Kirchenmusikfestival Klang und Farbe in der Johanniskirche in Schwäbisch Gmünd

Eingetaucht in blaues Licht: Kurt Laurenz Theinert (links) und Fried Dähn in der Johanniskirche in Schwäbisch Gmünd.
Eingetaucht in blaues Licht: Kurt Laurenz Theinert (links) und Fried Dähn in der Johanniskirche in Schwäbisch Gmünd. © Foto: Ralf Snurawa
Schwäbisch Gmünd / Ralf Snurawa 01.08.2018
Kurt Laurent Theinert und Fried Dähn veranschaulichen beim Nachtkonzert das fließende Zusammenspiel zwischen Musik und Lichteffekten.

Was geschieht, wenn ein Ton- und ein Lichtkünstler aufeinandertreffen und miteinander auch improvisieren, konnte das Publikum des Europäischen Kirchenmusikfestivals in Schwäbisch Gmünd vergangene Woche erleben. Fried Dähn und Kurt Laurenz Theinert wirkten dort beim Nachtkonzert am Freitagabend in der Johanniskirche künstlerisch zusammen.

Das Ergebnis waren soghafte Klänge, die Dähn sowohl einem akustischen wie auch einem elektronischen Violoncello entlockte, und nicht minder soghafte Farb- und Figur-Konstellationen, die Theinert mit seinem „Visual Piano“ an die Wände und Decke im Inneren des alten Bauwerks projizierte. Dabei musste im Dialog der beiden Künstler jedoch unterschieden werden, ob Eigenkompositionen Dähns oder Ausschnitte aus den Bach’schen Solosuiten für Violoncello zu hören waren.

Spontane Improvisation

Denn – und das merkten die Zuhörer sehr deutlich – die gegenseitige Beeinflussung war bei den Stücken von Dähn, die vor allem auch von der Improvisation lebten, viel stärker. Dähn konnte auf die Farben und Figuren an den Kirchenwänden eingehen. Die Einleitung wurde zu einem gegenseitigen Darstellen von Wasser. Theinert malte Pfützen an die Wand; Dähn ließ es am Steg seines E-Cellos rauschen wie die Brandung am Strand.

„Chords & Circles“ (Akkorde und Kreise) nannte sich ein anderes Stück, bei dem Theinert Weißlicht-Netzkugeln mal größer, mal kleiner sich drehen ließ. Musik und Licht gerieten dabei in dieselbe Schwingung. Dähn spielte mit Loops und präsentierte leicht eingängige Melodien.

Eher perkussiv klang es zu „Dran“. Lichtbalken untermauerten dies visuell. Die Rhythmik fand in den schnell auftretenden, sich anhäufenden und auch wieder verschwindenden Balken ihr Gegenstück. Das bestimmte auch „Furado“, wobei Dähn mehr mit den gezupften Tönen spielte und später mit alle Saiten einbeziehenden gebrochenen Akkorden – und Theinert mit Farbflächen. Zu „Cuento“ wurden es dann mehr wieder Wasserpfützen, ja überhaupt eine Farbexplosion.

„Frei im Zusammenspiel“

„Zwischen Klang und Licht gibt es keine Kopplung“, hatte Kurt Laurenz Theinert der Veranstaltung vorausgeschickt. „Wir sind frei im Zusammenspiel, weil wir glauben, dass die beste Art des Zusammenspiels immer noch auf der menschlichen Ebene am besten funktioniert.“ Das betraf auch die Stücke von Johann Sebastian Bach. Dähn konnte hier kaum auf Theinert eingehen. Der verstand es aber, sehr einfühlsam mit den Melodien und Rhythmen Bachs umzugehen.

Ein kleines Feuerwerk mit weißem Licht entfachte Theinert zum Präludium der C-Dur-Suite von Bach. Die Menuette aus der Suite in G-Dur wurden mit Linien kombiniert, die manchmal statisch an Notenlinien erinnerten, aber auch auf den Wänden ins Schwingen kommen konnten.

Und zur Sarabande – wieder aus der C-Dur-Suite – blieb es auch einmal dunkel. Dafür konnte das am Ende restlos begeisterte Publikum das innig gesangliche Saitenspiel von Fried Dähn konzentriert genießen.

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