Kieselberg Klänge zum Schwelgen

RS 09.01.2013
Die Haller Harfenistin Judith Hambücher eröffnete mit einem facettenreichem Konzert die Veranstaltungsreihe "Café Soirée" im Hofgut Kieselberg.

Von jahrhundertealten traditionellen irischen Melodien bis zu atonalen Sequenzen reichte das Spektrum der Werke, die die Harfenistin Judith Hambücher aus Schwäbisch Hall bei ihrem Harfenkonzert zum neuen Jahr präsentierte. Mit einer klassischen Pedal-Konzertharfe und einer traditionellen keltischen Hakenharfe gestaltete die Studentin der Musikhochschule Stuttgart den Auftakt der Veranstaltungsreihe "Café Soirée" im überfüllten Hofgut Kieselberg.

Auf dem Programm standen Werke kaum bekannter Komponisten, die meist selbst Harfenisten und Harfenlehrer waren. Judith Hambücher spielte sehr gefühlvoll, beschwingt und elegant mit großer Fingerfertigkeit und minuziöser Fußarbeit. Ein Höhepunkt waren impressionistische Kompositionen aus der Reihe "Images" von Marcel Tournier (1879-1951). Inspiriert von Bildern und Berichten aus dem Orient schuf er faszinierende Stücke mit arabisch anmutenden Klängen. Da trotten Esel müde durch die Wüste, ein unglückliches Elementarwesen vollführt einen Tanz und der Mond spiegelt sich im Weiher einer Oase. Eine liebliche Melodie und ostinate auf- und absteigende Akkorde zeichneten das Wiegenlied g-Moll von Tourniers Lehrer Alphonse Hasselmans (1845-1912) aus.

Ein Hörgenuss waren irische Melodien, die Judith Hambücher auf der Hakenharfe darbot. Über Jahrhunderte wurden sie ohne Noten weitergegeben. Die meisten schrieb der blinde Harfenist Turlough OCarolan Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts auf, und zeitgenössische Komponisten bearbeiteten sie. Alle zeichnen sich aus durch verträumte, mal melancholische, mal heiter-strahlende Melodien voller Poesie und anmutige Rhythmen.

Wie sich die reifen Ähren eines Weizenfelds im leichten Sommerwind wiegen, beschrieb John Thomas (1826-1913) in einem bezaubernden romantischen Stück mit herrlichen Arpeggien. Thomas war erster Harfenist am englischen Königshof und sammelte als Erster traditionelle walisische Volksweisen.

Kunstvoll wie Konzertstücke wirkten Etüden in traditionellem Stil von Wilhelm Posse (1852-1925) und Eric Schmidt (1907-2000). Inspiriert vom Duft und Geschmack der Gewürze Vanille und Zimt kreierte der 1941 geborene Bernard Andrès einen musikalischen Leckerbissen aus rhythmischen und melodischen Elementen unterschiedlicher Kulturen und Stile. Wie eine romantische spanische Serenade wirkte "Nataliana" von der 1953 geborenen amerikanische Jazz-Harfenistin Deborah Henson-Conant.

1962 komponierte der 1939 geborene Heinz Holliger sieben atonale Sequenzen über einen Text des Johannes-Evangeliums. Hier spielte die Harfenistin auch mit zwei Werkzeugen: Mit dem Stimmschlüssel erzeugte sie Glissandi, mit dem Schraubenschlüssel schlug sie an den Harfenkorpus.

Zwischen den Stücken trugen Gastgeberin Sabine Bölz und Judith Hambücher abwechselnd Texte zum Thema Zeit vor, die Hambücher ausgewählt hatte. Darunter waren auch Gedichte von Christian Morgenstern und Abschnitte aus der Geschichte "Momo" von Michael Ende. In "Genieße den Tag" ruft Pascal Mercier dazu auf, die Zeit sinnvoll zu nutzen.

Mit enthusiastischem Applaus brachte die Zuhörerschar ihre Begeisterung über das vielseitige Programm, das virtuose Harfenspiel und die rhetorisch stimmigen Textvorträge zum Ausdruck.