Gaildorf Kritische Stimmen zur Weltkirche

An Himmelfahrt führt die Öschprozession der katholischen Kirchengemeinde Gaildorf durch Feld und Flur. Bei einer Umfrage gaben Gemeindemitglieder an, dass ihnen die Eucharistiefeier und die Spendung der Sakramente sehr wichtig sind.
An Himmelfahrt führt die Öschprozession der katholischen Kirchengemeinde Gaildorf durch Feld und Flur. Bei einer Umfrage gaben Gemeindemitglieder an, dass ihnen die Eucharistiefeier und die Spendung der Sakramente sehr wichtig sind. © Foto: Hans Buchhofer
Gaildorf / Sven Brückner 16.05.2018
Der Prozess „Kirche am Ort – Kirche an vielen Orten gestalten“, der von der Diözese 2015 ausgerufen wurde, geht in der katholischen Kirchengemeinde St. Josef in Gaildorf in die nächste Phase.

Der Kirchengemeinderat hatte sich in den letzten Monaten zur Aufgabe gemacht, ein nahezu umfängliches Bild zu erhalten, wie es um die katholische Kirche in Gaildorf bestellt ist. Ein Mittel dieser Wahrnehmungsphase war die Gemeindebefragung über einen Fragebogen, der dem letzten Brief der Seelsorgeeinheit beilag. Der Kirchengemeinderat wollte über diese Umfrage mehr über die Stimmungen und Meinungen in der Gemeinde erfahren. Die Gemeindemitglieder sollte die Möglichkeit erhalten, Positives wie Negatives zurückzumelden und selbst eigene Vorschläge und Sichtweisen einzubringen.

Resonanz gering

Die Resonanz der Gemeindebefragung war allerdings enttäuschend: Lediglich 2,3 Prozent (71 von 3079) aller Katholiken der Gemeinde St. Josef gaben ihren Fragebogen zurück. Insgesamt waren circa zwei Drittel der Rück­meldungen von Frauen ausgefüllt worden.

Überraschend war aber, dass die Altersspanne der an der Umfrage Teilnehmenden alle Generationen umfasst. So gaben in der Altersgruppe von 14 bis 30 acht Personen und in der Gruppe der 31- bis 50-Jährigen 13 Gemeindemitglieder ihren Fragebogen zurück. Auch sehr interessant ist, dass elf Personen ihren Fragebogen zurückgaben, die so gut wie keinen Kontakt mit der Gemeinde pflegen.

Skandale stoßen auf

Zur Frage, wie die Befragten zur katholischen Kirche und zur Gemeinde St. Josef stehen, fielen die Antworten durchwachsen aus. Während der überwiegende Teil der Rückmeldungen der Beziehung zur Kirchengemeinde ein gutes Zeugnis ausstellt, so waren die Stimmen gegenüber der Weltkirche eher kritisch. Kritisiert wurde das Frauenbild der Kirche, das Zölibat, verschiedene Skandale und die mangelnde Ökumene.

Die Ärgernisse in der Kirchengemeinde waren allerdings vielfältig: die sonntägliche Gottesdienstzeit, die Form des Kirchenblattes, ein fehlendes Veranstaltungskonzept und vieles mehr. Besonders wurde aber die immer kleiner werdende Zahl an jungen Menschen beklagt. Bei der Frage was den Befragten in der Gemeinde am wichtigsten ist, gab es auch eine klare Tendenz. Nach wie vor ist den Befragten noch immer die traditionelle Eucharistiefeier und die Sakramentenspendung besonders wichtig, alle anderen Punkte waren dann zweitrangig. Die Ergebnisse der Umfrage können in den nächsten Wochen im Pfarrbüro eingesehen werden.

Nach der oben genannten Wahrnehmungsphase soll jetzt ein Prozess der Weiterentwicklung in der Gemeinde angestoßen werden. Ziel ist es, St. Josef für die Zukunft zu rüsten und neue Schwerpunkte für das Gemeindeleben zu setzen. Um diese Aufgabe anzugehen, bedarf es Menschen, die engagiert die Gemeinde mitgestalten wollen.

Treffen am Donnerstag

So soll eine Gruppe ins Leben gerufen werden, deren Ziele es sind, die einzelnen Gruppen der Gemeinde besser zu vernetzen, neue Ideen in die Gemeinschaft einzubringen und somit die Kirche am Ort zukunftsfähig zu machen. Deshalb laden das Pastoralteam und der Kirchengemeinderat alle Interessierten zu einer Informationsveranstaltung am morgigen Donnerstag um 19 Uhr ins katholische Gemeindehaus in der Bahnhofstraße in Gaildorf ein.

Bei dieser Veranstaltung sollen die Ergebnisse der Wahrnehmungsphase der letzten Monate nochmals präsentiert werden, und es wird erläutert, was die Aufgaben der neuen Gruppe „Kirche am Ort“ sein sollen.

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