Im Fall der vermissten Tara aus Ottendorf hat die maltesische Polizei offenbar den dort tätigen deutschen Anwalt Kai Jochimsen befragt. Dies erklärt Jochimsen selbst auf seiner Internetseite. Dort ist unter anderem zu lesen, dass er am vergangenen Freitag „vor dem Vice Squad des maltesischen Polizeipräsidenten geladen“ war. Dabei sei es um die „vermeintlich vermisste Tara“ gegangen. Der Anwalt gibt an, der „befragenden Kommissarin“ habe ein entsprechendes Ersuchen des Haller Jugendamts vorgelegen.
Bereits im Dezember hatte das Jugendamt Strafanzeige gegen Taras Mutter wegen Kindesentführung gestellt. Ihr war vor knapp sechs Monaten das Aufenthaltsbestimmungsrecht für ihr siebenjähriges Kind entzogen worden. Seitdem ist sie mit ihm auf der Flucht. Anwalt Jochimsen hat im Januar öffentlich die Mandantschaft für Mutter und Kind erklärt. Die Rechtmäßigkeit des richterlichen Beschlusses, auf dem der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts fußt, stellt er in Abrede.

Anwalt erhebt Vorwürfe gegen das Haller Jugendamt

Wie Jochimsens Stellungnahme zu entnehmen ist, zweifelt er die „internationale Zuständigkeit“ des Haller Jugendamtes an. Zudem habe er bei der Polizei „glaubhaft“ gemacht, „dass es Tara gut geht“. Im Übrigen verweist er auf seine Verschwiegenheitspflicht. In einem Schreiben an den maltesischen Polizeipräsidenten habe er am Montag das Gespräch aus seiner Sicht zusammengefasst. Darin erhebt er den Vorwurf, das Jugendamt habe versucht, die Polizei in die Irre zu führen. Dem Polizeipräsidenten schlägt er vor, vom Jugendamt Unterlagen einzufordern, die belegen, dass Tara medizinische Hilfe brauche. Sollte dieser Beleg nicht beigebracht werden, legt Jochimsen dem Polizeipräsidenten nahe, gegen den zuständigen Mitarbeiter des Haller Jugendamts einen Europäischen Haftbefehl zu beantragen. Auf welcher Grundlage dieser Haftbefehl erfolgen soll, lässt er offen.
Wie wahrheitsgemäß und vollständig die Angaben des Anwalts sind, wie sein Gespräch mit der maltesischen Polizei verlief, lässt sich von unabhängiger Seite kaum prüfen. Eine Anfrage bei den maltesischen Behörden blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Die Pressestelle des Haller Landratsamtes hatte schon vor geraumer Zeit erklärt, das Jugendamt könne „aus Gründen des Sozialdatenschutzes zu diesem konkreten Fall leider keine Auskunft erteilen“.