Seit gut zwei Jahren tritt die Salonkapelle Sternenglanz auf und findet immer mehr Zulauf. Die Saloniker aus dem Großraum Crailsheim treten standesgemäß im Frack auf, die beiden Damen in feiner Robe. Die Kapelle entführte die Besucher auf eine musikalische Zeitreise beginnend mit dem Walzerkönig Johann Strauß, orientalischen Klängen, mit hinreißenden Tangoklängen aus Buenos Aires und Melodien aus den goldenen Zwanzigern, die in den Tanzlokalen in Berlin gespielt wurden. Dazu gesellten sich Operettenmelodien und jazzige Evergreens, alles sehr temperamentvoll vorgetragen mit teilweise kreativen und belebenden Arrangements. Mit viel Beifall nach jedem Vortrag und am Ende mit stehenden Ovationen belohnte das Publikum die zehn Musiker für einen unvergesslichen Abend und für einen schwungvollen Start in das Jahr 2016.

Rhythmische Klänge mit Schmirgelpapier und Luftpumpe

Dass die Saloniker Sternenglanz auf hohem Niveau Musik bieten, verwundert nicht, denn die Gruppe setzt sich aus Profimusikern, Musiklehrern und talentierten Laienmusikern zusammen. "Es ist halt doch etwas Besonderes, wenn man die Musiker direkt hört und sieht", meinte eine kundige Dame am Ende des Konzerts. Dem konnte man nur zustimmen, denn Tonträger können zwar die Musik vermitteln, doch nicht die Stimmung, die die Künstler bei ihrem Auftritt verbreiten.

Die Saloniker eroberten die Herzen der Zuhörer schon beim Auftakt mit den beiden Titeln "Champagner-Galopp" von Hans Christian Lumbye und mit der inoffiziellen Nationalhymne Österreichs, dem Walzer "An der schönen blauen Donau" von Johann Strauß, schwer zu spielen wegen der vielen Wechsel und Dynamik. Hier zeigte sich bereits, dass die Kapelle ausgezeichnet harmoniert, da nur Stehgeiger Eckart Baier die Einsätze angibt, aber ansonsten kein Dirigent für Tempo, Rhythmik oder Dynamik den Taktstock schwingt. Die Moderation teilten sich Ensemble-Chef Jörg Baier und Eckart Baier. Sie gaben jeweils entsprechende Hinweise zu den jeweiligen Kompostionen.

Das Programm war breit gefächert und bot manche musikalische Überraschung. So sorgte eine Luftpumpe beim Champagner-Galopp für den Knall der Sektkorken oder zwei fleißige Malergesellen entlockten beim "Schmirgelpapierduett" von Leroy Anderson mit simplem Schmirgelpapier rhythmische Klänge. Und noch etwas: Die Kapelle Sternenglanz kann auch mit Gesang aufwarten: Eckart Baier, Bernhard Hubner, Hannes Baier und Daniela Mang unterstützten ihren Chef Jörg Baier bei seinen meisterhaften Solovorträgen kongenial. Gesang und Instrumente - eine einmalige Konstellation.

Wiener Polkaklänge, Chansons der 30er und jazzige Titel

Alle Kompositionen waren hörens- und sehenswert. Seien es die Wiener Polkaklänge, die Melodien von Ludwig Siede oder von Paul Linke, die wilden und frechen Songs aus den 30er-Jahren oder der Abstecher ins Morgenland mit dem Orient-Express oder dem Schlangenbeschwörer. Nach der Pause ging es weiter mit jazzigen Titeln "Second Waltz" von Dimitri Schostakowitsch aus der Jazz-Suite Nr. 1, mit Operettenklängen aus "Maske in Blau" mit schmissigen Titeln wie "die Julischka" oder der Zigeunermelodie "Duschenka". Erotisch wurde es beim Abstecher nach Buenos Aires mit dem "Maiskolben" oder "La Cumparsita". Mit frechen und wehmütigen Schlagermelodien ließen die Saloniker das Konzert ausklingen und ernteten stürmischen Beifall. Bei den Zugaben, unter anderem mit dem "Radetzky Marsch" von Johann Strauß, überstand das Cello von Jörg Baier den Frontalangriff seines Maestros zum Glück unversehrt. Am Ende sollte Bürgermeister Frank Zimmermann bei seiner Begrüßung recht behalten: "Lassen Sie uns bei feiner Musik und in wunderbarer Atmosphäre das neue Jahr musikalisch beginnen." Gaildorfs VHS-Leiterin Angelika Meixner verteilte an das Ensemble Rosen und dankte ihrem Helferteam, allen voran Karlheinz Stooß, der mit Rat und Tat zur Seite stand und für finanzielle Hilfen durch die Senator Hans Kupczyk-Stiftung zuständig ist. Das Team Hessenthaler war für das wunderbare Büfett zuständig.