: Dieser kunstvoll bemalte Schrank stammt aus dem Jahr 1803.
Eines der Exponate, die das Heimatmuseum Horlachen in seiner Ausstellung über bemalte Möbel aus der Region zwischen Limpurger Bergen und Welzheimer Wald zeigt: Dieser kunstvoll bemalte Schrank stammt aus dem Jahr 1803. © Foto: Gerlinde Burkhardt
Gschwend / Gerlinde Burkhardt 04.07.2018
Auch am zweiten Ausstellungssonntag der bemalten Möbel aus den Schwäbischen Wald in Horlachen beantworten die Museumsmacher Fragen. Sie erzählen Geschichten über die Exponate.

Auch unten sind schöne Ausstellungen“, meinte eine Besucherin, als sie die Sonderausstellung im oberen Stock des ehemaligen Schulhauses erreicht hatte. Zur Halbzeit der Ausstellung hielt Erwin Holzwarth einen Vortrag und spannte mit seiner Ehefrau Sigrid den Bogen zur Volkskunst auf weiteren Alltagsgegenständen.

Wie auf den bemalten Möbeln zeigten sich auch hier ähnliche Motive und Entwicklungen und das weltweit, wie bei einer jüngeren Stickarbeit „Made in Bangladesh“ aus Sigrid Holzwarths Stoffsammlung zu sehen war. Erwin Holzwarth hatte zuvor über die Blütezeit der Schreinermalerei von 1780 bis 1850 berichtet. Diese ist für das Horlacher Museum im Gegensatz zur Fichtenberger „Hirschgaß’ 5“ der Schreiner- und Architektenfamilie Wörner eher ein Randgebiet. Es ging um die Stellung der Schreiner, bei denen es nicht nur „von der Wiege bis zur Bahre“ hieß, sondern „bis zum Sarg“, ihre Aufgaben im dörflichen Leben sowie ihre Kunden.

Reiche Mitgift

Besonders beim familiären Höhepunkt, der Hochzich – der Hochzeit, habe der Schreiner eine wichtige Rolle gespielt. Bei der Heimführung der Braut zum Haus des Bräutigams war er für die kunstvolle Bestückung und den Aufbau der Mitgift auf einem geschmückten Wagen zuständig, begleitete diesen und befestigte die Möbel immer wieder mit Nägeln. Freitags vor der Hochzich wurde so im Dorf des Bräutigams der Wohlstand der Braut feierlich präsentiert, obenauf Kanapee, so vorhanden mit Näherin und Magd besetzt, und Wiege mit dickem Federbett, bildlich dargestellt in der Ausstellung. Die Braut wurde dann  montags mit der Hochzeitskutsche abgeholt. Die Hochzeit fand üblicherweise dienstags statt.

Ein Konferenzaufsatz von 1901, „geschrieben von Schullehrer Paul Gittinger aus Oberroth“, lieferte die genaue Beschreibung dieser Bräuche. So hatten die Schreiner mit schön bemalten Möbeln Anteil daran, dass die Braut Respekt und Anerkennung, manchmal auch Neid sowie gewisse Rechte in der neuen Dorfgemeinschaft zu erwarten hatte. Der im Heimatmuseum Horlachen ausgestellte Schrank von Johannes Weibel und Theresa Weibelin von 1803 war vermutlich das Highlight auf solch einem Aussteuerwagen. „Erst vor Kurzem sahen wir eine ähnliche Ranke aus karolingischer Zeit“, erzählte Erwin Holzwarth mit Blick auf ein Schrankmotiv.

Auch Tulpe, Granatapfel, Akanthusblatt und der Blumenkorb seien überlieferte Motive aus der Antike bis zum Barock. Auf Alltagsgegenständen wie Keramik, Modeln und Stoffen wurden sie zum sich immer wieder ähnelnden Allgemeingut, das in ansonsten karger, bäuerlicher Umgebung dekorative Akzente setzte. Das ist Kunsthandwerk, das man angesichts industriell gefertigter Massenproduktion und folkloristischen Kitsches immer noch schätzt.

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