Murrhardt Kirchenkonzert zum Jubiläum der Musikschule Schwäbischer Wald/Limpurger Land

Die Murrhardter Stadtkirche bot den akustischen Rahmen für barocke Klassiker im Jubiläumskonzert.
Die Murrhardter Stadtkirche bot den akustischen Rahmen für barocke Klassiker im Jubiläumskonzert. © Foto: eke
Murrhardt / EVE 21.10.2015
Die Musikschule Schwäbischer Wald/Limpurger Land krönte das Festprogramm zum 40-jährigen Bestehen mit einem Kirchenkonzert. Zu hören waren Interpretationen barocker und klassischer Kompositionen.

Die Faszination der Barockmusik entfaltete sich mit majestätischen Klangfarbenpanoramen in der fast voll besetzten Stadtkirche bei Johann Sebastian Bachs festlichen, jubilierenden Kantaten "Wir danken dir, Gott" (Bach-Werke-Verzeichnis 29) und "Erschallet, ihr Lieder" (BWV 172). Dank der harmonischen Interaktion der Sänger und Musiker erstrahlten diese grandiosen, mit einer Fülle ornamentaler Figuren und Verzierungen ausgestalteten Tonkunstwerke des großen Meisters in voller Schönheit.

Ein Hörgenuss war die stimmungsvolle Sinfonia am Anfang der Kantate 29, eine Bearbeitung des Präludiums aus Bachs Partita E-Dur für Violine (BWV 1006). Darin verbanden sich prunkvolle Trompeten- und Paukenklänge mit einem virtuosen Solopart aus filigranen Figuren auf dem Orgelpositiv. Es folgte ein dichtes Stimmgefüge aus dem Eingangschor, einer Vertonung des 75. Psalms in Fugenform, und Partien der Solisten. Bezaubernd schön zur Geltung kam die von Oboe und Streichern begleitete Sopran-Arie im beschwingten Siciliano-Rhythmus, feierlich erklang der abschließende Choral über die fünfte Strophe von Johann Gramanns Lied "Nun lob, mein Seel, den Herren".

Glückwünsche klassisch verpackt

"Erschallet, ihr Lieder" begann mit souverän vorgetragenen Chor-Koloraturen, den festlichen Charakter unterstrichen pompöse Trompetenfanfaren, die abwechselnd mit melodiösen Streicherpassagen konzertierten. Die herrliche Bass-Arie "Heiligste Dreieinigkeit", deren Thema die Töne des Dur-Dreiklangs bildeten, begleiteten drei Trompeten, Pauken und Generalbass, eine seltene, inhaltlich stimmige Kombination. Im Kontrast dazu illustrierten fließende Streicherlinien in der sehnsuchtsvollen Tenorarie "O Seelenparadies" den Heiligen Geist. Im letzten Solosatz, von Bach als Aria (Duetto) bezeichnet, besangen Sopran und Alt ihre Einheit, dazu spielte die Oboe den reich verzierten Pfingstchoral, das Violoncello eine figurenreiche Melodie.

Wolfgang Amadeus Mozarts rhythmisch beschwingte, facettenreiche Missa brevis (kurze Messe) in C-Dur (Köchelverzeichnis 220) bekam den Namen Spatzenmesse von den an Vogelgezwitscher erinnernden Violinfiguren im Hosanna des Sanctus und Benedictus. Das Werk zeichnet sich aus durch abwechslungsreiche Rhythmik in schnellem Tempo, spannungsvolle, dramatische Klangbilder und Modulationen, triumphierende Melodik und einen kaum vorhandenen Kontrapunkt. Bezaubernd schön zur Geltung kam eine von allen Solisten gemeinsam gesungene Kantilene mit lieblicher Melodik im Benedictus, ebenso die Interaktion mit dem Chor im zuversichtlichen Agnus Dei.

Musik mit viel Gefühl

Alle Mitwirkenden, die Musikschulleiter Uwe Matti dirigierte, sangen und musizierten mit viel Gefühl, voller Freude und großem Engagement. Mit schönen Stimmen, die auch bei schwierigen, reich verzierten Passagen sicher und harmonisch zusammenwirkten, präsentierte der Kammerchor die Choräle und kunstvoll verzierten Chorpartien. Darin wirkten erfahrene Sänger der evangelischen Kirchenmusik Kirchenkirnberg, aus Murrhardt und Fornsbach mit, wobei das einigermaßen ausgewogene Verhältnis von Frauen- zu Männerstimmen für einen ästhetischen Gesamtklang sorgte. Die Solisten gestalteten ihre Arien und Rezitative mit Hingabe, melodischer Intonation und klarer Textartikulation. Anmutig und kristallklar trat die Sopranstimme von Jeannette Bühler hervor. Gefühlvoll bot Musikschul-Gesangslehrerin Henriette Schöwitz ihre Partien mit warmer Altstimme dar. Klangvoll sang Tenor Frank Bossert, hatte aber Intonationsprobleme bei sehr hohen Tönen. Mit kraftvoller Stimme überzeugte Musikschullehrer und Kammerorchester-Dirigent Matthias Baur als Bassist.

Lehrer und Schüler der Musikschule, engagierte Profimusiker sowie Julia Kirschbaum und Judith-Maria Matti am Orgelpositiv bildeten ein bestens harmonierendes Instrumentalensemble. Mit Verve boten dessen Mitglieder die kunstvollen, zum Teil außerordentlich schwer zu spielenden Instrumentalpartien stimmig und klangschön dar.