Murrhardt Klangfantasien virtuos interpretiert

Die Mitwirkenden des Galakonzertes zum Abschluss der Internationalen Klavierakademie in Murrhardt (von links): Jion Nakamura (Stipendium-Gewinner), Kyoko Kohno, Nika Afazel, Hyelim Kim (Stipendium-Gewinnerin), Rachel Kudo, Albertina Eunju Song (Publikumspreis-Gewinnerin), Alexander Breitenbach.
Die Mitwirkenden des Galakonzertes zum Abschluss der Internationalen Klavierakademie in Murrhardt (von links): Jion Nakamura (Stipendium-Gewinner), Kyoko Kohno, Nika Afazel, Hyelim Kim (Stipendium-Gewinnerin), Rachel Kudo, Albertina Eunju Song (Publikumspreis-Gewinnerin), Alexander Breitenbach. © Foto: Elisabeth Klaper
Murrhardt / Von Elisabeth Klaper 12.09.2018
Sieben Pianisten zeigen herausragende Darbietungen beim Gala-Abschlusskonzert der 18. Internationalen Klavierakademie in Murrhardt. Drei Teilnehmer erhalten Stipendien.

Ein bunt schillerndes Mosaik aus wunderschönen Klangfarben und Stimmungen, kunstvoll ausgearbeiteten Details und virtuosen Effekten kreieren sieben Pianisten beim Gala-Konzert zum krönenden Abschluss der Klavierakademie Murrhardt 2018. Die Mitwirkenden faszinieren mit hingebungsvollem, detailgenauem und emotionalem Spiel.

Vergnügt lächelnd musizieren

Die US-Amerikanerin Rachel Kudo trägt elegant vier Sätze vor aus Bachs „Französischer Ouvertüre“ in h-Moll (BWV 831). Klangschön stellt sie den graziös-galanten Charakter der französischen Barockmusik dar. Vergnügt lächelnd und tänzerisch beschwingt gestaltet Kudo die reich verzierte „Ouvertüre“, zart und leise die klagende „Sarabande“, charmant die reizvoll figurierte Melodik und Rhythmik der „Gigue“ im siebten Satz und das heiter verspielte Echo im achten Satz.

Stilvoll präsentiert der Japaner Jion Nakamura Ludwig Beethovens zweisätzige Klaviersonate Nr. 27 in e-Moll opus 90. Präzise und schwungvoll bietet er den ersten Satz dar. Energisch arbeitet er die dramatischen Kadenzen und Läufe mit innovativer Harmonik heraus. Im zweiten Satz gestaltet der japanische Pianist klangschön die liedhafte Melodik.

Mit großer Empathie bietet die US-Amerikanerin Kyoko Kohno Chopins Ballade Nr. 3 in As-Dur opus 47 dar. Verspielt lässt sie die Finger über die Tastatur tanzen und bringt vollendet die Vielfalt leidenschaftlicher und unruhiger Passagen zum Ausdruck, ebenso die abschließende grandiose Modulation mit prächtigen gebrochenen Oktavakkorden.

Auftritt eines Possenreißers

Behutsam, aber mit sprühender Virtuosität trägt die Südkoreanerin Hyelim Kim drei Stücke aus dem Zyklus „Spiegel“ von Ravel vor. In „Traurige Vögel“ verziert sie schwermütige Klänge mit hellen, perlenden Figuren. In der idyllischen Impression „Eine Barke auf dem Ozean“ malt sie feinsinnig die Wellenbewegungen mit klangprächtigen Modulationen. Im rhythmisch und melodisch komplexen „Morgenständchen eines Narren“ veranschaulicht sie mit quirlig über die Tasten tanzenden Händen den Auftritt des spanischen Possenreißers.

Harmonisch feinsinnig gestaltet die Iranerin Nika Afazel den ersten Satz aus Schuberts Klaviersonate A-Dur (D 959). Klangschön bringt sie Zitate aus Liedkompositionen zur Entfaltung, die eine düster-fatalistische Stimmung trübt, und temperamentvoll eine pathetische Akkordkaskade.

Mit Verve präsentiert Alexander Breitenbach aus Siegen das Allegro con fuoco aus der Sonate opus 1 des in der NS-Zeit verfemten Ernst Bachrich. Leidenschaftlich bringt er die vielschichtige Klangfantasie zum Ausdruck mit einer schnellen Abfolge von Harmonien, Dissonanzen und Stimmungen, aufgewühlten, teils bedrohlichen Kadenzen, aber auch Passagen mit reizvoller, impressionistischer Melodik.

Ästhetisch spielt die Südkoreanerin Albertina Eunju Song die drei Charakterstücke der sinfonischen Impression „Venedig und Neapel“ aus Franz Liszts „Pilgerjahre“. Spielerisch leicht gestaltet sie die „Gondoliera“, in der ein fröhliches Volkslied die Gondelfahrt und gebrochene Akkorde die Wellen illustrieren.

Klavier klingt wie eine Mandoline

Dramatisch düster wirkt die „Canzone“ mit einem Zitat aus Rossinis Oper „Othello”. In der virtuosen „Tarantella“ mit einer verträumten neapolitanischen Volksweise im Zentrum gestaltet Song souverän schwierigste Figurationen und imitiert den Klang einer Mandoline.

Die Klavierakademie und ihre Preisträger

Mehr als 600 Teilnehmer aus fast 50 Ländern besuchten seit 2001 die Klavierakademie Murrhardt. Die Zuhörerzahl wuchs von anfangs etwa 50 auf weit über 1000 pro Saison.

Drei Stipendien werden in diesem Jahr vergeben: Professor Felix Gottlieb überreicht den mit 300 Euro dotierten Publikumspreis an Albertina Eunju Song sowie Stipendien in gleicher Höhe an Hyelim Kim und Jion Nakamura.

Geschäftsführer Uwe Matti dankt den Professoren Felix Gottlieb, Robert Levin und John Perry, den Dolmetscherinnen Anna Krause und Julia Kirschbaum, Detlef Neumann, der Infotafeln gestaltet hat, sowie Gisela Fleschmann-Becker, die nun ihre Tätigkeit als Schatzmeisterin im Verein beendet.

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