Ein siebenjähriges Kind wird vermisst. Seine leibliche Mutter ist mit ihm auf der Flucht, hat aber kein Recht mehr, über den Aufenthaltsort der Tochter zu bestimmen. „Kindeswohlgefährdung“ ist ein hartes Wort, bildet aber die Grundlage für die richterlichen Entscheidungen und polizeilichen Maßnahmen, die in diesem Fall getroffen wurden. Geschlagene vier Monate sind Tochter und Mutter verschwunden, ehe Ende Januar endlich eine Öffentlichkeitsfahndung gestartet wird – aber nur nach der Tochter.
Dass die Mutter das Kind entzogen hat, steht außer Frage. Entsprechend formuliert es auch das Haller Jugendamt in einem Strafantrag an die Staatsanwaltschaft in Schwäbisch Hall.
Doch wird nun, da die Mutter mit der Tochter bereits seit mehr als sieben Monaten flüchtig ist, eigentlich auch nach der Verantwortlichen gefahndet? Liegt gegen sie ein Haftbefehl vor? Die Antwort auf solch naheliegenden Fragen unserer Zeitung verweigert die Haller Staatsanwaltschaft, bei der entsprechende Ermittlungsverfahren anhängig sind, kategorisch. Lapidar heißt es: „Seien Sie versichert, dass die Staatsanwaltschaft alle notwendigen Schritte in die Wege geleitet hat.“ Aber wäre der Gang an die Öffentlichkeit, wie er bei Tara bereits erfolgt ist, nicht auch im Falle der Mutter ein notwendiger Schritt? Dass in diesem Fall ein öffentliches Interesse vorhanden ist, ergibt sich allein schon aus der Öffentlichkeitsfahndung nach dem Kind. Inwiefern eine Information der Öffentlichkeit laufende Ermittlungen beeinträchtigen könnte, erschließt sich ebenfalls nicht – zumal der genaue Aufenthaltsort von Mutter und Tochter unbekannt ist. Sind sie überhaupt noch in Deutschland? Oder auf Malta im Wirkungskreis eines einschlägig bekannten Anwalts? Oder in einem ganz anderen Land?
Es muss das gemeinsame Interesse aller beteiligten Ämter und Ermittlungsbehörden sein, Tara schnellstmöglich zu finden, um eine Kindeswohlgefährdung abzuwenden. Eine Öffentlichkeitsfahndung auch nach der Mutter ist daher ebenso überfällig wie eine dem Sachverhalt angemessene Kommunikation mit den Medien. Die Haller Staatsanwaltschaft wäre gut beraten, dem nachzukommen.