Open-Air Kino-Team im Kino-Glück

Gaildorf / RICHARD FÄRBER 20.07.2013
Eine Premiere wurde am Donnerstag beim Open-Air-Kino im Gaildorfer Schlosshof gefeiert. Mit André Erkau stellte erstmals ein Regisseur seinen Film vor - vor vollem Haus und einem glücklichen Team.

Das bewährte "Erst-gucken-dann-drüber-reden-Prinzip" funktioniert beim Open-Air-Kino, wo die Vorstellungen spät beginnen und noch später enden, natürlich nicht so gut. Insofern wars auch nicht der typische Auftritt eines Regisseurs, als André Erkau am Donnerstagabend im Gaildorfer Schlosshof vors Publikum trat - vor der Vorstellung gibts keine Fragen. Zumindest nicht zum Film.

Erkau, der erfreut zur Kenntnis nahm, dass sein Film im Vorverkauf in Gaildorf sogar Quentin Tarantinos "Django Unchained" geschlagen hat, erzählte stattdessen noch einmal die filmreifen Begebenheiten, die zu seinem Besuch geführt hatten: Wie er mit seinem Hund vor der Tür der Gaildorfer Tierärztin Margarete Nagel-John und Kinoverein-Vorsitzenden stand und den Anruf des Verleihs wegdrückte, der just im Moment einen Kontakt zu Nagel-John herstellen wollte - dem Hund gehts übrigens wieder gut. Und wie er ausgerechnet ins Limpurger Land kam, erzählt er auch: Erkaus Frau Sabine kommt aus Westheim, sein Schwiegervater Karl Stellner hat lange Jahre bei Mahle in Gaildorf gearbeitet, und insofern wertet der aus Dortmund stammenden Erkau seinen Auftritt in Gaildorf auch als "Heimspiel".

Der Regisseur weiß mittlerweile, dass die Tragikomödie "Das Leben ist nichts für Feiglinge" als kleines Meisterwerk gilt: Hauptdarsteller Wotan Wilke Möhring sei von dem Film so überzeugt gewesen, berichtet Erkau, dass er - erstmals in seiner Karriere - als ausführender Produzent einstieg. Stolz mache ihn auch, sagt er im Gespräch mit der RUNDSCHAU, dass die ARD den Film im nächsten Jahr zur "Primetime", also in der Hauptsendezeit ausstrahlen wolle.

Erkau war zunächst skeptisch, als ihm Gernot Gricksch seinen Roman "Loslassen" vorlegte. Grickschs Erklärung, es gehe um Themen wie Krebs und Tod, um eine Familie am Abgrund, klang nicht verlockend. Er habe "gedämpft" zu lesen begonnen, sagt Erkau, und dabei bereits Absagen formuliert. Wenigstens am Anfang. Doch dann, macht Erkau dem Publikum Appetit, "musste ich ständig kichern." Gricksch, befindet Erkau, sucht in seinem Roman das Licht in der Finsternis und er finde dabei jene hellen Momente, die es ermöglichen, ins Dunkel zu schauen. Wie er das meint, wird im Film deutlich: Klug inszeniert und famos besetzt entwickelt "Das Leben ist nichts für Feiglinge" eine Balance, die die Geschichte nicht nur erträglich, sondern zu einem Fest macht. Es wird viel gelacht an diesem Abend, und am Ende gibts tosenden Applaus.

Für den Gaildorfer Kinoverein dürfte diese Vorstellung einer der Höhepunkte in der Geschichte der Open-Air-Vorstellungen im Schlosshof gewesen sein. Aber auch sonst hat die sechste Saison, die heute mit "Django Unchained" endet, alle bisherigen Rekorde gebrochen. Das mag am Wetter liegen, liegt mit Sicherheit aber auch an den Filmfans, für die der Schlosshof an diesen zehn Kinoabenden zum Wohnzimmer wurde. Das Kino-Team im Kino-Glück darf sich gelobt und zur Fortsetzung verpflichtet fühlen.