Fichtenberg Kirchenmann, Schriftsteller, Demokrat

 Porträt, zirka 1830, von Johann Gottfried Pahl, Pfarrer, Schriftsteller, Journalist.
Porträt, zirka 1830, von Johann Gottfried Pahl, Pfarrer, Schriftsteller, Journalist. © Foto: Privat
Fichtenberg / Richard Färber 14.09.2018
Der Historiker Klaus Graf spricht in Fichtenberg über Johann Gottfried Pahl.

Immer wieder blitzt sie auf, die Erinnerung an Johann Gottfried Pahl (1768–1839), Pfarrer zu Neubronn, Affalterbach und Fichtenberg, Dekan und schließlich Prälat. Der gebürtige Aalener war freilich weit mehr als ein Seelsorger. Er war als Schriftsteller und Historiker ein ausgesprochen politischer Kopf, ein „Demokrat ohne Radikalismus“, wie der aus Oberrot stammende Autor Kurt Oesterle feststellte.

Pahl war ein Vielschreiber, von Jugend auf, wie er in seiner Autobiografie „Denkwürdigkeiten aus meinem Leben und aus meiner Zeit“ schreibt. Sogar an Romanen hat er sich versucht, gewichtiger freilich sind seine politischen Schriften, seine historischen Analysen, seine Satiren. Als aufgeklärter Kirchenmann wandte er sich mit seiner Kampfschrift ­„Ueber den Obskurantismus“ gegen den allgegenwärtigen Aberglauben und zum Teil wohl auch gegen seine Kirchenbrüder. Größten Erfolg aber hatte seine „Nationalchronik der Teutschen“, die sich seit 1801 mit der „Tagsgeschichte des Vaterlandes“ beschäftigte. Wieland und Herder lobten die Zeitschrift, der württembergische König Friedrich ließ sie 1809 verbieten: Pahl habe nicht „im Fache der Politik herumzuirren, worin er nichts zu suchen hat“.

Pahl war kein Eiferer. Das mag in seiner Natur gelegen haben, ist aber auch politisch begründet. Als junger Mann begrüßte er die Ideen der Französischen Revolution und war entsetzt von der Tyrannei, die darauf folgte. In der Konsequenz wurde er zum Reformdemokraten, zum Befürworter der Fortschritte, nicht der Umbrüche. So begründet sich sein heutiger Ruf als einer der bedeutendsten Autoren der Spätaufklärung in Württemberg.

Pahl lässt sich heute noch lesen. Zahlreiche seiner Schriften liegen online vor. Ein Verzeichnis findet sich auf Wikisource. Historiker und Pahl-Experte Klaus Graf hat sich dafür starkgemacht. Von ihm stammt auch das Buch „Ein politischer Kopf aus Ostschwaben“, das heuer anlässlich des 250. Geburtstags von Pahl als 22. Band der Lauterner Schriften erschienen ist.

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